# taz.de -- Comedy-Serie „Brothers“ bei Apple TV: Sich halb feiern und sich halb aufs Korn nehmen
       
       > Matthew McConaughey und Woody Harrelson gehen in „Brothers“ dem Gerücht
       > nach, dass sie in echt Brüder sind. Das Ergebnis: Comedy mit
       > wohldosierten Dude-Vibes.
       
 (IMG) Bild: Woody Harrelson (l.) und Matthew McConaughey in einer Szene der Serie „Brothers“
       
       Basierend auf einem wahren Gerücht. Diese Worte sind den acht Episoden der
       [1][Comedy-Serie] „Brothers“ (zu sehen bei Apple TV) vorangestellt, doch so
       ganz trifft das die Sache nicht. Denn auch wenn die Realität hier Pate
       stand, ist es weniger ein fieses Gerücht als eine drollige Anekdote, der
       diese Geschichte ihren Plot verdankt.
       
       Matthew McConaughey und Woody Harrelson – nicht nur kollegial verbandelte
       Schauspieler, sondern auch seit Langem gut befreundet – erfuhren eines
       Tages, dass McConaugheys Mutter einst eine kurze Bekanntschaft mit
       Harrelsons Vater hatte. Eine so intime Bekanntschaft, dass es zumindest
       theoretisch möglich wäre, die beiden Hollywood-Stars seien mehr als bloß
       (Halb-)Brüder im Geiste. In den Familien der beiden ist dieses
       Gedankenspiel seither ein Running Gag, gern auch mal preisgegeben in
       Interviews. Doch „Brothers“ exerziert es nun durch.
       
       McConaughey und Harrelson, die sich die Serie gemeinsam mit Lee Eisenberg
       (der schon an „The Office“ oder „Jury Duty“ beteiligt war) ausgedacht
       haben, spielen also fiktionalisierte Versionen ihrer selbst, um sie herum
       wird mit der Wirklichkeit eher frei umgegangen. Als die Hochzeit einer
       seiner Töchter platzt, packt Woody die beiden samt Ehefrau Joy (Brittany
       Ishibashi) in den Wohnwagen und bricht nach Texas auf. Ein Besuch bei
       seinem Kumpel Matthew, dessen Frau Valentina (Natalie Martinez) und deren
       Kindern soll für Abwechslung sorgen.
       
       Was als spontaner Tapetenwechsel beginnt, stellt die enge Freundschaft der
       beiden Schauspieler bald auf die Probe. Nicht nur, weil sie jenseits einer
       Vorliebe für Marihuana sowie einer grundlegenden Lässigkeit doch recht
       unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Sondern auch, weil Matthews Mutter
       Ma Mac (Holland Taylor) Woody aus einer alkoholseligen Laune heraus
       berichtet, mal mit seinem Vater im Bett gewesen zu sein.
       
       Der Gedanke, dass sein bester Freund auch sein Halbbruder sein könnte,
       lässt Woody nicht mehr los, doch Ma Mac will mit aller Macht verhindern,
       dass er in dieser Hinsicht weiter nachforscht oder gar ihrem Sohn etwas
       davon berichtet. Zumal dessen Pläne, für das Amt des Gouverneurs zu
       kandidieren, von solchen Neuigkeiten erheblich gestört werden könnten.
       
       ## Macho und Hippie
       
       Die Spielfreude und [2][das Augenzwinkern], mit denen sich McConaughey und
       Harrelson in „Brothers“ halb feiern, halb aufs Korn nehmen, machen ohne
       Frage Spaß. Ersterer präsentiert sich als gläubiges Familienoberhaupt mit
       Macho-Anflügen, der auf seine New York Times-Bestseller fast noch stolzer
       ist als auf seinen Oscar und es ernst meint mit seinen politischen
       Ambitionen (mit denen der echte McConaughey bislang bestenfalls
       kokettiert).
       
       Sein Counterpart ist der vegane, umweltbewusste Teilzeit-Hippie, der gern
       mal das Chaos anzuziehen scheint. Je deutlicher die Anspielungen auf die
       Realität dabei werden – etwa mit Blick auf die gemeinsame Arbeit „True
       Detective“ – [3][desto amüsanter wird es].
       
       Als wirkliche Auseinandersetzung mit dem Thema Ruhm oder Meta-Kommentar auf
       das Hollywood-Business ist die Serie mangels Schärfe nur bedingt geeignet,
       und die Versuche, die Prämisse mittels Handlung zu mehr als einer bloßen
       Sketch-Idee auszubauen, fruchten mal mehr und mal weniger gut.
       
       Doch als Familien- und Freundschaftsgeschichte funktioniert „Brothers“
       durchaus. Und immer, wenn die kerligen Dude-Vibes der Protagonisten allzu
       erdrückend zu werden drohen, freut man sich darüber, dass auch ihren (stark
       von den realen Figuren abweichenden) Familienmitgliedern Raum eingeräumt
       wird und Lisa Gilory als Wahlkampfleiterin sowie vor allem Holland Taylor
       als Ma Mac zu ganz großer komödiantischer Form auflaufen.
       
       24 Sep 2026
       
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