# taz.de -- Grönland-Abkommen mit den USA: Lob und Erleichterung, so weit das Auge reicht
       
       > Trump feiert einen Grönland-Deal, auch Dänemark und Grönland sind
       > zufrieden. Das Abkommen soll die Sicherheit stärken. Viele Details
       > bleiben jedoch offen.
       
 (IMG) Bild: Einigkeit mit Fragezeichen: Der neue Grönland-Deal soll den Streit entschärfen, wichtige Details müssen aber noch geklärt werden
       
       Nur Vorteile! Alles fantastisch in alle Ewigkeit! Und es kostet uns
       überhaupt nichts! Die Ankündigung klang nach einem Super-Sonderangebot.
       Anders geht es wohl nicht beim Deal-Macher Donald Trump. Nach Jahren des
       Zündelns am traditionell guten Verhältnis zum Königreich Dänemark, [1][nach
       Jahren der Verunsicherung der Menschen in Grönland] feierte der
       US-Präsident sich nun also am späten Freitagabend für ein [2][Abkommen
       zwischen den drei Ländern], das den USA alles gebe, was sie sich nur
       wünschen könnten. Und dieses Mal ist er mit seiner Freude nicht allein.
       
       In Dänemark und Grönland wartete man kurz ab, ob das so stimmen könne, doch
       siehe da: Die dänische Ministerpräsidentin und der Regierungschef der zur
       Reichsgemeinschaft gehörenden arktischen Insel bestätigten wenig später in
       einer gemeinsamen Pressemitteilung: Es gibt einen Deal, mit dem alle Seiten
       zufrieden sind. Am Samstagmittag stimmte die Nato ein – ein Sprecher sagte
       zu Reuters, das Abkommen werde dazu beitragen, Sicherheit, Stabilität und
       Zusammenarbeit in dieser wichtigen Region zu fördern.
       
       Auch der US-Korrespondent des dänischen Rundfunks DR sparte am Samstag
       nicht mit Superlativen: Es sei eine der größten Nachrichten, über die er in
       seinem journalistischen Leben je berichtet hätte, sagte Kim Bildsøe Lassen.
       Nach seinen Informationen seien es harte Verhandlungen gewesen, die
       mehrmals zu scheitern drohten. Doch in dem nun erreichten Abkommen gebe es
       offenbar nichts, mit dem Dänemark und Grönland nicht leben könnten.
       
       Mette Frederiksen sagte, es werde die gemeinsame Sicherheit in der Arktis
       und im Nordatlantik stärken und sei damit auch gut für die Nato und Europa.
       Und vor allem: Der Deal erkenne die Souveränität und territoriale
       Integrität des Königreichs und das Recht des grönländischen Volkes auf
       Selbstbestimmung an.
       
       ## Stachel der Übernahme-Drohungen sitzt tief
       
       Auch Grönlands Regierung betonte: „Das Abkommen erkennt Grönlands
       Interessen und unseren Platz in der internationalen Zusammenarbeit an“, so
       Regierungschef Jens-Frederik Nielsen. Es sei von Vorteil für alle.
       
       Erste eingesammelte Reaktionen auf den Straßen von Nuuk fielen noch
       skeptisch aus, der Stachel der Übernahme-Drohungen sitzt tief. „Er darf
       Grönland nicht bekommen“, sagte etwa eine Passantin dem Dänischen Rundfunk
       auch jetzt noch. Aber Korrespondent Bildsøe Lassen war sich sicher: Dass
       diese diplomatische Lösung gefunden wurde, sei für sehr viele in Dänemark
       und Grönland eine Riesenerleichterung.
       
       Details des Abkommens sind noch nicht klar. Sicher ist laut Trump
       zumindest, dass die USA ihre Militärpräsenz auf Grönland mit neuen Basen
       erhöhen werden – und dass es kein Ablaufdatum geben soll, dieser Deal gelte
       für immer. Kommende Woche soll es in Verbindung mit der
       UN-Generalversammlung eine Zeremonie in New York geben, bei der die
       Einigung von allen drei Ländern unterzeichnet wird.
       
       Welche Rechte den USA damit genau eingeräumt werden, muss man im Detail
       noch sehen – Trump erwähnte nicht nur „permanente Kontrolle über die
       Sicherheit“, sondern auch „alle anderen Bedürfnisse“, die mit dem Abkommen
       erfüllt würden. Kein Gegner der USA dürfte von nun ab militärische Präsenz
       in Grönland haben oder dort „sensible Investitionen“ machen ohne die
       schriftliche Erlaubnis der USA. Welcher Gegner der USA nicht auch Gegner
       Dänemarks und Grönlands ist und gegebenenfalls nicht um Erlaubnis fragen
       würde, blieb bei Trumps Worten auf seinem Social-Media-Kanal Truth Social
       unklar. DR-Korrespondent Bildsøe Lassen betonte aber, es handele sich um
       ein Sicherheitsabkommen und beinhalte nicht die anderen einst von den USA
       angesprochenen Grönland-Themen wie die dortige Gesundheitsversorgung.
       
       Inwieweit sich der neue Deal von dem 1951 geschlossenen
       Verteidigungsabkommen zwischen den USA und Dänemark unterscheidet, bleibt
       ebenfalls noch abzuwarten. Aus grönländischer Sicht sticht als zentraler
       Punkt schon jetzt die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der
       Grönländer hervor. Das Recht auf Militärbasen in Grönland haben die USA
       bereits, sie hatten ihre Präsenz dort aber über viele Jahre zurückgefahren.
       
       ## Abkommen statt Besitz und Kontrolle
       
       Auch ohne die Details zu kennen, nennen politische Beobachter in Dänemark
       das neue Abkommen historisch, angesichts der Vorgeschichte. Entscheidend
       sei, dass Trump aufhört davon zu reden, dass er Grönland „haben müsse“.
       [3][Davon, die strategisch wichtig gelegene Insel kaufen zu wollen, hatte
       der US-Präsident erstmals 2019 gesprochen.]
       
       Besitz und Kontrolle seien entscheidend für die USA, sagte Trump auch Ende
       2024. Wiederholte Andeutungen, sich Grönland im Zweifelsfall mit Macht zu
       nehmen, hatten Anfang dieses Jahres für eine international höchst
       angespannte Lage gesorgt. Dänemark und mehrere Nato-Länder schickten
       Soldaten nach Grönland, um zu verdeutlichen, dass man bereit sei, die Insel
       zu verteidigen.
       
       Mitten in dieser Situation waren der dänische Außenminister Lars Løkke
       Rasmussen und die damalige grönländische Ministerin für
       Außenangelegenheiten Vivian Motzfeldt demonstrativ zusammen in die USA
       gereist. Sie erreichten die Einrichtung einer Arbeitsgruppe aller drei
       Länder zur Causa Grönland. Was damals noch von reichlich Unsicherheiten
       umgeben war, scheint am Ende nun zu dem von allen Beteiligten als Erfolg
       gewerteten Ausgang geführt zu haben.
       
       Lars Løkke Rasmussen postete am Samstag ein Bild des damaligen
       Washington-Treffens auf Instagram – es zeigt ihn und Motzfeldt zusammen mit
       US-Vize-Präsident J. D. Vance und US-Außenminister Marco Rubio. „Die
       nächste Woche kann eine gute Woche werden …“, schrieb er dazu, „sowohl für
       Grönland als auch für Dänemark und die USA.“
       
       19 Sep 2026
       
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