# taz.de -- St. Paulis Kapitän geht nach Japan: Keine Liebe mehr
       
       > Der FC St. Pauli startet ohne seinen langjährigen Kapitän Jackson Irvine
       > in die 2. Liga. Dessen Haltung zum Gazakrieg wollte der Klub nicht
       > akzeptieren.
       
 (IMG) Bild: Plötzlicher Abgang: Jackson Irvine verlässt St. Pauli
       
       Am Sonntag beginnt für den FC St. Pauli die Saison in der 2.
       Fußball-Bundesliga der Männer. Der Kapitän allerdings ist von Bord
       gegangen. Jackson Irvine und St. Pauli, das war lange ein perfektes Match.
       Doch das Verhältnis des Klubs, seiner Fans zu Irvine ist zerbrochen – im
       Streit um den richtigen Umgang mit dem Krieg in Gaza. Damit ist nicht nur
       eine fast schon kitschige Liebesbeziehung Geschichte. Dabei hätten der FC
       St. Pauli und Irvine noch viel voneinander lernen, sich dadurch ergänzen
       können. Die Chance ist vertan.
       
       Nun wechselt Irvine [1][nach dem Abstieg mit St. Pauli] zum japanischen
       Erstligisten [2][Cerezo Osaka]. Das geschehe, so geht es aus einem
       Statement des Klubs hervor, auf Wunsch des Spielers. Dabei war der
       australische Nationalspieler lange das Aushängeschild des Kiezklubs und
       lebte die Werte des Vereins. Da waren sein Auftreten mit den langen,
       oftmals gefärbten Haaren oder seinen lackierten Fingernägeln, seine enge
       Verwurzelung im Kiez und seine politisch linke Einstellung.
       
       Und doch kam es zum Bruch. [3][Irvine teilte auf Instagram Beiträge], die
       Israels Vorgehen in Gaza als Genozid bezeichneten und machte mehrfach
       deutlich, dass er die israelische Kriegsführung ablehnt. Im Sommer 2025
       veröffentlichte seine Ehefrau Jemilla Pir auf Instagram Fotos, die ihn in
       einem FC-Palestine-Trikot zeigen. Dort sind die Umrisse des früheren
       britischen Mandatsgebiets Palästina zu sehen, einschließlich des heutigen
       Israels.
       
       Die darauffolgenden Antisemitismusvorwürfe nannte er in einer extra
       angesetzten Medienrunde im Trainingslager „sehr verletzend“. In der Folge
       kühlte auch sein bis dahin stets gutes Verhältnis zu den Medien merklich
       ab. In dem Pressegespräch hatte er kein eindeutiges Bekenntnis zum
       Existenzrecht Israels abgegeben. Teile der linken Szene kritisierten das
       und stellten klar, wie wichtig es sei, einen Schutzraum für jüdische
       Menschen zu schaffen und die besondere Rolle Deutschlands darin aufgrund
       der Schoah anzuerkennen.
       
       ## Zerschnittenes Tischtuch
       
       Das taten Vereinsoffizielle und Fans von St. Pauli immer wieder, verpassten
       es aber auch fast vollständig, Israels Militäreinsätze nach dem Massaker
       der islamistischen Hamas am 7. Oktober 2023 konsequent zu verurteilen. Und
       das, obwohl Menschenrechtsorganisationen und zahlreiche Genozidforschende
       Israels Vorgehen als Völkermord einstufen.
       
       [4][Endgültig zerschnitten war das Tischtuch zwischen St. Pauli und
       Irvine], nachdem der Mittelfeldspieler ein Video der „SOS
       Gaza“-Demonstration geteilt hatte, obwohl der Verein von der Veranstaltung
       abgeraten hatte. In der Folge schrieb Aufsichtsratsmitglied René Born auf
       Instagram: „Das ist unser Club, nicht deiner. Du wirst in wenigen Monaten
       weg sein und für einen Euro mehr woanders spielen. Wir werden immer hier
       sein, während du nicht mehr als eine Fußnote bist.“
       
       St. Paulis Präsident Oke Göttlich versuchte noch zu retten, was nicht mehr
       zu retten war. Zu allem Überdruss passierte das alles, während Irvine noch
       mit Verletzungen zu kämpfen hatte und folglich nicht für sportliche
       Schlagzeilen sorgen konnte. Nach seiner Genesung spielte Irvine eine
       durchwachsene Saison, dennoch hatte der Kapitän einen großen Einfluss auf
       das Team.
       
       Das Verhältnis zur aktiven Fanszene war jedoch indes nicht mehr so
       prächtig. Nach der Niederlage beim späteren Mitabsteiger Heidenheim und den
       anschließenden Pfiffen suchten die Ultras das Gespräch mit Hauke Wahl,
       nicht mit Irvine, dem Kapitän.
       
       Doch auch der Abwehrchef Wahl verließ St. Pauli nach dem Abstieg. Er spielt
       nun für Mitabsteiger VfL Wolfsburg, der allein schon wegen seiner
       wirtschaftlichen Möglichkeiten der absolute Topfavorit auf den
       Wiederaufstieg ist. Von der Startelf des FC St. Pauli in Heidenheim sind
       nur noch Tomoya Andō, Arkadiusz Pyrka, Mathias Rasmussen und der
       wechselwillige Joel Chima Fujita bei St. Pauli. Auch mit Chefcoach
       Alexander Blessin ging es nicht weiter. Jetzt hat Ex-Kieler Marcel Rapp in
       der 2. Liga das Sagen.
       
       Irvine hatte nach dem Abstieg noch auf dem Feld gesagt, es müsse einiges
       geschehen, damit er den Verein verlasse. Wenige Wochen später ist er weg.
       Es war doch einiges geschehen.
       
       6 Aug 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Fridolin Haagen
       
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