# taz.de -- Kinder fragen, die taz antwortet: Wozu gibt es eigentlich den Stimmbruch?
> Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche
> beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Terje, 11 Jahre alt.
(IMG) Bild: Wenn ein Hirsch röhrt, rutscht sein Kehlkopf den langen Hals hinunter
Ein Oktobermorgen im Wald. Nebel hängt zwischen den Bäumen. Es ist ganz
still. Nur ein paar Vögel zwitschern und der Wind rauscht durch die Wipfel,
er fegt ein paar bunte Blätter fort. Doch dann: „Rrröööhhhrrr!“ Ein
grunzendes Brüllen scheppert durch den Wald, so tief und laut wie ein
protziger Sportwagen.
Das war ein Hirsch! Wenn der röhrt, rutscht sein Kehlkopf den langen Hals
hinunter. Dadurch erzeugt er einen lauten, tiefen Ton. Das soll Eindruck
bei den Hirschkühen schinden. Denn die suchen sich bevorzugt Partner aus,
die möglichst groß und kräftig erscheinen.
Und was hat das jetzt mit dem Stimmbruch zu tun?
Also – [1][wenn Jungen] in die Pubertät kommen, schickt der Körper einen
besonderen Botenstoff los: das Testosteron. Das lässt unter anderem Muskeln
und die Körperbehaarung wachsen. Auch der Kehlkopf im Hals wird größer. Die
Stimmlippen darin werden länger und dicker. Dadurch sinkt die Stimme um
etwa eine Oktave, oft in weniger als einem Jahr. Dieser Wechsel von höherer
Stimme zu tieferer Stimme heißt Stimmbruch. Dabei bricht eigentlich nichts.
Es verschiebt sich eher.
Die Länge der Stimmlippen entscheidet über den Ton. Bei Kindern flattern
die Stimmlippen noch mehr als 200 Mal pro Sekunde aneinander. Das erzeugt
hellere Töne. Die längeren Stimmlippen von jungen Männern schwingen nur
noch halb so oft. Dadurch klingt ihre Stimme viel tiefer. Und
zwischendurch? [2][In der Pubertät] ändern sich in kurzer Zeit Länge, Dicke
und Gewebe. Das ist ein bisschen so, als würde man ein Musikinstrument
grundlegend umbauen – oder die Saiten auswechseln –, während man weiter
darauf spielt. Kein Wunder, dass da mal schiefe Töne herauskommen.
[3][Wozu das Ganze?] Soll die tiefe Stimme Mädchen beeindrucken, weil die
glauben, man sei besonders groß und kräftig, so wie bei den Hirschen? Bei
unseren Urururahnen vor ein paar Hunderttausend Jahren war das wohl
wirklich so. Forschende haben die Stimmen von Menschen mit mehreren
Affenarten verglichen. Das Ergebnis: Je heftiger Affenmännchen um Weibchen
wetteifern, desto tiefer klingen sie.
Doch verrät eine tiefe Stimme überhaupt, wie groß jemand ist oder wird? Nö.
Bei erwachsenen Männern gibt die Tonhöhe so gut wie keine Hinweise auf die
Körpergröße. Kleinere Männer können eine tiefere, und größere Männer können
eine höhere Stimme haben. Durch den Stimmbruch aber mussten sie fast alle.
17 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Philipp Brandstädter
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