# taz.de -- Tödliche Überflutungen: Brasilien verklagt Shell
       
       > Ölriese soll fast 100 Millionen Euro Schadenersatz wegen der tödlichen
       > Fluten 2024 zahlen. Staatsanwaltschaft sieht Mitverantwortung für
       > Erderwärmung.
       
 (IMG) Bild: Mehr als 600.000 Menschen wurden durch die starken Regenfälle, Überschwemmungen und Schlammlawinen vertrieben, Brasilien 2024
       
       afp | Im Zusammenhang mit tödlichen [1][Überflutungen im Jahr 2024] fordert
       Brasiliens Staatsanwaltschaft von einer Tochterfirma des Ölriesen Shell
       knap100 Millionen Euro Schadenersatz. Die Forderung gegenüber Shell Brasil
       errechne sich aus der [2][Mitverantwortung] des Mutterkonzerns an der
       Erderwärmung, legte die Staatsanwaltschaft in einem Gerichtsdokument dar,
       das die Nachrichtenagentur AFP am Freitag einsehen konnte. Demnach gehen 2
       Prozent der historischen Treibhausgasemissionen weltweit auf Kosten von
       Shell.
       
       Die Forderungen beziehen sich auf [3][Überflutungen] im brasilianischen
       Bundesstaat Rio Grande do Sul im April und Mai 2024, durch die fast 200
       Menschen ums Leben gekommen waren und eine halbe Million Menschen zur
       Flucht gezwungen wurden. Zudem verursachte das Hochwasser damals materielle
       Schäden in nie da gewesenem Ausmaß.
       
       „Es ist das erste Mal, dass eine nationale Staatsanwaltschaft gegen einen
       großen Ölkonzern wegen einer Klimakatastrophe Forderungen erhebt“, sagte
       Maria Antonia Tigre vom Sabin-Zentrum für juristische Fragen zum
       Klimawandel der Universität Kolumbien. An der Klage in Brasilien beteiligt
       sich auch die Nichtregierungsorganisation Instituto Preservar.
       
       Laut Klageschrift soll Shell für „seinen historischen und anhaltenden
       Anteil an den weltweiten Treibhausgasemissionen im Zusammenhang mit der
       Förderung, Produktion und Vermarktung fossiler Brennstoffe“ belangt werden.
       Die Staatsanwaltschaft fordert von dem britischen Konzern 270 Millionen
       Real für „moralische“ und Umweltschäden und ebenso viel für materielle
       Schäden. Zusammen ergibt das umgerechnet 108 Millionen Dollar oder 96
       Millionen Euro.
       
       In Großbritannien haben Opfer eines Taifuns auf den Philippinen bereits
       eine [4][Klimaklage gegen Shell] eingereicht. Angesichts der zunehmenden
       Schäden durch die fortschreitende Erderwärmung nimmt international die Zahl
       von Klimaklagen zu.
       
       In Deutschland wollen [5][Landwirte aus Pakistan] vor dem Heidelberger
       Landgericht mit einer im Dezember 2025 eingereichten Klimaklage gegen den
       Energiekonzern RWE und das Unternehmen Heidelberg Materials einen Anspruch
       auf Entschädigung geltend machen. Dabei geht es um Schäden durch
       katastrophale Überschwemmungen im Jahr 2022.
       
       Wegweisend war eine Klimaklage des peruanischen Kleinbauern Saúl Luciano
       Lliuya gegen den Energiekonzern RWE. Das Oberlandesgericht in Hamm hatte im
       Mai 2025 die konkrete Klage Lliuyas zwar abgelehnt, in dem Verfahren aber
       eine grundsätzliche Verantwortung großer Energiekonzerne für Klimaschäden
       in Peru festgestellt.
       
       11 Oct 2026
       
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