# taz.de -- Nato-Militärausschuss: Carsten Breuer übernimmt den Vorsitz
       
       > Carsten Breuer ist neuer Vorsitzender des Nato‑Militärausschusses. Er ist
       > Generalinspekteur bei der Bundeswehr und Deutschlands ranghöchster
       > Soldat.
       
 (IMG) Bild: General Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr, bei einem Übungsszenario Anfang September im Hafen von Rostock
       
       dpa Deutschlands ranghöchster Soldat wird neuer Vorsitzender des
       Nato‑Militärausschusses. [1][Generalinspekteur Carsten Breuer] wurde bei
       einer Sitzung des Gremiums in Kopenhagen zum Nachfolger des italienischen
       Admirals Giuseppe Cavo Dragone gewählt, wie die Nato mitteilte.
       
       Breuer setzte sich gegen die kanadische Generalstabschefin Jennie Carignan
       durch, die im Fall ihrer Wahl die erste Frau an der Spitze des
       Militärausschusses geworden wäre. Er soll im Juli 2027 die Nachfolge des
       derzeitigen Amtsinhabers antreten.
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte zur Wahl Breuers, Deutschland
       übernehme in fordernden Zeiten Verantwortung in der Allianz. „Wir sind
       dankbar für das Vertrauen, das unsere Verbündeten in uns setzen“, schrieb
       Merz auf X.
       
       Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bescheinigte Breuer
       strategische Weitsicht. Er habe an entscheidender Stelle mit dazu
       beigetragen, die Bundeswehr neu aufzustellen.
       
       „Im Bündnis kommt es mehr denn je auf einen klaren Kurs an: Die Bedrohung,
       vor allem durch Russland nimmt zu“, so Pistorius. Und: „Die europäischen
       Partner werden sich gleichzeitig noch intensiver um ihre eigene Sicherheit
       und konventionelle Abschreckung kümmern, während die USA ihren Fokus auch
       auf andere Regionen ausweiten.“
       
       Breuer dankte „für das in mich gesetzte Vertrauen“. „Die Unterstützung der
       Generalstabschefs unserer Nato-Verbündeten bedeutet mir viel. Im Bündnis
       liegen große Aufgaben vor uns – für unsere Sicherheit und den Frieden in
       Europa und darüber hinaus“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
       
       ## Breuer dann militärischer Berater des Generalsekretärs
       
       Der Vorsitzende des Militärausschusses gilt neben dem Oberbefehlshaber der
       alliierten Streitkräfte in Europa (Saceur) als einer der einflussreichsten
       Militärs der Nato. Er ist der wichtigste militärische Berater des
       Generalsekretärs und zugleich das Bindeglied, über das die gemeinsamen
       Empfehlungen der Generalstabschefs aller Nato-Mitgliedstaaten den
       politischen Entscheidungsgremien vorgelegt werden. Zudem werden über ihn
       Weisungen und Richtlinien des Militärausschusses an die strategischen
       Befehlshaber der Nato sowie an den Generaldirektor des Internationalen
       Militärstabs weitergeleitet.
       
       [2][Der bislang letzte Deutsche auf dem Posten war General Harald Kujat.]
       Er war ebenfalls zuvor Generalinspekteur der Bundeswehr gewesen und
       amtierte von Juli 2002 bis Juni 2005 als Vorsitzender des
       Militärausschusses.
       
       Die Wahl von General Breuer gilt im Bündnis auch als Zeichen der
       Wertschätzung dafür, dass die Bundesrepublik zuletzt erheblich zur
       Steigerung der europäischen Verteidigungsfähigkeiten beitrug. Bei den
       Verteidigungsausgaben liegt Deutschland nach Nato-Zahlen derzeit mit rund
       125 Milliarden Euro klar auf Platz eins in Europa, in der militärischen
       Kommandostruktur des Bündnisses besetzt es seit diesem Jahr mehr
       Spitzenposten als die USA.
       
