# taz.de -- AfD-naher Naturschutzverein: Blaue Welle auf braunem Grund
       
       > In Schleswig-Holstein gründen AfD-Mitglieder den Verein „Blaue Welle“.
       > Unter dem Deckmantel des Naturschutzes verbreiten sie rechte Ideologie.
       
 (IMG) Bild: Braune Plörre unter glänzender Naturschutzoberfläche: Die „Blaue Welle“ steckt knietief im völkischen Matsch
       
       Die AfD in Schleswig-Holstein expandiert in ein Themenfeld, das sie sonst
       meist bekämpft: Umwelt- und Naturschutz. In Kiel haben sich
       Parteimitglieder um Hubert Pinto de Kraus zusammengetan, um den Verein
       „Blaue Welle“ ins Leben zu rufen. Das Motto des Vereins laut eigener
       Angabe: „Natur- und Umweltschutz ist auch Schutz der Heimat.“ Pinto de
       Kraus, der 2025 als Oberbürgermeisterkandidat in der
       schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt antrat, versprach im Wahlkampf,
       sich für „unsere Natur, unsere Umwelt, unsere Heimat“ einzusetzen.
       
       Zugleich forderte Pinto de Kraus jedoch mehr Parkraum und eine Stärkung des
       Individualverkehrs – ganz auf der Linie der AfD, die den Autoverkehr
       weiterhin vor allem mit Verbrennermotoren forcieren will.
       
       Auch die erneuerbare Energie ist im AfD-Landesverband ein zentrales
       Feindbild. Der Ausbau der Windkraft treibe „ausufernd voran“, beklagte etwa
       der stellvertretende Landesvorsitzende und Europaabgeordnete Volker
       Schnurrbusch: „Bürger und die Natur zahlen den Preis.“ Zur Kommunalwahl
       2023 forderte die Partei auf Flyern: „Schluss mit diesem Irrsinn!“
       
       Statt auf Klimaschutz setzt die AfD auf die Formel „Umweltschutz statt
       Klimawahn“. Damit versucht die Partei gezielt, die Grünen sowie Initiativen
       wie Fridays for Future als „ideologisch“ abzuwerten und ihnen den Einsatz
       für die Natur abzusprechen.
       
       ## Zwei Strömungen rechter Positionen zum Klimaschutz
       
       Diese Strategie hat System. In ihrer [1][Studie „Klimarassismus“] (2022)
       unterscheiden die Soziologen Matthias Quent, Christoph Richter und Axel
       Salheiser zwei Strömungen rechter Positionen zum Klimaschutz: Während die
       eine Umwelt- und Naturschutz völkisch als Blut-und-Boden-Aufgabe begreife,
       deute die andere den globalen Klimaschutz als ein ideologisches Projekt
       liberaler Eliten, mit dem das Volk gegängelt und der Wohlstand ruiniert
       werden solle.
       
       Die ideologischen Grundlagen für solche Initiativen liefert in der rechten
       Szene unter anderem das [2][Magazin Die Kehre – Zeitschrift für
       Naturschutz], das versucht, einer angeblich stattfindenden „Verengung der
       Ökologie auf den ‚Klimaschutz‘“ entgegenzuwirken. Redaktionsleiter Jonas
       Schick, der aus dem Umfeld der Identitären Bewegung (IB) in Norddeutschland
       stammt, argumentiert, dass Naturschutz auch „Kulturlandschaften, Riten und
       Brauchtum, also auch Haus und Hof“ umfassen müsse.
       
       Der Name des Magazins – Kehre – beziehe sich auf Martin Heideggers Schrift
       „Die Technik und die Kehre“ (1951). In diesem Text warnte der
       antisemitische Philosoph vor den Gefahren der modernen Technik. Im
       Nationalsozialismus sah er eine Möglichkeit zur Umkehr von der Moderne.
       
       Unterstützung erhielt Die Kehre schon 2020 von Björn Höcke. Der
       thüringische AfD-Fraktionschef beklagte auf Facebook, dass die
       „heimathassenden Grünen das Thema Naturschutz gekapert“ hätten, „ohne ihm
       gerecht werden zu können“.
       
       Daran scheint nun auch die Gründung der „Blaue Welle“ anzuknüpfen. Geplant
       ist zudem eine Jugendorganisation namens „Blaues Kleeblatt“. Auch der
       AfD-Landtagswahlkandidat Maik Hüttmann soll das Projekt unterstützen. Auf
       Instagram erklärt der Verein, dass die natürlichen Lebensgrundlagen in
       Städten, Dörfern, Wäldern, Flüssen und Meeren sowie die Tier- und
       Pflanzenwelt zu schützen seien. Ein Kommentator bringt die Intention auf
       den Punkt: „Naturschutz ohne links-grüne Ideologie und ohne Klimahysterie.
       Längst überfällig.“
       
       ## AfD will Naturschutzbewegung beeinflussen
       
       Die Anschlussversuche rechter Ökologiekonzepte an den Naturschutz haben
       historische Wurzeln, die bis in die völkische Bewegung von 1871
       zurückreichen – getragen vom Credo eines Vierklangs aus Natur-, Tier-,
       Heimat- und Volksschutz.
       
       Unter schleswig-holsteinischen Naturschutzverbänden wird die Blaue Welle
       als gezielte Strategie für die Landtagswahl im April 2027 gewertet. Die
       AfD-Initiative sei „ein weiterer Versuch, die Partei gesellschaftlich zu
       normalisieren und Einfluss auf die Naturschutzbewegung zu nehmen“, sagt
       Florian Teller von der [3][Fachstelle Radikalisierungsprävention und
       Engagement im Naturschutz] (FARN) der taz. Die Blaue Welle wolle an das
       breite gesellschaftliche Anliegen des Naturschutzes anknüpfen, um die
       eigene „menschenfeindliche Ideologie“ zu verschleiern.
       
       Teller rät Naturschutzakteur*innen deshalb eindringlich davon ab, mit
       der Initiative zusammenzuarbeiten: Wer sich für den Schutz der Natur
       einsetze, müsse zugleich für eine offene, solidarische und demokratische
       Gesellschaft einstehen.
       
       13 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.piper.de/buecher/klimarassismus-isbn-978-3-492-60224-2-ebook
 (DIR) [2] /Rechtes-Oeko-Magazin-Die-Kehre/!5690299
 (DIR) [3] https://www.nf-farn.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
       
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