# taz.de -- Maulkorb für Forschungspolitiker: Galoppierende Geheimhaltung
> Der Bundesforschungsausschuss diskutiert die Cispa-Affäre. Hinaus dringt
> kein Wort. Die Opposition kritisiert den geheimniskrämerischen Umgang.
(IMG) Bild: Beim Forschungszentrum für Informationssicherheit standen Tür und Tor sperrangelweit offen
In der deutschen Forschungspolitik hat eine galoppierende
Geheimhaltungspraxis eingesetzt. Die neueste Stufe der
Verschlussachen-Politik, kurz VS-Politik, wurde an diesem Mittwoch im
Forschungsausschuss des Bundestages erreicht. Dort wurde über die weitere
[1][Entwicklung der Cispa-Affäre in Saarbrücken] gesprochen. Also über den
Fall des Cispa Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit, aus dem
womöglich sicherheitsrelevante [2][Forschungsinformationen nach China
abgeflossen] sein könnten.
Eine Sonderprüfung, über deren Ergebnisse Bundesforschungsministerin
Dorothee Bär vor zwei Wochen berichtet hatte, konnte diesen unerlaubten
Wissenstransfer zwar nicht direkt bestätigen. Aber weil die
Sicherheitsvorkehrungen im Cispa alles andere als vorbildlich waren, konnte
die Prüfung sie auch nicht ausschließen. „Bildlich gesprochen“, so die
Ministerin in der vorletzten Ausschusssitzung, „standen beim
Forschungszentrum für Informationssicherheit Tür und Tor sperrangelweit
offen.“
Über diesen Befund und die Konsequenzen auch für die deutsche
Forschungslandschaft wollten die Abgeordneten am Mittwoch nun mit den
Vertretern des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt
(BMFTR) diskutieren. Was nicht ganz einfach war, denn der 400 Seiten
umfassende Bericht des Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG war vom
Ministerium als „VS-Verschlusssache“ eingestuft worden und konnte von den
Abgeordneten nur in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestags
eingesehen werden.
Die Debatte selbst fand im Ausschuss – wie [3][seit Anfang der Legislatur
üblich] – nur hinter verschlossenen Türen statt. Nicht genug mit der
Geheimniskrämerei: Diesmal gab es sogar die Auflage, dass die Abgeordneten
über die Beratung kein Wort nach draußen geben durften – der
Forschungsaussschuss wurde zur „Verschlusssache“ erklärt.
## Ein amtlicher Maulkorb
Mit dem amtlichen Maulkorb waren zumindest die Oppositionspolitiker nicht
einverstanden, auch wenn sie sich daran hielten. „Die vollständige
Einstufung des Berichts zur Sonderprüfung des Cispa Helmholtz-Zentrums für
Informationssicherheit und der Umgang mit seinen Ergebnissen sind für mich
nicht nachvollziehbar“, erklärte die forschungspolitische Sprecherin der
Grünen, Ayse Asar.
Erörtert werden müsse auch die Trennung von Cispa-Direktor Michael Backes
unter Aussschaltung des Aufsichtsrates. Ihre Fraktion war schon im Juli
Opfer der Geheimhaltungsmanie geworden, als die Antworten des BMFTR auf
eine Anfrage zur Nationalen Plattform für Forschungssicherheit allesamt als
„VS“ eingestuft wurden und nicht veröffentlicht werden durften. Eine
Beschwerde der Grünen beim Bundestagspräsidium läuft noch.
In gleicher Weise argumentierte die forschungspolitische Sprecherin der
Linken, Sonja Lemke. „Die Bundesregierung beschädigt mit ihrem Umgang mit
den Vorwürfen beim Cispa sowohl das Institut als auch das Vertrauen der
Wissenschaft in die Politik und damit auch die Wissenschaftsfreiheit“,
kritisierte die Oppositionspolitikerin. Der Sache der Forschungssicherheit
werde „damit kein Gefallen getan“.
8 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Helmholtz-Zentrum-im-Saarland/!6190566
(DIR) [2] /Helmholtz-Zentrum-im-Saarland/!6190566
(DIR) [3] /Wissenschaftspolitik/!6160080
## AUTOREN
(DIR) Manfred Ronzheimer
## TAGS
(DIR) Forschungspolitik
(DIR) Forschungsministerium
(DIR) Spionage
(DIR) Saarland
(DIR) Wissenschaft
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Helmholtz-Zentrum im Saarland: Verdacht auf Wissenschaftsspionage
Das Saarbrücker Cispa galt als Kronjuwel der deutschen
Cybersicherheitsforschung. Jetzt ist sein Chef vorläufig freigestellt.
(DIR) Wissenschaftspolitik: Forschungsdebatte nur im Geheimen
Mit der neuen Legislatur tagt der Forschungsausschuss ohne Öffentlichkeit.
Journalisten müssen nun auf eine Notlösung zurückgreifen.
(DIR) Chinas Einfluss auf deutsche Unis: Wissenswertes in Erlangen
An deutschen Unis wächst die Sorge vor chinesischer Einflussnahme. An
manchen Hochschulen hat das nun Folgen für Wissenschaftler:innen aus
China.