# taz.de -- Semesterstart an Hochschulen: Teurer studieren in Niedersachsen
> Wer in Niedersachsen studiert, zahlt dafür mehr als fast überall sonst in
> Deutschland. Und steigende Semesterbeiträge bedeuteten steigende
> Belastungen.
(IMG) Bild: Semesterge bühren sind in Niedersachsen sehr hoch: Immerhin das Mittagessen in den Hochschulmensen ist günstig
In Niedersachsen ist das Studieren teuer. Mit 484 Euro verlangen die
Leuphana Universität Lüneburg und die Georg-August-Universität Göttingen
die höchsten Semesterbeiträge aller staatlichen Hochschulen in Deutschland.
Neun der zehn teuersten Semesterbeiträge bundesweit werden an
niedersächsischen Hochschulen erhoben. Nur die [1][Universität Bremen fällt
auf Platz 9] aus der Reihe. Dazwischen reihen sich die Unis aus
Braunschweig. Dies ergab eine Auswertung der Hannoverschen Allgemeinen
Zeitung.
Jonas Rautenberg von der Landes-Asten-Konferenz Niedersachsen sieht dadurch
den Grundsatz, dass Bildung für alle zugänglich sein sollte, gefährdet:
„Besonders für Studienanfänger*innen stellt die Zahlung eine große
finanzielle Hürde dar, da sie häufig zeitgleich mit weiteren Kosten für den
Auszug aus dem Elternhaus konfrontiert sind.“
Der Semesterbeitrag setzt sich in der Regel aus dem Beitrag zum
Studierendenwerk, der Verwaltungsgebühr und dem Semesterticket zusammen.
Den größten Anteil macht das Deutschlandticket aus. An den meisten
Hochschulen entfällt etwa die Hälfte des Semesterbeitrags darauf. Im
Wintersemester 2026/27 entspricht das rund 227 Euro, was 60 Prozent des
regulären Preises sind. Das Deutschlandticket sieht Rautenberg aber nicht
als Teil des Problems: „Das frühere Semesterticket hat nicht alleStrecken
abgedeckt. Das Problem der wachsenden finanziellen Belastung im
öffentlichen Nahverkehr sind die steigenden Preise.“
Auffällig hoch sind in Niedersachsen die Studierendenwerksbeiträge im
Vergleich zu Hochschulen in anderen Bundesländern. So zahlen etwa
Studierende in Lüneburg mit 150 Euro fast doppelt so viel wie
beispielsweise in Erlangen-Nürnberg mit 82 Euro. Das liegt vor allem daran,
dass der Zuschuss vom Land Niedersachsen in den vergangenen Jahrzehnten
kaum gestiegen ist. Lag der im Jahr 2000 bei rund 17,6 Millionen Euro, sind
von 2025 bis 2027 jährlich 18 Millionen Euro an Finanzhilfe vorgesehen.
## Niedersachsen gibt nur punktuell mehr Geld
Andere Bundesländer haben ihre Unterstützung an die gestiegenen Kosten
angepasst. In Niedersachsen floss dagegen nur punktuell mehr Geld. In der
Energiekrise gab es einmalig 30 Millionen Euro. Dazu kommt eine Erhöhung
der Finanzhilfe um 2,8 Millionen Euro, die sich auf vier Jahre verteilt.
Beim Studierendenwerk Ost-Niedersachsen, das unter anderem für Lüneburg und
Braunschweig zuständig ist, ging die Unterstützung sogar zurück:Im Jahr
2000 erhielt es noch 5,3 Millionen Euro vom Land. 2024 waren es nur noch
3,9 Millionen Euro.
Das Verhältnis zwischen Landesförderung und Studierendenbeiträgen hat sich
in Niedersachsen in den vergangenen 25 Jahren nahezu umgekehrt. Im Jahr
2000 machten die Finanzhilfen des Landes noch 19,7 Prozent der Einnahmen
der Studierendenwerke aus, die Beiträge der Studierenden lediglich8
Prozent. 2023 waren es nur noch 9,4 Prozent Finanzhilfen, aber 20,2 Prozent
Beiträge.
Daniel Voigt, Sprecher des Wissenschaftsministeriums in Niedersachsen,
verweist auf Maßnahmen zur finanziellen Entlastung der Studierenden: „Das
Niedersachsen-Menü hat sich als echtes Erfolgskonzept erwiesen. Ein
Mittagessen für 2,50 Euro pro Tag in allen Mensen landesweit entlastet
Studierende im Alltag spürbar“, sagt Voigt.
Unterdessen wird das Studieren künftig noch teurer. In Göttingen etwa stieg
der Beitrag zum Studierendenwerk im Sommersemester 2026 bereits um 30 Euro
auf 157 Euro. Bis 2030 sollen jedes Jahr weitere 10 Euro hinzukommen. Voigt
sieht auch den Bund in der Verantwortung: „Es bedarf auch entschlossenerer
Maßnahmen des Bundes, um die wachsenden finanziellen Belastungen
auszugleichen.“ Er verweist auf die Notwendigkeit einer grundlegenden
[2][Bafög-Reform].
Auch beim Verwaltungskostenbeitrag liegt Niedersachsen im Ländervergleich
weit vorn. Niedersächsische Studierende zahlen 75 Euro pro Semester. In
anderen Bundesländern fällt der Beitrag deutlich geringer aus, in Bayern
fallen gar keine Verwaltungsgebühren an. „Die Verwaltungsgebühren dienen
der Finanzierung von Verwaltungsleistungen, die unmittelbar den
Studierenden zugutekommen. Angesichts der herausfordernden Haushaltslage
besteht nicht die Möglichkeit, den Verwaltungskostenbeitrag abzuschaffen“,
sagt Ministeriumssprecher Voigt.
Rautenberg widerspricht: „Wir sind dafür, den Beitrag abzuschaffen. Das
Land bessert damit auf Kosten der Studierenden seinen Haushalt auf, und es
ist nicht klar, was mit dem Geld passiert.“
14 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Finn Sünkler
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