# taz.de -- Tausend Jahre nach seinem Tod: Zar Samuil bekommt neue Ruhestätte in Sofia
       
       > Auch wenn nicht gänzlich sicher ist, dass er es wirklich ist: Die
       > sterblichen Überreste des Zaren Samuil sind nach Bulgarien umgebettet
       > worden.
       
 (IMG) Bild: Ankunft in Bulgarien
       
       afp | Mehr als tausend Jahre nach seinem Tod sind die mutmaßlichen
       sterblichen Überreste von Zar Samuil nach Bulgarien zurückgekehrt. Nach der
       Übergabe in der nordgriechischen Stadt Thessaloniki traf der Sarg am
       Samstag in der Hauptstadt Sofia ein und wurde, mit der bulgarischen Flagge
       bedeckt, von einer Ehrengarde durch die Hauptstadt getragen. Zahlreiche
       Menschen bejubelten das Ereignis, Kampfflugzeuge überflogen die Stadt und
       21 Salutschüsse wurden abgefeuert.
       
       [1][Ministerpräsident Rumen Radev] dankte seinem griechischen Amtskollegen
       Kyriakos Mitsotakis für die „Weisheit und den Mut“, die das „historische
       Abkommen“ ermöglicht hätten. Die Vereinbarung stärke „die strategische
       Partnerschaft, Freundschaft und das Vertrauen zwischen unseren beiden
       Ländern“, sagte Radev. Im Gegenzug erhält Griechenland 48 Objekte zurück,
       die bulgarische Truppen im Ersten Weltkrieg aus Kirchen und Klöstern in
       Nordgriechenland geraubt hatten.
       
       750 Polizisten waren im Zentrum Sofias im Einsatz. Die Bahn bot Freifahrten
       in die Hauptstadt an. Die Überreste wurden in der Sophienkirche aufgebahrt
       – der orthodoxen Basilika aus dem sechsten Jahrhundert, die Sofia ihren
       Namen gab.
       
       ## In den 1960ern entdeckt
       
       Samuil regierte das Bulgarische Reich von 997 bis 1014 und führte mit
       seinen Brüdern mehrere Feldzüge gegen Byzanz. Er weitete seine Macht über
       große Teile des Balkans aus und machte die Region um den Prespa- und den
       Ohridsee, die heute größtenteils zu Nordmazedonien gehört, zum Zentrum
       seiner Herrschaft.
       
       1014 wurde die bulgarische Armee von Byzanz vernichtend geschlagen. Der
       Überlieferung zufolge starb Samuil kurz darauf an einem Schock, nachdem er
       Tausende seiner Soldaten zurückkehren sah, die auf Geheiß des
       byzantinischen Kaisers Basileios II. geblendet worden waren. Vier Jahre
       später fiel sein Reich an Byzanz.
       
       Samuils mutmaßliche Überreste wurden in den 1960er Jahren von dem
       griechischen Archäologen Nikolaos Moutsopoulos auf der Insel Agios
       Achillios im Kleinen Prespasee entdeckt. In einem Grab fand sein Team das
       etwa 1,60 Meter große Skelett eines Mannes sowie Reste eines mit Goldfäden
       durchwirkten Seidenstoffs. Für die Zuordnung zu Samuil sprechen Fundort,
       Kleidung, Alter des Toten und eine alte Knochenverletzung. Zweifelsfrei
       identifiziert wurden die Überreste jedoch nie.
       
       Bulgarien hatte 2007 offiziell Verhandlungen über ihre Rückgabe
       aufgenommen. Einige bulgarische Historiker hinterfragten den Tausch, weil
       anders als bei den Samuil zugeschriebenen Knochen die Herkunft der von
       Griechenland zurückgeforderten Gegenstände feststeht.
       
       ## Streit mit Skopje
       
       Bulgarien ist zugleich nicht das einzige Land, das Anspruch auf Samuils
       Vermächtnis erhebt. In der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje steht eine
       riesige Statue des Herrschers, viele Menschen in dem Land sehen ihn als
       „ihren“ Zaren an. Die albanischsprachige Zeitung Koha schrieb: „Die Knochen
       kehren zurück, der Konflikt bleibt! Samuil ist wieder einmal zwischen
       Skopje und Sofia umstritten.“
       
       Eine bilaterale Kommission empfahl 2022, Samuil als Herrscher eines Staates
       zu bezeichnen, „den die meisten zeitgenössischen Geschichtsschreiber als
       Bulgarisches Reich ansehen“, dessen Machtzentrum im heutigen Nordmazedonien
       lag. Der Politikwissenschaftler Dimitar Betschew von Carnegie Europe sagte
       AFP, die Initiative solle auch den bulgarischen Charakter der slawischen
       Bevölkerung Mazedoniens unterstreichen.
       
       Die Einigung löste in Bulgarien zugleich Streit darüber aus, wer sich den
       Erfolg zurechnen darf. Die Rückführung fällt mitten in den
       Präsidentschaftswahlkampf. Amtsinhaberin Iliana Iotowa, die [2][von Radev
       unterstützt] wird, setzt auf patriotische Themen und begann ihren Wahlkampf
       in Veliki Preslaw, einer früheren Hauptstadt des Ersten Bulgarischen
       Reiches.
       
       Radev, [3][der für Bulgariens Platz in EU und Nato eintritt und zugleich
       den Dialog mit Moskau befürwortet], wolle damit patriotische Wähler
       ansprechen, sagte Politologe Betschew. Die Botschaft laute, dass er im
       Gegensatz zu radikaleren Kräften konkrete Ergebnisse erziele. Samuils
       sterbliche Überreste sollen laut dem staatlichen Sender BNT in einem weißen
       Marmorsarkophag in der Sophienkirche ihre letzte Ruhestätte finden.
       
       4 Oct 2026
       
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