# taz.de -- Neue ARD-Serie: Das Geisterhaus im Schwarzwald
> Die Serie „House of Yang“ erzählt nicht nur von einem Spukhaus im
> Schwarzwald. Es geht zudem um verdrängte Traumata, Rassismus und
> Homophobie.
(IMG) Bild: Daiyu (Andrea Guo) versucht, mit ihrer Erfahrung als Mutter der verzweifelten Elsa (Emma Bading) zu helfen
Eigentlich will die alleinerziehende Jessie (Elisa Hofmann) mit ihrer
Teenagertochter Mila (Purnima Grätz) nur für eine Stippvisite das
mittlerweile verlassene elterliche Haus im Schwarzwald aufsuchen und die
Immobilie möglichst schnell verkaufen.
Aber der Makler erklärt ihr, so werde er das Haus nie los. Sie müsse schon
aufräumen, putzen, eventuell sogar streichen. Also bleiben Jessie und Mila
in dem abgelegenen Wohnhaus am Waldrand und werden auf ebenso unheimliche
wie schmerzvolle Weise mit der Geschichte und den Traumata ihrer Familie
konfrontiert.
Die ARD-Serie „House of Yang“ ist eine außergewöhnliche Produktion.
Zwischen Mystery und Horror light angesiedelt erzählt die Miniserie in
sechs knapp halbstündigen Episoden die Geschichte der deutsch-chinesischen
Familie Yang aus dem Schwarzwald. Showrunnerin und Drehbuchautorin Stefanie
Ren gewann mit dem Serienkonzept den vom SWR 2023 ausgeschriebenen
Ideenwettbewerb „Tief im Südwesten“ für eine originäre in Baden-Württemberg
oder Rheinland-Pfalz angesiedelte Serie.
Für Jessie ist der Aufenthalt in dem Haus ein psychischer Grenzgang. Als
sie Teenagerin war und in dem Haus lebte, verschwand ihre jüngere Schwester
spurlos und wurde nie wieder gefunden. Während sie mit ihrer Tochter Mila
nun das Haus aufräumt, steht sie plötzlich ihrer verstorbenen Mutter
gegenüber. Ist das eine Halluzination? Leidet Jessie an einer Psychose?
Wird durch den Aufenthalt im Haus ein altes Trauma getriggert?
## Ein Rätsel zwischen den Zeiten
Ihre jüngere Schwester schloss sich vor über 20 Jahren angeblich in einem
Raum des alten Hauses ein, dessen Tür hinterher einfach nicht mehr da war.
Die Serie erzählt diese immer düsterer werdende Geschichte des
Schwarzwälder Spukhauses in drei Zeitebenen: 1949, 1999 und in der
Gegenwart. Dabei spielt die rassistische Grundhaltung der deutschen Familie
eine wichtige Rolle, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in dem Haus wohnt
und Jessies chinesischer Mutter Unterschlupf gewährt. „House of Yang“ ist
wie ein psychoanalytisches Rätsel aufgebaut, in dem die Akteure erst ganz
langsam verdrängte Aspekte ihrer Vergangenheit aufschlüsseln.
Die geheimnisvollen Türen und verschwundenen Räume müssen mit einer
schmerzlichen vergangenheitsbewältigenden Arbeit sichtbar gemacht und
wieder geöffnet werden. Die als Geistergeschichte verschlüsselte
Familiensaga ist dramaturgisch durchaus gewagt und überzeugt nicht immer,
bietet aber eine atmosphärisch ungemein dicht inszenierte Story, die unter
die Haut geht.
Im Gegensatz zu Serien wie „Dark“ oder „Stranger Things“ gibt es hier keine
Monster oder parallele Dimensionen, die eine irgendwie geartete
Fantasy-Rationalisierung des gruseligen Schreckens bieten. Der Horror in
„House of Yang“ ist erst einmal rein psychologisch, steckt in der
Persönlichkeit der Figuren und lotet die Gewalt ihrer sozialen Bindungen
aus.
Das radikal allegorische Erzählen hat dabei natürlich seine Grenzen,
verlangt wegen der drei ineinandergeschobenen Zeitebenen einiges an
Aufmerksamkeit, erzählt aber pointiert von Ausgrenzung, Missbrauch,
Eifersucht, Homophobie und dem Trauma kollektiver Familienschuld. Die
dramaturgische Spannungsschraube wird dabei bis zur letzten Szene angezogen
und mündet in ein verblüffendes Finale.
11 Oct 2026
## AUTOREN
(DIR) Florian Schmid
## TAGS
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(DIR) ARD
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