# taz.de -- Neuer Roman von Rachel Cusk: Aus dem Leben eines Schwans
       
       > Spekulationen begleiteten Rachel Cusks neuen Roman „Das Leben der M“. Im
       > Fokus soll die Schauspielerin Natalie Portman stehen.
       
 (IMG) Bild: Es gibt biografische Ähnlichkeiten zwischen M und Portmann, beispielsweise ihre Rolle als Ballerina und Portmans Hauptrolle in „Black Swan“
       
       Rachel Cusks neuer Roman „Das Leben der M“ warf Fragen auf, bevor die erste
       Seite überhaupt gelesen werden konnte. Schon vor der Veröffentlichung des
       Buches wurde spekuliert, die Schauspielerin, über die Cusk in dem Roman
       schreibt, sei Natalie Portman.
       
       Darauf deuten biografische Ähnlichkeiten hin, etwa Ms Durchbruchrolle in
       einem Film mit sexuellen Motiven, in dem sie als junges Mädchen mitwirkte,
       oder ihre Rolle als Ballerina, die großen Anklang fand. Portman selbst
       spielte mit 12 Jahren in „Léon der Profi“ und später die Hauptrolle in
       „Black Swan“. Cusk und Portman kennen sich und leben beide in Paris.
       
       In „Das Leben der M“ schlägt eine namenlose Autorin ihrer Freundin M vor,
       eine Autobiografie über sie zu schreiben. M willigt ein. Beide wohnen in
       einer namenlosen Stadt, die an einem Fluss liegt und einen hässlichen Turm
       hat. Ihre Häuserfassaden werden von Ms Gesicht für eine Werbekampagne
       geschmückt.
       
       ## Nachdenken über Echtheit
       
       Cusk nutzt den Beruf der Schauspielerin, um über Echtheit nachzudenken. M
       weiß nicht, wer sie ist, außerhalb von ihren Filmrollen. Ihr kommt es
       unmöglich vor, Gefühle oder Gedanken zu haben, wenn sie die nicht über eine
       Filmfigur nachvollziehen kann. Sollte sich eine ehrliche Emotion in ihr
       hochkämpfen, droht M in Panik zu verfallen.
       
       [1][Die Autorin] legt die innersten Vorgänge einer Person dar, die so
       öffentlich ist, dass jeder glaubt, sie zu kennen. Wie um die fehlende
       emotionale Tiefe von M zu unterstreichen, bewegt sich Cusk aber an der
       Oberfläche von allem, was sie beschreibt. Ms Erfahrungen mit Mobbing in der
       Schule oder der sexuelle Missbrauch als Kind am Filmset scheinen mehr
       nüchterne Tatsachen als einschneidende Ereignisse zu sein.
       
       Bis zum Ende deutet alles auf einen Schlüsselroman hin. Als sich M jedoch
       bei der Autorin über das Geschriebene beschwert, versteht diese nicht, wie
       sie M gekränkt haben soll. Sie habe sich die Figur doch ausgedacht. Alles,
       was die Leser*innen über M gelernt haben, ist also vielleicht gar nicht
       echt. Was nach dem Eintauchen in Ms vermeintliches Inneres bleibt, ist nur
       die Erkenntnis, dass es nicht viel zu wissen gibt.
       
       Das frustriert, und ist clever. Denn dass das Wenige, was man an Substanz
       von M zu greifen bekommt, gar nicht echt ist, unterstreicht letztendlich,
       was Cusk in ihrem Roman versucht zu thematisieren: Echtheit als Konstrukt,
       nicht unähnlich dem Geschlecht.
       
       7 Oct 2026
       
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