# taz.de -- Brenner-Basistunnel: Bayern ringt um die Bahntrasse durch die Alpen
> Österreich und Italien werkeln fleißig am Megaprojekt
> Brenner-Basistunnel. In Deutschland passiert – nichts. Aber müsste
> überhaupt neu gebaut werden?
(IMG) Bild: Von Innsbruck aus hat sich beim Brenner-Basistunnel schon allerhand getan: Blick in die Baustelle
Eines ist Gerhard Müller sehr wichtig: „Ich bin nicht gegen den
Brenner-Basistunnel, wir alle wollen viel mehr Verkehr auf die Schiene
bringen.“ Damit die Alpen nicht mehr wie bisher von [1][Pkw- und
Lkw-Lawinen auf dem Brenner] überrollt und erstickt werden. Der
Bauingenieur und pensionierte Bahn-Planungschef nennt das Projekt einen
„Meilenstein“.
Große Röhren werden derzeit unter dem Gebirge gebohrt, von Innsbruck im
Norden bis nach Franzensfeste in Südtirol. 55 Kilometer lang werden die
zwei Gleise sein, Personen- und Güterzüge sollen auf ihnen rollen. Das
Ziel: eine [2][schnelle Verbindung von Nord nach Süd], nach Italien. Von
2032 an soll die Strecke in Betrieb sein, die Gesamtkosten werden derzeit
auf 10,5 Milliarden Euro geschätzt.
Immer verwirrender ist hingegen, wie eigentlich der deutsche Beitrag dafür
aussieht. Von Innsbruck bis München ist eine neue viergleisige Strecke
vorgesehen, die als Zu- beziehungsweise Ablauf bezeichnet wird. Das Projekt
wurde schon 1994 feierlich vereinbart zwischen Italien, Österreich und
Deutschland. Allerdings: Auf deutscher Seite tut sich bislang nichts, noch
kein Gramm Erde ist bewegt worden.
## Planungen ins Nirwana
Der Bund als Auftraggeber ist mit seinen verschiedenen Verkehrsministern
das Projekt kaum angegangen. Die Bahn plant, macht Entwürfe, aber nichts
geht los. Nach derzeitigem Stand könnte die Strecke 2043 fertig sein, also
elf Jahre nach dem eigentlichen Brenner-Tunnel. „Daran glaubt allerdings
niemand mehr“, sagt Müller. Es werde Jahrzehnte länger dauern, „und
womöglich ist dann gar kein Geld mehr dafür da“. Die geschätzten Kosten für
die Strecke von Innsbruck über Rosenheim nach München liegen momentan bei
16,2 Milliarden Euro.
Und so erzählt Müller bei einem Gespräch bei sich daheim in Rosenheim, was
er und andere in der Region sich als Alternative vorstellen. Er schaut
genau hin, geht ins Detail. 400 Züge sollen künftig laut Bahn-Annahmen im
Idealfall täglich auf der Strecke fahren, derzeit sind es 150. „Diese 400
Züge kann man unter bestimmten Bedingungen auch auf den jetzt bestehenden
zweigleisigen Trassen passieren lassen“, sagt der 78-Jährige.
Voraussetzung sei deren „Ertüchtigung“. Das bedeutet etwa zusätzliche
Überholgleise oder besseren Lärmschutz für die Anwohner. Nun wird es
kompliziert: Nicht alle Züge wollen nach München und von dort weiter.
Manche streben Richtung Salzburg. Würde man von Rosenheim die bisher nicht
elektrifizierte einspurige Trasse nach Mühldorf ausbauen und erneuern,
könnte dieser Verkehr dort gen Osten abgeleitet werden. „Das würde 400 oder
500 Millionen Euro kosten“, schätzt Müller.
## Eine Viertelstunde langsamer
Einen einzigen Nachteil gesteht der Bauingenieur ein. Personenzüge könnten
auf den alten Strecken nicht mit der geplanten Höchstgeschwindigkeit von
230 Stundenkilometern fahren, sondern nur mit etwa 160. „Das wäre ein
Zeitverlust von höchstens 15 Minuten“, sagt er. Güterzüge fahren eh nicht
so schnell.
Müller berät die widerständigen Initiativen vor allem aus dem Inntal, etwa
das [3][„Bürgerforum Inntal“]. Lange wurden diese als Zusammenschlüsse von
Betroffenen angesehen, die sich nur aus Eigeninteresse gegen den großen
Neubau stellen: weil Landwirte ihren Grund verlieren und entschädigt werden
müssten, weil der Tourismus vor Ort unter die Räder kommen würde. Müller
hält diese Einwände für durchaus relevant. Bei einem Bauprojekt müssten
aber die Vorteile die Nachteile überwiegen, und das sieht er hier nicht
gegeben.
In Bayern hat sich der Landtagsabgeordnete Florian von Brunn (SPD) des
Themas angenommen. Er war ein Neubau-Befürworter, ist nun aber eher
skeptisch. Von Brunn sagt: „Zuerst muss das gemacht werden, was schneller
geht und ohnehin gebraucht wird.“ Damit meint er Modernisierung, Lärmschutz
und den Ausbau der Mühldorf-Trasse. Danach könne man entscheiden, „ob eine
Neubaustrecke zusätzlich wirklich nötig ist“.
25 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Tausende-bei-Protest-gegen-Verkehrsflut-am-Brenner/!6182926
(DIR) [2] /Bau-des-Brenner-Basis-Tunnels/!6009203
(DIR) [3] https://www.buergerforum-inntal.de/
## AUTOREN
(DIR) Patrick Guyton
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(DIR) Bahnverkehr
(DIR) Brenner
(DIR) Bayern
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