# taz.de -- Galeria in der Dauerkrise: Vierte Insolvenz in sechs Jahren
       
       > Die Warenhauskette Galeria ist schon wieder in finanzieller Not. Die 83
       > Filialen sind weiter geöffnet – vorerst. 12.000 Angestellte müssen
       > zittern.
       
 (IMG) Bild: Schon wieder pleite – dieses Galeria-Kaufhaus in Regensburg machte schon 2025 dicht
       
       dpa | Die angeschlagene Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht
       Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der
       Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen, teilte das
       Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit.
       
       Der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Situation zu
       ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine
       nachhaltige Zukunft zu schaffen, erklärte Galeria in einer Mitteilung. Zu
       den Hintergründen machte das Unternehmen auf Nachfrage zunächst keine
       weiteren Angaben.
       
       Die rund 12.000 Beschäftigten müssen nun um ihre Arbeitsplätze bangen. Ob
       sie Insolvenzgeld erhalten und ob beziehungsweise welche Standorte
       schließen müssen, ist bislang unklar.
       
       Für Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag
       innerhalb von sechs Jahren. Zahlreiche Filialen wurden infolge der
       zurückliegenden Verfahren geschlossen. Die Gläubiger verzichteten auf
       Milliardenforderungen, um der Warenhauskette den Weg aus der Krise zu
       ermöglichen.
       
       ## 9 von 92 Warenhäusern mussten bereits schließen
       
       Vor gut zweieinhalb Jahren hatte das Unternehmen, damals noch unter dem
       Namen Galeria Karstadt Kaufhof, den bislang letzten Antrag gestellt.
       Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns [1][Signa].
       
       Im Zuge der Insolvenz mussten damals 9 der 92 Warenhäuser schließen. Seit
       Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer
       Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und
       Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen. Galeria verlegte seinen Sitz von
       Essen nach Düsseldorf.
       
       Knapp zwei Jahre später geriet die Kette erneut in die
       [2][Negativschlagzeilen]. Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter
       ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf
       Liquiditätsschwankungen und räumte ein, Vermieter um eine Stundung gebeten
       zu haben.
       
       Erst im Juni erhielt die Warenhauskette eine neue Kreditfinanzierung von
       bis zu 160 Millionen Euro. Das Geld dient unter anderem dazu, einen
       laufenden Kredit abzulösen und offene Mietzahlungen zu begleichen. Die
       Kreditlinie stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit.
       Sie ist durch die Ware von Galeria abgesichert und an einen auf drei Jahre
       angelegten Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht.
       
       ## Einzelhandel in der Krise
       
       Im Juli kündigte Galeria an, 33 [3][Warenhäuser auf den Prüfstand] zu
       stellen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Ohne
       tragfähige Lösungen sei die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet,
       hieß es. Alle Warenhäuser müssten nachhaltig profitabel wirtschaften. Eine
       Entscheidung über die Zukunft der Filialen stand zuletzt noch aus.
       
       Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI sind die Erlöse des
       Unternehmens in den vergangenen Jahren, auch infolge der Schließungen,
       deutlich gesunken. 2019 erzielte Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen
       EHI zufolge einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Sechs Jahre später
       setzte Galeria demnach mit weniger als der Hälfte der Standorte nur noch 2
       Milliarden Euro um.
       
       Die Bedeutung von Kauf- und Warenhäusern im Einzelhandel ist in den
       vergangenen Jahren stark gesunken. Ihre Marktanteile sanken laut EHI seit
       2020 von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent. In diesen Zahlen sind neben
       Galeria unter anderem die Handelsketten Müller und Woolworth enthalten.
       
       Zwar gibt es noch kleinere Anbieter wie Breuninger, die KaDeWe-Gruppe und
       das Kaufhaus Stolz. Ein Aus für Galeria würde jedoch zugleich das Ende der
       Ära klassischer Warenhäuser markieren.
       
       ## Viele Insolvenzen in der Branche
       
       Der Einzelhandel in Deutschland steht wegen der schwachen Konsumstimmung
       und des wachsenden Onlinehandels unter Druck. Nach Angaben des
       Kreditversicherers Allianz Trade hat die Zahl der Insolvenzen im
       Einzelhandel ein Zehnjahreshoch erreicht. Zwischen Juni 2025 und Mai 2026
       meldeten demnach gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an. Zuletzt kamen
       weitere prominente Fälle hinzu.
       
       So traf es unter anderem die Non-Food-Discounter Kodi und Mäc Geiz, die
       zahlreiche Filialen schließen. Die Deko-Kette Depot stellt ihren
       Geschäftsbetrieb ein. Die Baumarktkette Hellweg wird ebenfalls abgewickelt,
       etliche Filialen werden von anderen Händlern weiterbetrieben.
       
       In den vergangenen Jahren haben bundesweit zehntausende Geschäfte für immer
       geschlossen, nicht nur infolge von Insolvenzen. Laut einer Prognose des
       Handelsverbands Deutschland dürfte die Zahl der Geschäfte in diesem Jahr
       auf unter 300.000 sinken. Ende 2015 waren es noch etwa 372.000.
       
       2 Oct 2026
       
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