# taz.de -- Häuserkampf in Berlin: Straßenpunks wollen um Hausprojekt kämpfen
       
       > Vor zwei Jahren sind junge Straßenpunks in ein leerstehendes Hostel in
       > Friedrichshain gezogen. Doch der neue Eigentümer aus Wien will sie
       > loswerden.
       
 (IMG) Bild: Ranja und Flax haben erstmal aufgeräumt
       
       Das ehemalige Hostel Georghof in der Friedrichshainer Gürtelstraße stand
       jahrelang leer. Zuvor waren dort Geflüchtete vom Oranienplatz
       untergebracht. Mit dem Leerstand kamen Obdachlose, Sprayer und Junkies, das
       Haus verfiel. Doch seit etwa zwei Jahren haben sich dort junge Straßenpunks
       eingerichtet. Nun sollen sie raus.
       
       Insgesamt handelt es sich um drei Grundstücke in der Gürtelstraße 39-41.
       Die Türen und Fenster im Erdgeschoss sind verrammelt und besprüht, die
       Einfahrt zum linken Gebäude, dem Hotel Georghof, wurde gerade zugemauert.
       Dazwischen liegt eine Brachfläche, deren „riesige Müllberge“ zuvor vom
       [1][Tagesspiegel] und der örtlichen CDU beklagt worden waren. Diese sind
       inzwischen entfernt, bis auf zwei Müllcontainer ist die Freifläche leer.
       
       Die Leipziger Firma dBS Investment GmbH plant laut Website einen „Neu- und
       Bestandsbau mit Tiefgarage“, Fragen zum Projekt blieben bis
       Redaktionsschluss unbeantwortet. Inzwischen gibt die Firma jedoch an, im
       Auftrag der erst ein Jahr alten „GSI 2 Entwicklung GmbH“ aus Wien zu
       handeln.
       
       Vor dem Eingang stehen zwei kräftige Mitarbeiter der dBS Investment. Einer
       von ihnen, Armen M., der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen
       möchte, äußert Verständnis für die Situation der Hausbewohner*innen. Im
       ehemaligen Hotel hätten „Osteuropäer“ gewohnt, diesen habe man ein paar
       Tage Zeit gegeben, um auszuziehen.
       
       ## Seit Jahren wieder eine Bleibe
       
       Inzwischen scheint es tatsächlich leer zu stehen, alle Fenster sind weit
       geöffnet. Auch mit den Bewohner*innen des ehemaligen Hostels habe man
       das Gespräch gesucht, sagt Armen M., man habe ihnen sogar Dokumente gezeigt
       und eine Frist bis Anfang September gesetzt.
       
       Doch bei einem weiteren Besuch seien sie plötzlich beschimpft und mit einer
       Wasserpistole beschossen worden. Man wolle eine friedliche Lösung, müsse
       aber auch ins Haus gelassen werden, um „Proben“ zu nehmen, den Zustand des
       Hauses zu überprüfen und Zimmer zu vermessen. Wie ein Schlägertrupp wirken
       die beiden nicht.
       
       „Wir trauen denen nicht“, sagt hingegen F., einer der jungen Hausbewohner,
       der seinen Namen nicht in der Zeitung genannt wissen will. Reinlassen
       wollen sie die beiden Männer auf keinen Fall, sie hätten bereits versucht,
       einzubrechen: „Wenn wir die reinlassen, dann kloppen die uns raus.“
       
       F. gehört zu den 10 bis 20 jungen Punks, die seit etwa zwei Jahren im
       ehemaligen Hostel wohnen, sie nennen es „Hugohaus“. Die Eingangstür, zu der
       sie den Schlüssel haben, wird gerade verbarrikadiert. In den oberen Etagen
       haben sie sich häuslich eingerichtet, Matratzen, Plakate an den Wänden,
       sogar ein Kicker. Aus einem Fenster zum Hof baumelt ein Transparent:
       „Wohnraum für alle“. Es ist eine Zuflucht für Straßenpunks, die teilweise
       schon länger auf der Straße gelebt haben und es auf dem Wohnungsmarkt und
       auch in linken Hausprojekten schwer haben. Auf dem Sofa im Wohnzimmer sitzt
       F. mit R., die ebenfalls ihren richtigen Namen nicht nennt, beide sind zwei
       junge Punks in den Zwanzigern.
       
       Nach acht Jahren auf der Straße ist es für F. das erste Mal, dass er wieder
       eine Wohnung hat. Bevor sie eingezogen seien, hätten Junkies das Haus
       vermüllt, im Hof sei „alles voller Schutt und Kacke“ gewesen. Einen
       Großteil des Mülls hätten sie selbst entsorgt und das Gebäude immer wieder
       aufgeräumt. „Wir fixen die ganzen Schäden und renovieren das wieder“,
       erzählt F. „Wir sind hier drin eine richtige Gemeinschaft“, ergänzt R. „Wir
       haben Motivation und richtig Bock, was draus zu machen.“
       
       Mit der Polizei habe es nie Stress gegeben, betont F. „Wir wollten das
       immer recht still halten, deshalb haben wir auch nicht vorher schon
       angefangen, verschiedene soziale Angebote zu machen“, wie Essensangebote
       für Obdachlose und Workshops.
       
       Doch mit den Medienberichten und dem Ultimatum der beiden Männer der dBS
       Invest herrscht nun hektische Betriebsamkeit. Einige sägen und hämmern,
       andere malen Transparente. „Das Thema stresst uns alle“, murmelt R. Beide
       wirken unsicher, wie es weitergehen soll. Bislang hat es keinen
       Räumungsbefehl gegeben, nur verbale Ansagen. Sie hoffen auf juristischen
       Schutz, den Denkmalschutz, sogar auf Polizei und Politik, schließlich ist
       ja Wahlkampf.
       
       Außerdem bringe ein erneuter Leerstand gar nichts, findet F.: „Wenn wir
       nicht hier sind, um aufzupassen, dann kommen wieder andere Leute rein, die
       alles zerschlagen, was wir uns hier aufgebaut haben. Dann wird das wieder
       ein kompletter Saustall.“
       
       Am Ende des Tages hängt ein Zettel an der Tür. Darin fordert die dBS Invest
       die Leute auf, das Haus innerhalb von fünf Tagen, also bis zum 31. August,
       zu verlassen. Anstatt zu gehen, hat die Wohngruppe begonnen, über soziale
       Netzwerke um Unterstützung zu bitten, um eine Räumung noch irgendwie
       abzuwenden. Sollte das nicht gelingen, „dann werden wir halt geräumt“, sagt
       F. lakonisch. „Dann sind wir wieder auf der Straße. Bis wir was Neues
       finden.“
       
       28 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/friedrichshain-kreuzberg/riesige-mullhalde-an-der-ringbahn-lasst-fahrgaste-staunen-wir-machen-uns-grosse-sorgen--berliner-hotelareal-verkommt-seit-funf-jahren-15520436.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Darius Ossami
       
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