# taz.de -- Räumung in Friedrichshain: Das Hugo-Dorf ist nicht mehr
       
       > Nach der Räumung ihres besetzten Hauses mussten Punks in der Gürtelstraße
       > erneut ihr Lager verlassen. Damit verlieren sie ihren letzten
       > Anlaufpunkt.
       
 (IMG) Bild: Porträt von einem der Hausbesetzer kurz vor der Räumung des Hugo-Hauses im August 2026
       
       Hektisches Treiben herrscht am Mittwochvormittag im Hugo-Dorf gegenüber der
       Gürtelstraße 39–41. In dem Gebäude hatten bis Ende September rund 20 junge
       Punks über einen längeren Zeitraum gelebt. [1][Sie nannten es Hugo-Haus.]
       Nach ihrer Räumung schlug ein Großteil von ihnen direkt gegenüber dem
       Gebäude ein Lager auf, das sie Hugo-Dorf nannten.
       
       Am 14. Oktober muss der Platz bis 15 Uhr geräumt sein. Die Anmeldung für
       die Nutzung des Platzes war nicht verlängert worden. Das kam auch für die
       Bewohner*innen überraschend. „Wo ich heute übernachte, weiß ich auch
       nicht. Es heißt, dass sich da jemand drum kümmert“, sagt Marco, ein junger
       Mann mit schwarzen Locken.
       
       Ein anderer Bewohner berichtet, er habe versucht, eine Kundgebung gegen die
       Nichtverlängerung anzumelden. „Doch das wurde abgelehnt, weil ich mich
       nicht ausweisen kann. Aber ich bin auch erst 17 Jahre alt, deshalb hätte es
       mit einer Anmeldung sowieso nicht geklappt“, sagt er.
       
       Viel Zeit bleibt den Bewohner*innen nicht mehr. Ein von
       Unterstützer*innen organisiertes Auto lädt einige Matratzen und
       Geschirr ein, die zunächst eingelagert werden sollen. Es ist das zweite Mal
       innerhalb weniger Wochen, dass die jungen Menschen ihren Aufenthaltsort
       räumen müssen.
       
       ## Fenster sind schon raus
       
       Derweil ist zu sehen und zu hören, wie gleich zwei ehemalige Hotels in der
       Gürtelstraße unbewohnbar gemacht werden. In den vergangenen Jahren hatten
       sie wohnungslosen Menschen als Unterkunft gedient. In einem der Gebäude
       haben Bauarbeiter bereits Fenster und Sanitäranlagen herausgerissen.
       
       In den vergangenen Wochen waren in Berlin Graffitis mit dem Slogan
       „Hugo-Haus bleibt“ zu sehen. Doch die Solidarität der linken Szene hielt
       sich in Grenzen. „Es kamen immer wieder Menschen vorbei, die uns Essen oder
       auch Geschirr brachten“, sagt Martina aus dem Hugo-Dorf. Oft seien es auch
       Passant*innen gewesen, die die Zeltstadt gesehen und gefragt hätten, ob
       sie etwas bräuchten, oder die einfach freundlich mit ihnen gesprochen
       hätten, erzählt sie. Nun ist der Platz in der Gürtelstraße leer. Die
       wohnungslosen Menschen sind aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit
       verschwunden.
       
       Vasili Franco, der noch bis zum Regierungswechsel für die Grünen im
       Abgeordnetenhaus sitzt, kritisiert den Umgang mit den Menschen in der
       Gürtelstraße. „Für die ehemaligen Bewohner*innen des Hugo-Hauses ist
       die Situation mittlerweile dramatisch. Die kalte Räumung durch den
       Eigentümer war absolut unnötig und hat verhindert, dass eine
       Übergangslösung gefunden wurde“, sagt er der taz. Das Vorgehen habe dazu
       beigetragen, dass die seelische und körperliche Belastung für die
       Betroffenen zu einer konkreten Gesundheitsgefährdung führe.
       
       „Nur dank der Unterstützer*innen der Mahnwache gegenüber des Hauses
       konnte in den letzten Wochen ein Überleben sichergestellt werden“, stellt
       Franco klar. „In der Gürtelstraße zeigt sich exemplarisch, [2][dass
       Obdachlosigkeit kein abstraktes Problem ist], sondern eine wachsende
       soziale Frage, die über persönliche Schicksale entscheidet.“
       
       Anmerkung der Redaktion: Franco bezeichnete das Vorgehen als „kalte Räumung
       durch den Eigentümer“. Die Polizei teilte dagegen zu ihrem Einsatz am 24.
       September mit, Anlass seien Angriffe aus dem Gebäude auf Bauarbeiter
       gewesen. Eine Räumung des Gebäudes wird in der Polizeimeldung nicht
       erwähnt.
       
       14 Oct 2026
       
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