# taz.de -- Grenzkrieg mit Afghanistan: Pakistan eskaliert wieder am Hindukusch
> Die pakistanische Luftwaffe greift erneut angebliche Terroristenlager in
> Afghanistan an. Erstmals gibt es Berichte über eine Unterstützung
> bewaffneter Taliban-Gegner.
(IMG) Bild: Afghanen stehen vor einem Auto, in dem Leichen von Opfern des pakistanischen Angriffs in Helmand liegen sollen
Pakistan hat in der Nacht zu Donnerstag [1][zum dritten Mal innerhalb von
knapp zwei Wochen] Ziele in Afghanistan bombardiert. Laut
Informationsministerium in Islamabad richteten sich die Angriffe gegen zwei
„Terroristenlager“ der Taliban-Bewegung Pakistans (TTP). Mindestens 22
„Militante“ sollen dabei getötet und große Mengen an Waffen und Munition
vernichtet worden sein. Man habe „maximale Vorsichtsmaßnahmen“ getroffen,
um „Kollateralschäden“ zu vermeiden.
Das afghanische Innenministerium des Taliban-Regimes in Kabul bestätigte
Luftangriffe auf die Provinzen Helmand im Süden und Kunar im Osten des
Landes, sprach aber nur von zivilen Opfern. Insgesamt seien neun Menschen
getötet und elf weitere verletzt worden.
Die Nachrichtenagentur AFP zitiert einen Dorfbewohner in Helmand: „Da waren
Kinder, Frauen; sie haben sie getötet. Hier gibt es weder Militär noch
sonst irgendetwas.“ In Kunar wurde laut AFP eine Frau aus den Trümmern
eines zerstörten Hauses gerettet. Dort habe man später ihren Mann und vier
Kinder tot geborgen.
Pakistan beschuldigt das afghanische Taliban-Regime, keine wirksamen
Maßnahmen gegen bewaffnete Gruppen wie die TTP zu ergreifen, [2][die in
Pakistan Sicherheitskräfte und Zivilisten angreifen]. Kabul bestreitet eine
Verbindung zu diesen Gruppen.
## Pakistan sieht sich in einem „offenen Krieg“
Die Kämpfe eskalierten im vorigen Oktober und erneut im Februar dramatisch,
als Islamabad nach mehreren Anschlägen mutmaßlich der TTP und anderer
Gruppen erklärte, es befinde sich in einem „offenen Krieg“ mit Afghanistan.
Allein im Oktober 2025 starben laut UNO dabei über 500 afghanische
Zivilist*innen.
Seit 2014 leben etwa 12.000 pakistanische Flüchtlinge in Afghanistan, die
meisten im Lager Gulan in der Südostprovinz Chost. Diese wurde Ende
September von Pakistan angegriffen. Dort können auch TTP-Kämpfer
untertauchen.
Islamabad kündigte jetzt an, die Kampagne gegen „die Bedrohung durch den
von ausländischen Kräften geförderten und unterstützten Terrorismus“ aus
dem Nachbarland werde fortgesetzt. Verhandelt wird seit März nicht mehr.
Damals scheiterten Vermittlungsversuche Chinas und zuvor Saudi-Arabiens und
der Türkei.
Auch Pakistan unterstützt offenbar wieder oppositionelle und auch
bewaffnete afghanische Gruppen. Am Donnerstag erklärte das
[3][Taliban-Verteidigungsministerium], „Operationen gegen Militante, die
mit pakistanischer Unterstützung in den Bezirk Kamdesch in der östlichen
Provinz Nuristan eingedrungen waren“, seien abgeschlossen. Dabei seien 41
Angreifer getötet und 62 weitere gefangen genommen worden.
„Pakistanische Milizen und Hilfstruppen sowie Rebellen des ‚Islamischen
Staates‘ (IS) waren ebenfalls vor Ort“, hieß es weiter. [4][Taliban-nahe
Medien sprachen von 400 Angreifern]. Doch sind alle Zahlen mit Vorsicht zu
genießen. In den sozialen Medien kursierten Videos von Gefangenen.
[5][Pakistan hingegen dementierte jegliche Beteiligung].
## Berichte über Angriffe auf Polizeiposten der Taliban
Am vorigen Wochenende hatten [6][afghanische Exilmedien] berichtet, Kämpfer
der Afghanischen Freiheitsfront (AFF) hätten in Kamdesch
Taliban-Polizeiposten eingenommen und die Taliban einen Gegenangriff
gestartet. AFF behauptete in Onlinemedien, ihre Kommandos hätten Teile von
Kamdesch in Nuristan sowie des Nachbardistrikts Nari in Kunar „aus der
Kontrolle der Taliban befreit“ und dabei ihrerseits 37 Taliban getötet und
24 weitere verletzt.
Die AFF ist eine von mehreren bewaffneten Anti-Taliban-Gruppen. Sie wurde
im März 2022 vom afghanischen Ex-Generalstabschef Jassin Sia gegründet. Zu
ihr gehören frühere Angehörige der von den USA ausgebildeten Elitetruppen.
Pakistan veranstaltete auch [7][Treffen der afghanischen zivilen
Opposition], darunter Teile der Frauenbewegung. Andere Taliban-Gegner*innen
verurteilten diese Kooperation. [8][Ex-Vizeverteidigungsminister Tamin
Asey] etwa warf ihnen vor, sich von Pakistan „für mediale und politische
Zwecke“ missbrauchen zu lassen.
1 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Grenzkrieg-am-Hindukusch/!6215018
(DIR) [2] /Mindestens-16-Tote-bei-Anschlag-mit-Autobombe-in-Pakistan/!6214388
(DIR) [3] https://pajhwok.com/2026/09/30/mod-operations-against-pakistan-backed-militants-in-kamdesh-conclude/
(DIR) [4] https://x.com/HurriyatEN/status/2104069161966350843
(DIR) [5] https://tribune.com.pk/story/2631689/frivolous-and-baseless-pakistan-rejects-taliban-claims-of-involvement-in-nuristan-violence
(DIR) [6] https://www.afintl.com/en/202609260205
(DIR) [7] https://amu.tv/193307/
(DIR) [8] https://nimruztv.com/en/4631/
## AUTOREN
(DIR) Thomas Ruttig
## TAGS
(DIR) Pakistan
(DIR) Schwerpunkt Afghanistan
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