# taz.de -- Wildtiere im Circus Krone: Hamburg lässt Löwen in die Manege
> Wilde Tiere im Zirkus sind in Deutschland noch immer nicht verboten.
> Trotzdem verweigern viele Städte ihre Flächen für solche Shows – Hamburg
> nicht.
(IMG) Bild: In Hamburg dürfen Löwen im Zirkus auftreten: Andere Städte handhaben das anders
Circus Krone ist in der Stadt. Noch vor der Premiere vergangene Woche
geriet er außerplanmäßig in die Schlagzeilen. In acht Metern Höhe, auf dem
Dach des Zirkuszelts, das gerade auf dem Hamburger Heiligengeistfeld neben
dem Millerntorstadion steht, schubsten sich Tierrechtsaktivist*innen
und Zirkusmitarbeiter. Drei Aktivist*innen der Tierschutzgruppe „Vier
Pfoten“ waren mit Seilen und Sicherheitsgurten auf das Zelt geklettert, um
ein Transparent [1][gegen den Auftritt wilder Tiere] anzubringen.
Mitarbeiter des Zirkus wollten sie davon abbringen. Ein Aktivist wurde
leicht verletzt. Am Ende wurden beide Parteien angezeigt: die einen wegen
Hausfriedensbruchs, die anderen wegen Körperverletzung. Die Premiere der
Zirkusshow fand statt.
Circus Krone, der nach eigenen Angaben größte Zirkus Deutschlands, gastiert
aktuell für drei Wochen auf dem Heiligengeistfeld, dem größten Festplatz
Hamburgs. Mit dabei sind Löwen, Tiger, Pferde, Hunde und Kamele. Viel zu
stressig, ungesund und nicht artgerecht sei der ständige Transport und das
Auftreten in der hell erleuchteten und lauten Manege für die Tiere,
kritisieren Tierschutzorganisationen seit Jahren. Circus Krone
widerspricht, verweist auf die Einhaltung strenger Auflagen, dass er höhere
Standards einhalte als kleinere Zirkusse und dass die Tiere zur Familie
gehörten.
Dazu, wie viele Zirkusse in Deutschland noch wilde Tiere im Programm haben,
gibt es keine genauen Zahlen. Eine Schätzung von „Vier Pfoten“ geht von 30
bis 50 aus. Tatsächlich sind 75 Prozent der Menschen in Deutschland für ein
Wildtierverbot in Zirkussen, wie [2][eine Umfrage im Auftrag von „Vier
Pfoten“] ergab. Ein bundesweites Verbot gibt es in Deutschland, anders als
in den meisten EU-Ländern, aber bis heute nicht. [3][Im deutschen
Tierschutzgesetz steht] nur, dass man für das gewerbliche Zur-Schau-Stellen
von Tieren in Zirkussen eine Erlaubnis braucht.
Allerdings haben Städte und Kommunen die Möglichkeit, Zirkussen mit
Wildtieren die Station auf öffentlichen Plätzen zu verwehren. Das machen
mehr als 100 Städte und Kommunen so.
## Hamburg wartet auf ein bundesweites Gesetz
Der Hamburger Senat hat schon häufiger beteuert, er fände Wildtiershows
nicht gut und setze sich für ein bundesweites Verbot ein. Das sagt auch die
zuständige Behörde für Justiz und Verbraucherschutz auf taz-Anfrage. Erst
im Mai 2026 hat der Senat eine entsprechende [4][Entschließung in den
Bundesrat eingebracht]. Da scheiterte zuletzt 2021 ein Vorschlag der
damaligen Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU).
Andere Städte handhaben das anders. Unter anderem Köln, München und einige
Bezirke von Berlin haben eigene rechtliche Regelungen erlassen, um
Wildtier-Zirkusgastspiele zu verhindern. Die meisten gehen den Weg über die
Vermietung kommunaler Flächen, die sie zum Beispiel an bestimmte
Pachtbedingungen knüpfen.
