# taz.de -- Helmholtz-Zentrum im Saarland: Verdacht auf Wissenschaftsspionage
> Das Saarbrücker Cispa galt als Kronjuwel der deutschen
> Cybersicherheitsforschung. Jetzt ist sein Chef vorläufig freigestellt.
(IMG) Bild: Das Gebäude des „Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit Cispa“ auf dem Gelände der Universität des Saarlandes
Alarmstufe Rot im beschaulichen Saarland. Das Cispa Helmholtz-Zentrum für
Informationssicherheit in Saarbrücken, eines der renommiertesten
Forschungsinstitute des Landes, steht im Verdacht, Opfer oder Zuträger
chinesischer Wissenschaftsspionage zu sein. In einer Blitzaktion wurde
Anfang der Woche Institutsleiter Michael Backes seines Amtes vorläufig
enthoben, bis zur Aufklärung der Vorwürfe durch einen unabhängigen
Sonderprüfer. Eine externe Untersuchung sei „der zuverlässigste und
schnellste Weg“, sagte Saarlands Regierungschefin Anke Rehlinger. Indirekt
steht damit aber auch die gesamte [1][deutsch-chinesische
Wissenschaftskooperation] auf dem Prüfstand.
Das Center for IT-Security, Privacy and Accountability (Cispa) galt bisher
als Kronjuwel der saarländischen Forschungslandschaft. Aus kleinen Anfängen
eines Universitätsinstituts 2011 hatte es sich unter Führung des
Informatikers Michael Backes im Themengebiet der Cybersicherheit so gut
entwickelt, dass es 2019 in die [2][Helmholtz-Gemeinschaft], die größte
deutsche Forschungsorganisation, aufgenommen wurde. Derzeit laufen die
Planungen für einen Neubau, der 350 Millionen Euro kosten soll.
Den Eklat hatte vergangene Woche eine Recherche des Handelsblatts
ausgelöst, die nachwies, wie eng das Cispa mit Wissenschaftlern aus China
zusammenarbeitet, wodurch sensible Daten und Know-how zu Themen wie KI und
Cybersicherheit in die Volksrepublik abgeflossen sein könnten. In einer
Cispa-Forschungsgruppe zu Fragen von IT-Sicherheit, Datenschutz und KI
seien etwa 18 von 19 Mitgliedern chinesischer Herkunft. Eine andere
Forschungsgruppe an der Schnittstelle von maschinellem Lernen und
Datenschutz rekrutiere sich ausschließlich aus chinesischen
Wissenschaftlern, die auch Verbindungen zu kritischen Institutionen in
China unterhielten. Dazu zählen unter anderem fünf der „Seven
Sons“-Universitäten, die eng mit der Verteidigungsindustrie des Landes
verwoben sind, berichtete die Wirtschaftszeitung.
Cispa-Chef Backes wies die Vorwürfe, sich gegen chinesische Infiltration
nicht ausreichend geschützt zu haben, zurück. „Lange gab es keinen klaren
gesellschaftlichen oder politischen Konsens im Umgang mit China, oftmals
sogar widersprüchliche Linien“, verteidigte er sich auf seinem
LinkedIn-Account. Sein Institut habe sich „stets auf der vorsichtigen Seite
bewegt“, etwa mit einer wissenschaftlich-inhaltlichen Prüfung, einer
Plausibilitätskontrolle anhand öffentlich zugänglicher Informationen sowie
den Visumverfahren. Gleichwohl unterstützte Backes seine Freistellung und
begrüßte die Sonderprüfung „im Interesse einer lückenlosen Aufklärung“.
Das Bundesforschungsministerium, aus dessen Etat das Cispa zu 90 Prozent
finanziert wird, erklärte auf taz-Anfrage, dass zunächst das Ergebnis der
Sonderprüfung abgewartet werden müsse: „Dem können wir nicht vorgreifen“,
so der Ministeriumssprecher.
25 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Manfred Ronzheimer
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