# taz.de -- Waldbrände in Europa: Trockenfutter für das Feuer
       
       > Die Waldbrandsaison 2026 in Europa hat in Frankreich und Spanien schlimm
       > gewütet. Doch auch in Belgien gab es traurige Rekorde. Eine Datenanalyse.
       
 (IMG) Bild: Fontainebleau bei Paris, Frankreich, 13. Juli: Pyrocumulus-Wolken haben sich bei einem Großbrand entwickelt
       
       Der Boden glimmt nicht mehr, und doch ist nach diesem Sommer vieles nicht
       mehr, wie es war. In Frankreich war besonders das Departement Gironde mit
       der Hauptstadt Bordeaux, im Südwesten des Landes von den Feuern betroffen.
       Rund 37.626 Hektar Wald sind dort allein in diesem Sommer verbrannt, eine
       Fläche, die etwa drei Vierteln des Bodensees entspricht. So viel Fläche hat
       das Department seit Beginn der Satellitenauswertung durch Effis, das
       europäische Waldbrandinformationssystem, noch nie an das Feuer verloren. So
       gut wie die gesamte Fläche brannte im Monat Juli. Was genau war da los?
       
       Schuld war unter anderem Pyrocumulonimbus. Nicht nur das Wort ist ein
       Ungetüm, auch die Wolke, die es bezeichnet. Ein Pyrocumulonimbus ist eine
       extrem hohe Gewitterwolke, die aus Pyrocumulus-Wolken entstehen kann, wenn
       große Brände und instabile Verhältnisse in der Atmosphäre
       aufeinandertreffen. Solche Wolken kennt man aus Gebieten wie Australien und
       den USA. In Frankreich wurde sie im Juli 2026 das erste Mal nachweislich
       gesichtet. Die Wolkenformation ist gefürchtet, denn sie macht ihr eigenes
       Wetter: Pyrocumulonimbus verursacht starke bodennahe Windböen, die das
       Feuer wieder und wieder anfachen und so Löscharbeiten nahezu unmöglich
       machen. „Das kann man nicht in den Griff bekommen“, sagt die Meteorologin
       Francesca Di Giuseppe, die als leitende Wissenschaftlerin am Europäischen
       Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage im britischen Reading arbeitet.
       Wenn Löscharbeiten unmöglich sind, bleibt den Feuerwehren in den
       betroffenen Gebieten nur der Versuch, das Feuer einzudämmen und seine
       Ausbreitung zu verlangsamen, bis der Wind abnimmt. Ein weiteres Problem
       ist, dass ein solcher Gewitterwolkengigant durch Blitze auch außerhalb der
       eigentlichen Brandherde weitere kleine Feuer entfachen kann.
       
       Der Juli war verheerend, nicht nur in Frankreich. Während um Bordeaux die
       Flammen wüteten, breiteten sich auch in Spanien in verschiedenen Teilen des
       Landes große Waldbrände aus. Insgesamt verbrannten in Europa laut Effis im
       Jahr 2026 bisher etwa 677.000 Hektar – das entspricht einer Fläche, die
       etwa doppelt so groß ist wie die Insel Mallorca. Verglichen mit dem
       Rekordjahr 2025, in dem mehr als 1 Million Hektar Fläche verbrannten, liegt
       2026 damit zwar deutlich über dem Durchschnittswert, stellt jedoch in
       Gesamteuropa zumindest keinen neuen Rekord auf.
       
       Dennoch lohnt sich der Blick nach Frankreich und Spanien. In Frankreich
       verbrannten im gesamten Land bis zum 22. September 2026 mehr als 107.000
       Hektar Wald, ein trauriger Allzeitrekord für die Grande Nation. In Spanien,
       wo auch historisch pro Jahr eine größere Fläche verbrennt als im
       Nachbarland Frankreich, wurden 2026 etwa 311.000 Hektar verbrannte Fläche
       verzeichnet, etwa 90.000 Hektar weniger als im Rekordjahr 2025. Grund zum
       Aufatmen ist das jedoch nicht: In diesem Sommer haben die Waldbrände
       nämlich auch Regionen erreicht, die in den vergangenen Jahren weniger
       betroffen waren, etwa Belgien. Das Feuer traf hier das
       [1][Naturschutzgebiet Hohes Venn], unweit der deutschen Grenze. Mehr als
       3.100 Hektar Wald verbrannten laut Effis-Daten dort, so viel Fläche wie
       noch nie in Belgien innerhalb eines Jahres.
       
