# taz.de -- Planung Bundeshaushalt: Geliehene Zukunft
       
       > Auf den ersten Blick mutet der Entwurf des Bundeshaushalts für 2027
       > vorausschauend an. Doch das Fundament für Zukunftsprojekte ist bröckelig.
       
 (IMG) Bild: Investitionen in die Bildung der jungen Generation gehört im Bundeshaushalt zur sogenannten „Zukunftsquote“
       
       Der Bundeshaushalt, dessen [1][Entwurf für 2027] gerade im Bundestag
       beraten wird, glänzt auf dem Papier mit historischen Rekordsummen für den
       Wandel. Doch der genaue Blick zeigt: Die Regierung betreibt
       Haushaltskosmetik. Während grüne Zukunfts-Projekte in Sonderbahnen
       abgeschoben werden, regiert im Kernhaushalt das Gestern.
       
       Das gilt auch für den aktuellen Etat 2026 mit einem Volumen von 524
       Milliarden Euro, für den jetzt die sogenannte „Zukunftsquote“ genauer
       untersucht wurde. Darunter werden solche Ausgaben verstanden, die nicht dem
       tagesaktuellen Verbrauch dienen, sondern langfristige Aufgaben finanzieren,
       wie Verkehrsinfrastruktur, Naturerhalt, Wissenschaft und Forschung, wie
       auch die [2][Bildung der jungen Generation].
       
       Stolze 140,2 Milliarden Euro fließen in das, was Ökonomen unter einem
       „erweiterten Kapitalbegriff“ zusammenfassen: Die „Zukunftsquote“ klettert
       im Gesamthaushalt 2026 auf den historischen Höchstwert von 23,1 Prozent.
       Eigentlich ein Grund zum Feiern für jeden, dem die sozialökologische
       Transformation am Herzen liegt. Doch die Freude ist ein Trugbild.
       
       ## Haushaltspolitischer Verschiebebahnhof
       
       Eine neue, [3][detaillierte Analyse des Zentrums für Europäische
       Wirtschaftsforschung] (ZEW) und des Umweltverbandes WWF legt die Lupe auf
       das Budget und deckt eine gefährliche Schieflage auf. Der glänzende Rekord
       ist nicht das Ergebnis einer nachhaltigen politischen Prioritätensetzung,
       sondern das Produkt eines haushaltspolitischen Verschiebebahnhofs.
       
       Das Zauberwort der Bundesregierung heißt „Sondervermögen“ – ein Begriff,
       der im Grunde nichts anderes als neue, am regulären Budget
       vorbeigeschleuste Schulden beschreibt. Allen voran treibt das
       Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) die Statistik nach
       oben. Jeder fünfte Euro, den der Bund für die Zukunft ausgibt, stammt
       mittlerweile aus diesem Topf. Zählt man alle Sondervermögen inklusive des
       Klima- und Transformationsfonds (KTF) und der Bundeswehr-Milliarden
       zusammen, finanzieren diese Notlagenkonstrukte bereits fast 40 Prozent
       aller deutschen Zukunftsausgaben.
       
       Die Kehrseite dieser Medaille offenbart sich dort, wo eigentlich das Herz
       der Demokratie schlagen sollte: im ordentlichen Kernhaushalt. Bereinigt um
       die künstlichen Finanzspritzen stürzt die Zukunftsquote im regulären Budget
       auf magere 16,2 Prozent ab – der absolute Tiefststand seit Beginn der
       Berechnungen im Jahr 2018. Damals lag der Anteil noch bei 19 Prozent.
       Während die Zukunft also auf Pump in rechtlich wackelige Nebenbahnen
       ausgelagert wird, verkommt der eigentliche Haushalt zu einem Verwalter des
       Status quo.
       
       Diese Finanzpolitik hat keine Zukunft, warnt der Autor der ZEW-Studie,
       Friedrich Heinemann: „Die vorrangige Aufgabe einer weitblickenden
       Haushaltspolitik liegt nicht in den Sondervermögen, sondern im
       Kernhaushalt“, schreibt er der Politik ins Stammbuch. „Dort müssen die
       Weichen neu gestellt werden, und zwar schon bald und nicht erst, wenn das
       SVIK ausläuft“. Ohne eine konsequente Überprüfung von Subventionen und
       konsumtiven Ausgaben werde „der Kernhaushalt seine Zukunftsfähigkeit nicht
       zurückgewinnen“, mahnt der Mannheimer Wirtschaftsforscher.
       
       16 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bundeshaushalt-fuer-2027/!6211416
 (DIR) [2] /Wenn-es-fuer-Verteidigung-ein-Sondervermoegen-gibt-warum-dann-nicht-auch-fuer-Bildung/!6114872
 (DIR) [3] https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Klima/Bericht-Zukunftsquote-2026.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Manfred Ronzheimer
       
       ## TAGS
       
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