# taz.de -- Die schöne Seite von RB Leipzig: Wieder luftig leicht
       
       > Nach wechselhaften Auftritten ist der Kantersieg gegen Frankfurt für RB
       > Leipzig befreiend – insbesondere für den umstrittenen Coach Demichelis.
       
 (IMG) Bild: Alles wieder gut: Leipzigs dreifacher Torschütze Christopher Nkunku feiert auf altbewährte Weise
       
       In den sozialen Netzwerken konnte sich das Medienteam von RB Leipzig ein
       kleines Nachtreten nicht verkneifen. Die offiziellen Accounts posteten das
       Bild eines aggressiv dreinblickenden Adlers. Darüber zwei Ergebnisse: RB
       Leipzig gegen Eintracht Frankfurt in der Saison 2025/2026 – 6:0. Und in der
       Saison 2026/2027 erneut – 6:0. Dazu der Satz: „Ist das schon Tradition?“
       Die Spitze in Richtung der Eintracht-Fans, die sich mit dem jungen Club in
       Leipzig besonders schwertun, sorgte nicht nur für Gegenliebe. Aber es ist
       erstaunlich, dass die „Adler“ am Samstag zum zweiten Mal hintereinander in
       Leipzig so arg unter die Räder gekommen sind.
       
       Für Leipzig war der deutliche Sieg psychologisch wichtig. Unruhige Wochen
       liegen hinter dem Team; in der Länderspielpause war sogar über eine
       Entlassung von Trainer Martin Demichelis und eine Rückkehr von [1][Julian
       Nagelsmann] spekuliert worden. „Es tut brutal gut, sich so den Frust von
       der Seele zu spielen“, sagte Kapitän David Raum. „Unsere Saison ist bisher
       eine Achterbahnfahrt. Aber heute hat man wieder gesehen, wozu wir in der
       Lage sind.“
       
       Die entscheidende Frage nach dem Topspiel am Samstagabend blieb: War RB so
       gut oder Frankfurt so schlecht? Gegen strauchelnde Gegner waren die
       Leipziger zuletzt souverän (6:0 Trier, 3:0 Gladbach, 5:0 HSV), gegen
       kämpferisch überlegene (1:3 Werder) oder taktisch bessere Mannschaften (1:4
       Como, 0:2 Leverkusen) taten sie sich schwer. In der Bundesliga stehen zu
       Hause drei Siege bei 14:0 Toren zu Buche. Auswärts wurde noch kein Punkt
       geholt.
       
       Die Schwankungen hatten früh Zweifel an Demichelis befeuert. Der
       Argentinier, einst Spieler beim FC Bayern, hatte von Beginn an einen
       schweren Stand – vor allem, weil er im Sommer überraschend [2][Ole Werner
       ersetzte]. Werner war aufgrund seiner erfolgreichen Saison und obendrein
       humorvollen Art bei den Fans beliebt. Doch [3][Jürgen Klopp] war weniger
       begeistert und befürwortete seine Entlassung. Der heutige Bundestrainer war
       damals noch „Head of Global Soccer“ bei Red Bull. Offiziell durfte er „nur“
       beraten, hinter vorgehaltener Hand war klar: Klopp wollte den
       Trainerwechsel.
       
       ## Sprachprobleme des Trainers
       
       Es soll wieder attraktiverer Fußball gespielt werden mit stärkerem Fokus
       auf Pressing und schnelles Umschalten. Es ist die Spielidee, die Ralf
       Rangnick vor gut 15 Jahren auf einer Taktiktafel ins
       Red-Bull-Fußballimperium trug. Der Trainerwechsel vor dieser Saison schien
       sich in den ersten Wochen nicht auszuzahlen. Ergo ist der größte Gewinner
       des Frankfurt-Siegs Demichelis. „Nach einem Sieg ist es einfach zu
       sprechen“, meinte der Argentinier, der schlecht Deutsch und fast kein
       Englisch spricht. Schon wurde über Sprachprobleme im Team gemutmaßt. „Ab
       jetzt denken wir nach vorn, ans nächste Spiel in drei Tagen. Da müssen wir
       die Leistung von heute bestätigen“, betonte der Coach.
       
       Am Dienstag empfangen die Leipziger PSV Eindhoven – zum Glück wieder vor
       eigenem Publikum. Danach warten auswärts Bayern München und Real Madrid.
       Insgesamt stehen im Oktober sieben Spiele in 21 Tagen an. Spätestens dann
       dürfte klarer sein, wohin die Reise für den Club geht.
       
       Der Kader hat Qualität: WM-Fahrer Antonio Nusa, seit Wochen in bestechender
       Form, traf in der 54. Minute zum 5:0. Rückkehrer Christopher Nkunku gelang
       mit Treffern in der 5., 41. und 44. Minute der erste lupenreine Hattrick
       der Vereinsgeschichte. Der kampfstarke Ezechiel Banzuzi traf erstmals für
       Leipzig (1.), und Tidiam Gomis deutete mit seinem Tor in der 89. Minute an,
       dass er ein Versprechen für die Zukunft ist. Im Tor entschärfte Maarten
       Vandevoordt einige gute Frankfurter Chancen. Die Eintracht hatte mit neun
       fast so viele Schüsse aufs Tor wie Leipzig mit zehn.
       
       Wie weit das talentierte Team kommt, hängt auch von Verletzungen ab.
       Christoph Baumgartner fehlt seit Monaten, Assan Ouédraogo ist häufiger
       verletzt als fit, Brajan Gruda immer wieder außen vor. Im kreativen
       Mittelfeld ist es eng. Oft wirkt es, als könne RB nur gewinnen, wenn das
       Pressing funktioniert und nach Ballgewinnen schnelle Tore folgen. Eine
       Spielidee mit Ball ist bisher nicht zu erkennen. Das dürfte der nächste
       Entwicklungsschritt sein – und an ihm hängt auch Demichelis’ Zukunft.
       
       Bei Eintracht Frankfurt ist die Unruhe wiederum mindestens so groß wie
       zwischenzeitlich in Leipzig. Für die Leistung müsse man „sich schämen“,
       sagte Trainer Adi Hütter; die Darbietung sei „nicht Bundesliga-tauglich
       gewesen“. Zur Halbzeit habe er Kapitän Robin Koch „erlöst“, indem er ihn
       ausgewechselt habe. Jonathan Burkardt wurde deutlich: „Die Führungsspieler
       haben heute wieder versagt!“
       
       11 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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