       Die Einsatzkräfte in Frankreich und Spanien hatten riesige Flächenbrände zu
       bekämpfen. Außerdem standen sie vor einer weiteren Herausforderung: Die
       Feuer brachen in verschiedenen Regionen und in beiden Ländern quasi
       gleichzeitig aus. Normalerweise können bei einzelnen Bränden Feuerwehrleute
       aus anderen Landesteilen oder Nachbarländern zur Hilfe kommen. Brennt es
       jedoch an verschiedenen Orten gleichzeitig, ist das kaum möglich, die
       Kapazitäten der Einsatzkräfte sind dann schnell erschöpft. Ein Grund für
       diese Gleichzeitigkeit der Brände, wie Di Giuseppe sie nennt, ist der
       Klimawandel, das haben verschiedene [2][Attributionsstudien bereits
       gezeigt]. Verstärkt wurde der generelle Anstieg der Temperaturen durch das
       Wetter zu Beginn des Jahres. „Jahre mit extremen Waldbränden haben oft
       einen besonders nassen Frühling“, sagt Di Giuseppe. Genau das sei in
       Frankreich und Spanien in diesem Jahr der Fall gewesen. Es klingt absurd,
       aber gerade die Feuchtigkeit wird später zum Problem: Die Vegetation grünt,
       blüht und sprießt fröhlich, bevor sie dann im Sommer vertrocknet – und dem
       Feuer einen idealen Nährboden bietet. „Fuel continuity“ nennt Di Giuseppe
       das, auf Deutsch etwa „Kraftstoffversorgung“.
       
       Auf das feuchte Frühjahr folgten im Sommer 2026 gleich [3][mehrere
       Hitzewellen], die Frankreich und Spanien besonders betrafen und dazu
       führten, dass die zuvor noch gut gediehene Vegetation plötzlich mit einem
       akuten Wassermangel konfrontiert war und austrocknete – man kann sich das
       vorstellen wie Feueranzünder. Die Hitzewellen erwischten Frankreich und
       Spanien so flächendeckend, dass landesweit im schlechtesten Sinne beste
       Bedingungen für Waldbrände herrschten.
       
       Doch ein hohes Waldbrandrisiko muss nicht zwangsläufig auch mit starken
       Waldbränden einhergehen. Auch in einer derart brandgefährlichen Gemengelage
       braucht es noch einen Auslöser. „In Europa werden 90 Prozent der Feuer
       durch Menschen ausgelöst, wenn auch nicht immer absichtlich“, sagt Di
       Giuseppe. Es muss nicht immer Brandstiftung sein – auch Funken von
       Stromleitungen oder landwirtschaftliche Maschinen können die ausgetrocknete
       Landschaft entzünden.
       
       Gerade die Brände in Frankreich hatten in diesem Sommer allerdings eine
       weitere Besonderheit, auf die Di Giuseppe hinweist. „Die Feuer treten immer
       mehr am Übergang von Siedlungen zur Natur auf“, sagt sie. Damit bedrohten
       sie immer häufiger Dörfer und Städte. Allein im französischen Department
       Gironde wurden im Juli aufgrund der Gefahr durch die riesigen Brände mehr
       als 200.000 Menschen vorübergehend aus ihren Wohnungen evakuiert.
       „Siedlungen breiten sich immer mehr in die Wildnis aus. Menschen haben
       dadurch viel mehr Kontakt mit Biomasse, die brennen kann“, sagt sie.
       
       Für die europäische Politik fordert Di Giuseppe einen ganzheitlichen
       Ansatz, der „Feuer vorbeugt, bevor sie überhaupt ausbrechen“. Die
       Prävention von Waldbränden müsse globaler gedacht werden – womit wir wieder
       bei Maßnahmen gegen den Klimawandel wären. Bis diese greifen, müssen
       Feuerwehren und Politiker:innen in Europa damit rechnen, dass der
       Wald, wie in diesem Jahr, an vielen Orten gleichzeitig brennt. Und einen
       Umgang damit finden.
       
       24 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Waldbrand-im-Hohen-Venn/!6204934
 (DIR) [2] https://www.worldweatherattribution.org/climate-change-increases-likelihood-of-compounding-drivers-of-severe-wildfire-conditions-in-france-and-spain/
 (DIR) [3] /Toedliche-Klimaerhitzung/!6208294
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Yannik Achternbosch
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Waldbrände
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Feuerwehr
 (DIR) Hitze
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Tödliche Klimaerhitzung: Vier Tage im Juni
       
       Der Sommer geht zu Ende mit über 16.000 Hitzetoten. Wer ist an den heißen
       Tagen gestorben und warum? Rückblick auf eine krasse Jahreszeit.
       
 (DIR) Waldbrand im Hohen Venn: 300 Meter vor der Grenze
       
       Leichter Regen, feuchte Luft, kein Wind: Das Feuer im Hohen Venn rückt
       nicht mehr näher auf die deutsche Grenze zu, die Lage hat sich
       stabilisiert.
       
 (DIR) Ursachen der Waldbrände: Im Feuerdreieck
       
       In der Saison 2025 haben die Brände in Europa mehr als 1,4 Millionen Hektar
       Wald vernichtet. Eine Analyse in Zahlen.