# taz.de -- Machtkampf in der Fifa: Große Bescherung
       
       > Vor der Sitzung des Fifa-Rats dürfen sich die Nationalverbände über
       > Ausschüttungen in Rekordhöhe freuen. Präsident Infantino kämpft um seinen
       > Posten.
       
 (IMG) Bild: Wäscht seine Hände stets in Unschuld: Infantino bei der U20-WM der Frauen
       
       Unwichtig ist dieser Fifa-Rat eigentlich nicht. Im Gegenteil, nach der
       Arbeitsbeschreibung des Fußballweltverbands ist er gar „das wichtigste
       Entscheidungsgremium der Organisation zwischen den Fifa-Kongressen“. Nur
       aufgefallen ist er in dieser Funktion in den letzten Monaten eher weniger,
       weil Gianni Infantino allzu sehr den Eindruck vermittelte, die wichtigsten
       Entscheidungen treffe er selbst. Sei es die Erfindung und Übergabe des
       Fifa-Friedenspreises an US-Präsident Donald Trump oder der fertige Plan,
       Anteile der Fußball-WM an Privatinvestoren zu veräußern. Auf kurze Sicht
       für sehr viel Geld, auf lange Sicht indes recht preisgünstig.
       
       Nun tagt dieser Fifa-Rat am Donnerstag in Zürich. Um 11 Uhr wird Infantino
       ein paar warme Willkommensworte sprechen. Und erstmals soll im Rahmen des
       wichtigsten Entscheidungsgremiums auch über die höchst umstrittenen
       Investorenpläne geredet werden, die insbesondere die Uefa-Vertreter massiv
       verärgert haben.
       
       Längst wird im europäischen Verband, der von den Alleingängen Infantinos
       genug hat, an dessen Machtablösung gearbeitet. Auf dem Fifa-Kongress am 18.
       März in Rabat in Marokko stellt sich der Schweizer zur Wiederwahl. Bis zum
       18. November ist Zeit, eine Gegenkandidatur einzubringen. Um den Druck auf
       Gianni Infantino aufrechtzuerhalten, hat Uefa-Präsident Aleksander Čeferin
       bereits entgegen seinem ursprünglichen Plan angekündigt, eine in den
       Statuten bislang nicht vorgesehene vierte Amtszeit anzustreben.
       
       Vergangenes Wochenende hatten die Uefa-Vertreter in einem Berliner
       Nobelhotel am Potsdamer Platz ein Arbeitstreffen – auch um die eigene
       Strategie gegen Infantino mit Blick auf die Sitzung in Zürich abzustimmen.
       
       ## Zweites Gehalt?
       
       Unter Druck gerät Infantino dieser Tage zudem durch eine Recherche der
       englischen Tageszeitung The Times. Der Fifa-Präsident soll 2024 zu seinem
       üblichen Jahresgehalt (ca. 4,5 Millionen Euro) weitere 1,5 Millionen Euro
       von der zur Organisation der Weltmeisterschaft gegründeten Gesellschaft
       „FWC2026 US Inc.“ erhalten haben. Das sei deren Steuererklärung zu
       entnehmen. In den Fifa-Papieren, so die Times, seien diese Zahlungen jedoch
       nicht dokumentiert. Die Fifa selbst hat die Überweisung eines zweiten
       Gehalts an Infantino dementiert.
       
       Am Mittwoch, just einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Sitzung des
       37-köpfigen Fifa-Rats, dem neun Uefa-Vertreter angehören, wurden wiederum
       Zahlen ganz anderer Art ins Spiel gebracht. Unter Berufung auf ein
       Fifa-Dokument berichtet die US-Nachrichtenagentur AP, der Weltverband wolle
       zwischen 2027 und 2030 rund 5,6 Milliarden Euro an seine Mitglieder
       verteilen. Die einzelnen Nationalverbände könnten mit rund 22,3 Millionen
       Euro rechnen. Was für eine Bescherung, welche die größten
       Infantino-Kritiker fast ein wenig lächerlich aussehen lässt. Die Uefa hatte
       vorab 10 Millionen Euro Ausschüttung von der Fifa gefordert. Zwischen 2023
       und 2026 mussten die Verbände noch mit gut 7 Millionen Euro auskommen.
       
       Die Zustimmungswerte für Infantino, der derzeit ohnehin über eine
       komfortable Machtbasis durch Unterstützer aus Afrika, Asien, Südamerika und
       Ozeanien verfügt, dürfte diese Nachricht nicht schmälern. In Erwartung der
       üppigen Zuwendungen wird sich das Feuer der Empörung wegen Infantinos
       eigenmächtigem Handeln nicht so leicht entfachen lassen. Auch die Vergabe
       des Friedenspreises steht am Donnerstag auf der Tagesordnung des Fifa-Rats
       zur Diskussion.
       
       Die Bestrebungen der Uefa, das Fifa-System grundlegend zu reformieren,
       lassen sich noch nicht mit lukrativen Geldversprechen verknüpfen. Der
       künftige Fifa-Präsident soll nur repräsentative Aufgaben erfüllen.
       Maßgebliche Entscheidungen sollen vom Fifa-Rat getroffen werden. Dieser
       wäre dann tatsächlich das wichtigste Entscheidungsgremium zwischen den
       Fifa-Kongressen.
       
       15 Oct 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Kopp
       
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