# taz.de -- Netflix-Serie „East of Eden“: Steinbecks Familienopus in woke
> Netflix wagt sich an den nächsten amerikanischen Klassiker heran – sogar
> mit Frau in der Hauptrolle. Bei den Konservativen schrillen die
> Alarmglocken.
(IMG) Bild: „East of Eden“ mit Mike Faist, Christopher Abbott und Florence Pugh
Vor 71 Jahren wurde James Dean zum Schauspiel-Superstar. Im
Hollywoodstreifen „Jenseits von Eden“ spielte er Caleb „Cal“ Trask, der für
seinen strengen Vater eine Enttäuschung nach der anderen liefert. Zoe
Kazan, die Enkelin des damaligen Regisseurs Elia Kazan, hat den Stoff nun
erneut verfilmt, und zwar als Serie für Netflix mit dem Titel „East of
Eden“.
In den USA gingen bei Konservativen prompt die Alarmglocken los, Netflix
könne schon wieder einen Klassiker „wokifizieren“, wie das zuletzt mit
Ronald Reagans angeblicher Lieblingsserie „Unsere kleine Farm“ passierte,
die plötzlich einen rassismus- und sozialkritischen Anstrich erhielt. Die
literarische Vorlage für „East of Eden“, der gleichnamige Roman von
[1][John Steinbeck], gehört in den USA schließlich zu den meistgelesenen
Büchern des 20. Jahrhunderts.
Während der Film mit James Dean damals nur das letzte Drittel des Romans
adaptierte, setzt der Netflix-Siebenteiler gleich das ganze Buch um und
stellt aber Cathy (Florence Pugh), die Mutter Calebs, ins Zentrum der
Handlung, die im Kinofilm der 50er nur eine Nebenrolle hatte. Den jungen
Caleb gibt übrigens der wenig bekannte Joseph Zada, der im November als
Hauptdarsteller im neuen „Tribute von Panem“-Film im Kino zu sehen ist.
## Starbesetzt und bildgewaltig
Das mit Bibelverweisen gespickte Werk, eine amerikanische
Kain-und-Abel-Geschichte, die an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert
angesiedelt ist und von verschiedenen Generationen miteinander streitender
Brüder und strafender Väter erzählt, wirkt heute ein wenig aus der Zeit
gefallen. Das dürfte der Grund sein, warum Zoe Kazan vor allem die
Geschichte von Cathy in den Mittelpunkt rückt.
Die ist zwar die toxische, manipulative, giftmischende Übeltäterin wie in
der Romanvorlage, die ihren Mann niederschießt und die Kinder verlässt.
Aber die Netflix-Serie betont die patriarchale Gewalt, die Cathy zu
erleiden hat und gegen die sie ankämpft. Angefangen vom als Kind erlittenen
Missbrauch über die beinahe mörderische Brutalität eines Liebhabers bis hin
zur alles erdrückenden Fürsorge ihres moralischen Ehemannes Adam, dem Vater
von Caleb.
Die Netflix-Serie inszeniert das als starbesetztes, bildgewaltiges,
manchmal aber auch fast aseptisches Opus und scheint auf der Erfolgswelle
ähnlicher Familienserien wie „Yellowstone“, „1883“ oder „1923“ mitschwimmen
zu wollen.
## Handlungsstrang über antichinesischen Rassismus
Wer den James-Dean-Klassiker in der Serie sucht, dürfte eher enttäuscht
werden, bekommt dafür aber eine aufwändige und handwerklich gut gemachte
Literaturverfilmung serviert, die ein familiäres Panorama über mehrere
Jahrzehnte von Connecticut bis Kalifornien auffächert.
Die für die Romanvorlage so zentrale Figur des vor sich hin
philosophierenden chinesischen Angestellten Lee (Hoon Lee), der in Calebs
Familie die soziale Lücke der entflohenen Mutter füllt, kam im
Hollywood-Film der 50er gar nicht vor, erhält aber in der Serie viel Raum
inklusive eines Handlungsstrangs über antichinesischen Rassismus.
Die Militärkarriere von Calebs Vater im ausgehenden 19. Jahrhundert wird in
wenigen knappen Szenen zusammengefasst und deutet ein traumatisierendes
Massaker an der indigenen Bevölkerung an. Das konterkariert fast schon John
Steinbecks Roman, in dem es einen berüchtigten rassistischen Absatz über
indigene Menschen gibt. So ganz kann [2][Netflix] das „Wokifizieren“
einfach nicht lassen.
1 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Florian Schmid
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