# taz.de -- Proteste gegen IWF und Weltbank: Opfer konfrontieren Weltbank mit gescheitertem Projekt
> In Thailand protestieren Menschen gegen die Weltbank, die den Preis für
> deren unerfülltes Wohlstandsversprechen zahlen mussten.
(IMG) Bild: Bangkok am Freitag: Protestmarsch auf dem Weg zum weiträumig abgeriegelten Treffen von IWF und Weltbank
In der thailändischen Hauptstadt Bangkok haben am Freitag erneut mehrere
hundert Menschen friedlich gegen die dort bis 18. Oktober stattfindende
Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank
demonstriert. Die Veranstalter zählten laut [1][Bangkok Post] 1.000
Protestierende, die Polizei 800. Am Vortag schrieb das Blatt von 600
Protestierenden.
Das People's Movement against World Bank-IMF setzt sich vor allem aus der
lokalen Allianz der Armen und der internationalen Kleinbauernorganisation
Via Campesina zusammen. Sie prangern die neoliberale und sozial blinde
Politik der versammelten Banker an. Deren Politik schwäche Demokratie und
Ernährungssouveränität, stärke ein System des Neokolonialismus und
unterdrücke soziale Bewegungen. [2][Der renommierte thailändische
Journalist Pravit Rojanaphruk] vom Webportal Khaosod English, der [3][immer
wieder von den Behörden seines Landes drangsaliert wird], veröffentlichte
[4][zahlreiche Liveberichte von den Demonstrationen].
Nach 1991 ist es bereits das zweite Mal, dass die beiden
Bretton-Woods-Organisationen Weltbank und IWF samt der internationalen
Finanzelite ihre nur alle drei Jahre außerhalb Washingtons stattfindenden
Treffen in Bangkok durchführten.
Damals durften Versammlungen von Kritikern unter der nach einem
Militärputsch eingesetzten zivilen Übergangsregierung nur auf einem
Universitätscampus stattfinden. Ein Slum auf der gegenüberliegenden
Straßenseite des Konferenzortes wurde eigens hinter riesigen Werbetafeln
versteckt.
Jetzt waren unter einer gewählten Regierung Proteste auch auf der Straße
möglich. Doch hatten in den Wochen zuvor laut dem [5][Nachrichtenportal
Prachatai ] landesweit mehrere Aktivisten Besuch von der Polizei bekommen,
offenbar um sie einzuschüchtern.
Die Polizei hatte den Konferenzort, das bereits für das Treffen 1991
gebaute Queen Sirikit National Convention Center, weiträumig abgesperrt.
Zugangsstraßen wurden mit [6][Barrikaden aus Schiffscontainern] blockiert.
Als Demonstranten an einer Brücke ein Transparent aufhängen wollten, kam es
zu Rangeleien mit der Polizei.
## „Missbrauch der Staatsmacht für private Kapitalinteressen“
Die friedlichen Demonstranten beklagten in einer vorab veröffentlichten
Erklärung den Missbrauch der Staatsmacht, um Interessen des Kapitals zu
schützen. „Die Bevölkerung schuldet der Weltbank nichts, sondern die
Weltbank schuldet den Menschen Gerechtigkeit“, hieß es in einer [7][von
Prachatai veröffentlichten Erklärung].
Bei der Kundgebung am Freitag wurden laut dem [8][Webportal Khaosod] sechs
Forderungen erhoben. Darunter die Streichung von Schulden für Länder mit
niedrigem und mittlerem Einkommen, das Ende von Subventionen für Konzerne,
transparente Verträge über Staatsschulden und die Zentralbanken sowie
höhere Steuern für Superreiche.
Die Weltbank war jetzt auch direkt mit den Opfern ihrer eigenen Politik
konfrontiert. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre hatte die Bank im Osten
Thailands im Dreiländereck zu Laos und Kambodscha den Bau des umstrittenen
Pak-Mun-Staudamms finanziert. Damals war es nach Angaben eines Direktors
der Bank überhaupt das erste Mal, dass sich ihre Vertreter mit lokalen
Kritikern eines Staudammprojektes trafen. [9][Die mit viel Fantasie
kämpfende lokale Bevölkerung] fürchtete ihre Umsiedlung in unfruchtbare
Gebiete, den Verlust ihrer Fischereimöglichkeiten und einen sinkenden
Lebensstandard.
## Fruchtloser Dialog mit der Weltbank
Damals öffnete sich die Weltbank überhaupt erst langsam für ökologische und
soziale Kritik, finanzierte dann aber das auch von den Eliten in Bangkok
gewünschte Projekt mit rund 240 Millionen Dollar. Während dies die
Stromversorgung in den glitzernden Shoppingmalls der Metropole sicherte,
[10][ging es für die betroffene lokale Bevölkerung sowie für die
Artenvielfalt im Mun-Fluss bergab.] Eine installierte Fischleiter war
ineffizient, und noch heute gibt es Streit um Entschädigungen.
Jetzt forderten in Bangkok Betroffene, die in der Allianz gegen Armut
organisiert sind, die Weltbank auf, endlich Verantwortung zu übernehmen,
Entschädigungsfragen zu regeln und die Schleusen des Dammes permanent zu
öffnen.
Diese waren bereits im Juni 2001 geöffnet worden, wurden 18 Monate später
aber auf Druck der Betreiber wieder für acht Monate im Jahr geschlossen.
Ein Vertreter der Weltbank erklärte später unter vorgehaltener Hand, man
würde heute solch ein Projekt nicht mehr finanzieren. In Bangkok forderten
Demonstranten, die die Weltbank und IWF nicht für reformfähig halten, deren
Abschaffung.
16 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bangkokpost.com/thailand/general/3338230/protesters-blocked-from-reaching-imf-world-bank-meeting-venue
(DIR) [2] /Journalist-ueber-Proteste-in-Thailand/!5720020
(DIR) [3] /Pressefreiheit-in-Thailand/!5438765
(DIR) [4] https://www.facebook.com/pravit.rojanaphruk.5
(DIR) [5] https://prachataienglish.com/node/12065
(DIR) [6] https://www.khaosodenglish.com/featured/2026/10/16/shipping-containers-return-to-bangkok-streets-as-farmers-protest-imf-world-bank-meetings/
(DIR) [7] https://prachataienglish.com/node/12074
(DIR) [8] https://www.khaosodenglish.com/news/2026/10/16/anti-imf-protesters-issue-six-demands-before-ending-bangkok-rally/
(DIR) [9] /Miss-Mun-River-und-der-Staudamm-Pak-Mun/!1694441/
(DIR) [10] /weltbank-macht-arm/!1212606/
## AUTOREN
(DIR) Sven Hansen
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