       Das alles soll es den Vereinigten Staaten ermöglichen, frei werdende Mittel
       und Streitkräfte für einen massiven Ausbau ihrer Abschreckung im
       Indopazifik zu nutzen. Die USA sehen mittlerweile nicht mehr Russland,
       sondern China als Hauptherausforderung für ihre eigenen
       Sicherheitsinteressen.
       
       ## Breuer führte den Kurswechsel nach der „Zeitenwende“
       
       Breuer ist seit März 2023 Generalinspekteur und damit militärisch
       verantwortlich für die Umorganisation und Stärkung der Bundeswehr, die
       [3][nach der „Zeitenwende“] angestoßen wurde – ausgelöst durch den
       russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
       
       Vor seiner Ernennung zum Generalinspekteur war Breuer Befehlshaber des
       Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr, das er selbst aufgebaut
       hatte. Bekanntheit erlangte er zuvor auch als Leiter des Corona-Krisenstabs
       im Kanzleramt.
       
       Breuer trat 1984 in die Bundeswehr ein. Als er seinen Dienst in einem
       Flugabwehrregiment begann, herrschte in Europa die Konfrontation zwischen
       Ost und West, der Kalte Krieg. Breuer war in jungen Jahren
       Truppenfachlehrer der später aufgelösten Heeresflugabwehr.
       
       In militärischen Laufbahnen für Topposten wechseln sich Aufgaben als
       Kommandeur und politische Verwendungen wie im Verteidigungsministerium ab.
       In den Jahren 2015 und 2016 war Breuer Projektbeauftragter für das Weißbuch
       zur Zukunft der Bundeswehr.
       
       ## Wer wird General an der Spitze der Bundeswehr?
       
       Pistorius steht nach der Wahl Breuers in den kommenden Monaten vor der
       Entscheidung, wen er stattdessen an die militärische Spitze der Bundeswehr
       setzt.
       
       In früheren Jahren wurde der damalige Inspekteur der Luftwaffe, Ingo
       Gerhartz, als möglicher Nachfolger genannt. Er ist aber seit Juni 2025
       Befehlshaber des operativen Nato-Hauptquartiers im niederländischen
       Brunssum, verantwortlich für die Nato‑Ostflanke. Gegenüber den Verbündeten
       steht Deutschland mit dem General und der Besetzung des Postens in der
       Verantwortung.
       
       Als ein möglicher Kandidat für den Posten des Generalinspekteurs im
       kommenden Jahr gilt Generalleutnant Christian Freuding, der Inspekteur des
       Heeres. Er treibt die Modernisierung der deutschen Landstreitkräfte voran
       und war zuvor Chefkoordinator der militärischen Ukrainehilfe Deutschlands.
       
       20 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Debatte-um-Wehrpflicht-und-Drohnen/!6126443
 (DIR) [2] /Kujat-wird-Nato-Militaerchef/!1139801/
 (DIR) [3] /In-Zeiten-der-Zeitenwende/!6213932
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Nato
 (DIR) Bundeswehr
 (DIR) Verteidigungspolitik
 (DIR) Verteidigung
 (DIR) GNS
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Bundeswehr stoppt Beförderungen: Lang genug strammstehen soll nicht mehr reichen
       
       Bislang erlangten Feldwebel nach 16 Dienstjahren automatisch einen höheren
       Rang. Das Ministerium setzt dieser Praxis ein Ende. Der Frust ist groß.
       
 (DIR) Deutsch-amerikanische Beziehungen: Trump droht wieder mit Abzug der US-Truppen aus Deutschland
       
       Der US-Präsident spricht davon, die Armee der USA in Deutschland zu
       reduzieren: ein Tritt gegen Merz. Davon wären Tausende Arbeitsplätze
       betroffen.
       
 (DIR) Neuer Wehrdienst: Losverfahren steht vor dem Aus
       
       In der Union rücken Verteidigungspolitiker*innen von der
       Wehrdienstlotterie ab. Zuvor hatte auch Deutschlands oberster General
       Einspruch erhoben.