# taz.de -- Mieterhöhung für 90.000 Wohnungen: Angeblich nur Zufall
> Die landeseigenen Wohnungsunternehmen erhöhen kurz nach dem
> Linken-Wahlsieg die Mieten in jeder vierten ihrer Wohnungen.
(IMG) Bild: Laut LWU wird die Miete pro Haushalt durchschnittlich um 15 bis 30 Euro erhöht
„Wir betreiben unsere Mieterhöhungen unabhängig von Wahlterminen“, sagt
Ingo Malter, Sprecher der sieben landeseigenen Wohnungsbauunternehmen. „Uns
interessiert es nicht so sehr, dass da zufällig auch Wahlen stattfinden.“
Zur LWU gehören Berlinovo, Degewo, Gesobau, Gewobag, Howoge, Stadt und Land
sowie WBM.
Die Mieterhöhungen durch die LWU hatte am Dienstag die Linksfraktion publik
gemacht und bezieht sich dabei auf Meldungen von Mieter*innen direkt an
die Partei. Wie viele das waren, kann Linken-Fraktionssprecher Thomas
Barthel auf taz-Nachfrage am Mittwoch nicht sagen. „Die frühesten
Mieterhöhungen waren am 21. September datiert“ – also einen Tag nach der
Wahl.
Laut LWU sind die Mieterhöhungen erst versendet worden, nachdem sie
„wochenlang“ im System geprüft wurden, mit dem Wahltermin habe das nichts
zu tun gehabt.
Der Berliner Mieterverein kritisiert die Mieterhöhungen dennoch: „Die
Landeseigenen stellen den Wählerwillen infrage“, erklärte der Verein. Die
LWU solle sämtliche Mieterhöhungen der vergangenen drei Jahre zurücknehmen,
fordert er. Laut LWU wird die Miete pro Haushalt durchschnittlich um 15 bis
30 Euro erhöht, schätzt Malter. Von den rund 400.000 Wohnungen der LWU
seien 90.000 Wohnungen betroffen. „Die Gesamtspreizung habe ich nicht im
Kopf, aber es bewegt sich zwischen einigen Cents bis zu 100 Euro.“ Wenn 100
Euro vereinzelnd zustande kämen, „kann ich ihnen garantieren, dass es eine
Wohnung mit über 100 Quadratmetern war“, so Malter. Der Berliner
Mieterverein kritisiert: „Für einkommensschwächere Familien ist das eine
erhebliche Belastung.“
Bis Ende 2026 liege der neue Quadratmeterpreis des landeseigenen
Wohnungsunternehmen „Stadt und Land“ beispielsweise bei 7,31 Euro pro
Quadratmeter im Monat, so Malter über das Unternehmen, dessen
Geschäftsführer er auch ist. Bei den sechs anderen landeseigenen
Wohnungsunternehmen liege der Quadratmeterpreis zwischen 7,25 bis 7,55
Euro.
Der LWU-Sprecher betont auch das Leistbarkeitsversprechen: Wenn im
Einzelfall ein*r Mieter*in sage: „Ich bin überfordert“, könne von der
Mieterhöhung abgesehen werden. „Interessant ist, dass gar nicht so viele
Rückmeldungen dazu kommen“, erklärt Malter und erklärt das mit kürzlichen
Lohn- und Gehaltserhöhungen.
Der derzeit viel diskutierten Vergesellschaftung großer privater
Wohnungsunternehmen stehen die LWU kritisch gegenüber – „Obwohl manche
glauben, die von den Landeseigenen sind ja schon vergesellschaftet, die
müssen das ja gut finden“, sagt Malter. „Wir wissen jetzt schon, dass
Investoren Berlin meiden. Die Volkswirtschaft wird darunter leiden“,
bewertet er die Pläne der Linkspartei.
Insgesamt sei in Berlin im vergangenen Jahr jede zweite Wohnung durch die
LWU gebaut worden, betont Malter. 5.019 Fertigstellungen habe man in 2025
geschafft. Bis 2035 seien weitere 56.100 neue Wohnungen in Planung.
30 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Adam Schwedhelm
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