In Hamburg sei das nicht denkbar, sagt der Sprecher der Justizbehörde.
Solange es keine bundesweite Regelung gäbe, wäre „eine Ablehnung allein
wegen Wildtieren nach derzeitiger Rechtslage nicht rechtssicher“.
Tatsächlich ist die rechtliche Lage ziemlich uneinheitlich. Es stimmt, dass
Zirkusunternehmen schön öfter gerichtlich gegen Städte und Gemeinden
vorgegangen sind, die ihnen kommunale Veranstaltungsflächen wegen
mitgebrachter Wildtiere nicht überlassen wollten.
## München musste Zirkus mit Riesenkängurus nicht dulden
Ein Zirkus klagte etwa 2017 gegen die Stadt Hameln in Niedersachsen, die im
Jahr zuvor beschlossen hatte, kommunale Flächen nur noch an Zirkusse ohne
Wildtiere zu vergeben. [5][Das Verwaltungsgericht Hannover] verpflichtete
die Stadt, über den Antrag des Zirkus neu zu entscheiden. Die Stadt ging
dagegen vor.
[6][Das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen bestätigte]: Eine Kommune
könne einem Zirkus, der über die tierschutzrechtlich erforderliche
Erlaubnis verfügt, die Nutzung kommunaler Flächen nicht aus allgemeinen
tierschutzrechtlichen Gründen verweigern. Dabei geht es auch um den Schutz
der sogenannten Berufsfreiheit der Zirkusunternehmen.
Es gibt aber auch ein Gegenbeispiel: [7][2014 entschied das
Verwaltungsgericht München], dass die Stadt einen Zirkus mit
Riesenkängurus, Großkamelen und Zebras nicht auf ihrem Volksfestplatz
gastieren lassen muss. Das Urteil zielte nicht auf ein unzulässiges
Wildtierverbot der Kommune, sondern auf das Recht der Gemeinde ab, ihren
Platz selbst zu gestalten und etwa nach Publikumsinteresse zu vergeben.
Hamburg geht das Risiko eines Rechtsstreits indes nicht ein. Die Stadt
verstecke sich hinter dem Warten auf eine bundesweite Regel, sagt Yvonne
Würz, Referentin für Zoo und Zirkus der Tierrechtsorganisation Peta
Deutschland. „Viele Städte und Gemeinden sind vorsichtig, aber es ist
machbar – juristisch gesehen“, sagt sie. Peta bietet einen Musterantrag für
Kommunen, mit dem sie Wildtiershows über Nutzungsbedingungen verhindern
können.
In Hamburg will Die Linke sich dafür einsetzen, dass die Stadt ihre Flächen
nicht mehr an Wildtier-Zirkusse vergibt. Am 30. September wird sie
[8][einen entsprechenden Antrag in die Bürgerschaft einbringen]. Circus
Krone gastiert noch bis 11. Oktober auf dem Heiligengeistfeld.
27 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Debatte-um-Wildtierverbot-im-Zirkus/!5035272
(DIR) [2] https://www.vier-pfoten.de/kampagnen-themen/themen/wildtiere/wildtiere-im-zirkus/75-der-deutschen-fuer-ein-wildtierverbot-in-zirkussen
(DIR) [3] https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/BJNR012770972.html
(DIR) [4] https://www.bundesrat.de/SharedDocs/beratungsvorgaenge/2026/0201-0300/0295-26.html
(DIR) [5] https://www.verwaltungsgericht-hannover.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/kommunales-wildtierverbot-fuer-zirkusauffuehrungen-ist-rechtswidrig-150172.html?utm_source=chatgpt.com
(DIR) [6] https://voris.wolterskluwer-online.de/browse/document/6ada33d0-3185-46df-8ada-509747e8a049
(DIR) [7] https://openjur.de/u/728811.html
(DIR) [8] https://www.linksfraktion-hamburg.de/wildtiere-im-zirkus-keine-oeffentlichen-flaechen-fuer-tierquaelerei/
## AUTOREN
(DIR) Amira Klute
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