# taz.de -- Zweifel an Lebenslauf bestätigt: Trumps neue Sprecherin machte falsche Berufsangabe
       
       > Katie Zacharia gab als Berufsbezeichnung mehrfach Anwältin ein, obwohl
       > sie bei der Anwaltsprüfung durchgefallen war und sie auch nicht
       > wiederholt hat.
       
 (IMG) Bild: Präsident Donald Trump spricht vor dem Weißen Haus zu den Medien, während seine Sprecherin Katie Zacharia zuschaut
       
       dpa/afp | In der Debatte um ihre beruflichen Qualifikationen hat die neue
       Sprecherin des Weißen Hauses, Katie Zacharia, zugegeben, bei der
       Anwaltsprüfung durchgefallen zu sein. In einem außergewöhnlich kritischen
       Interview verneinte sie die Frage des Fox-News-Moderators Sean Hannity, ob
       sie die Prüfung bestanden habe. Auf Nachfragen gab sie zudem zu, die
       Prüfung nicht wiederholt zu haben.
       
       Dass Hannity der früheren Fox-News-Kommentatorin Zacharia so kritische
       Fragen stellte, ist bemerkenswert. Denn er gilt als einer der engsten und
       einflussreichsten Vertrauten von US-Präsident Donald Trump. Im TV-Sender
       Fox News stellt er regelmäßig Trumps Politik und Wirken ungewöhnlich
       positiv dar.
       
       Anders verlief dagegen das Gespräch mit Zacharia. Unter anderem
       konfrontierte er sie damit, dass sie Medienberichten zufolge selbst in rund
       15 Social-Media-Posts eine Anwaltsbezeichnung genutzt habe, obwohl sie die
       entsprechende Zulassung dafür nicht nachgewiesen habe. Auch fragte er sie,
       warum sie nicht einfach zugegeben habe, die Prüfung nicht bestanden zu
       haben.
       
       Zacharia versuchte, die Angelegenheit herunterzuspielen. Da sie gewusst
       habe, dass sie in China leben würde, hätte das Ergebnis der Prüfung keine
       Rolle mehr gespielt. Sie habe die Prüfung abgelegt, um keinen Rückzieher zu
       machen.
       
       ## Attorney oder Lawyer?
       
       Kritiker und einige Rechtsexperten monieren, dass sie sich wiederholt als
       Anwältin bezeichnet habe, obwohl bislang keine entsprechende Zulassung
       nachgewiesen sei. Die Vertraute von US-Präsident Trump hatte nach
       Informationen des Wall Street Journal die Anwaltsprüfung im US-Bundesstaat
       Kalifornien im Jahr 2011 nicht bestanden.
       
       Im Kern geht es darum, dass es zwischen den englischen Begriffen „attorney“
       und „lawyer“ einen feinen Unterschied gibt. Obwohl beide Wörter weitgehend
       gleichbedeutend für Anwälte verwendet werden, setzt „attorney“ eindeutig
       eine Anwaltszulassung voraus. „Lawyer“ wird teils auch für Juraabsolventen
       verwendet. Auch Trump selbst hatte Zacharia bei ihrer Ernennung als
       „attorney“ bezeichnet.
       
       Dem Portal Real America’s Voice sagte sie am Donnerstag, sie habe sich für
       die Anwaltsprüfung angemeldet, sei dann aber wegen des bevorstehenden
       Umzugs mit ihrem Mann nach China „abgelenkt und überfordert“ gewesen.
       
       „Wir sagten einfach: ‚Nehmen wir uns diese Zeit, ich lege die
       Anwaltsprüfung ab und schaue, was passiert‘“, sagte Zacharia. „Die
       Ergebnisse sind eher nebensächlich, da ich wusste, dass ich die
       Anwaltszulassung in China nicht brauchen würde, und wir sind kurz darauf
       abgereist“, fügte sie hinzu.
       
       ## Arbeit in Pekinger Kanzlei ohne Anwaltsprüfung
       
       In Peking arbeitete Zacharia als Rechtsanwältin in einer großen
       chinesischen Kanzlei. Nach eigenen Angaben hat sie die Anwaltsprüfung nach
       ihrer Rückkehr in die USA aufgrund der Geburt ihres ersten Kindes nicht
       wiederholt. Zacharia sagte, dass „viele Leute aus der Branche“ ihr
       versichert hätten, sie könne sich angesichts ihres Jurastudiums und ihrer
       in China gesammelten Berufserfahrung als Anwältin bezeichnen.
       
       Die Ethikorganisation Campaign for Accountability hatte am Mittwoch die
       Anwaltskammer des Bundesstaates Kalifornien aufgerufen, eine Untersuchung
       einzuleiten. Zacharia hatte dort an der Pepperdine University Jura studiert
       und als Assistentin eines Rechtsprofessors gearbeitet. Hinweise auf eine
       Anwaltszulassung in den USA gibt es in ihrem Lebenslauf nicht. Die frühere
       Kommentatorin des Senders Fox News hat aber bei Fernsehauftritten und in
       Onlinenetzwerken immer wieder erwähnt, sie sei Anwältin.
       
       Zacharia hatte kürzlich ihr Debüt im Presseraum des Weißen Hauses gegeben.
       Sie ist [1][Nachfolgerin der zurückgetretenen Sprecherin Karoline Leavitt].
       Zuvor arbeitete Zacharia unter anderem für Trump Media and Technology – die
       Gruppe hinter der Truth-Social-Plattform des Präsidenten. Die Anhängerin
       von Trumps MAGA-Bewegung übernimmt die Kommunikationsrolle im Weißen Haus
       zu einem Zeitpunkt, an dem Trumps Republikanern laut Umfragen schwere
       Niederlagen bei den im November anstehenden Kongresswahlen drohen.
       
       16 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Sprecherin-im-White-House/!6204082
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Fox News
 (DIR) Rechtsanwalt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Neue Pressesprecherin des Weißen Hauses: Nachfolge in schwierigen Zeiten
       
       Katie Zacharia hat Erfahrung bei den rechten Sendern Fox News und Newsmax.
       Jetzt soll sie direkt im Weißen Haus für die Trump-Regierung sprechen.
       
 (DIR) Presse im Weißen Haus: Trump erteilt CNN und anderen US-Medien Hausverbot
       
       Wenige Wochen vor den wichtigen Kongresswahlen wirft der US-Präsident CNN
       und andere Medien aus dem Weißen Haus. Es trifft auch Springers „Politico“.
       
 (DIR) Faschismus als Kampfbegriff: Goggelmoggels Sprachlektionen
       
       Sprache ist nicht nur ein Mittel zur gegenseitigen Verständigung. Sie wird
       mehr denn je zum Machtinstrument und damit auch zur Waffe.