# taz.de -- Lückenschluss im Berliner ÖPNV: Fährt die U3 ins Nirgendwo?
       
       > Eigentlich sollte die U3 im Jahr 2030 bis zur S-Bahnhof Mexikoplatz
       > durchfahren. Das wird nichts mehr – aber vielleicht kippt sogar das
       > gesamte Projekt.
       
 (IMG) Bild: Sieht schon nach Arbeit aus, ist aber ein bisschen geschummelt
       
       Der Lückenschluss im Berliner Schienennetz zwischen den Bahnhöfen Krumme
       Lanke (U3) und Mexikoplatz (S1) war jahrzehntelang ein Dauerbrenner auf
       kleiner Flamme. Dann, 2024, beschloss Schwarz-Rot tatsächlich die
       Verlängerung der U3. Und allzu lange würde es schon nicht dauern, 800 Meter
       Tunnel sowie einen U-Bahnhof zu bauen: [1][Auf der Website der BVG ist
       immer noch von einem „Turboprojekt“ die Rede], dessen Bau 2025 starten und
       voraussichtlich 5 Jahre später fertig sein werde. Dann könnten rund 12.000
       Menschen die neue Umsteigemöglichkeit täglich nutzen.
       
       Was 2025 mit dem vermeintlichen ersten Spatenstich startete, [2][war
       freilich nur die Erneuerung einer seit 1929 existierenden und maroden
       „Aufstellanlage“] kurz hinter dem U-Bahnhof Krumme Lanke, in der nachts
       zwei U-Bahn-Züge geparkt werden können – mit dem eigentlichen Projekt hat
       sie nur bedingt zu tun. Nun wirft die Antwort der Verkehrsverwaltung auf
       eine Anfrage von Antje Kapek (Grüne) ein ziemlich düsteres Licht auf die
       Maßnahme. Der verkehrspolitischen Fraktionssprecherin drängt sich „der
       Eindruck auf, dass das Projekt U3-Verlängerung längst tot ist, die CDU
       diese Erkenntnis aber den Menschen kurz vor der Wahl verschweigen möchte“.
       
       Das fängt schon mit dem Zeitplan an: Laut Senatsverwaltung liegt nicht nur
       der Planfeststellungsbeschluss noch nicht vor, der zuständigen Behörde
       fehlen auch noch Dokumente, bevor sie sich überhaupt an die Arbeit machen
       kann. „Nach Aussage der BVG sollen die vollständigen Unterlagen der
       Planfeststellungsbehörde im Laufe des Monats September 2026 vorgelegt
       werden“, heißt es in der Antwort von Verkehrsstaatssekretär Arne Herz.
       Sollte das tatsächlich geschehen, wird es noch Monate dauern, bis die
       Baugenehmigung vorliegt und die Bagger anrollen könnten. Damit verschiebt
       sich die Fertigstellung mindestens auf 2032.
       
       Der eigentliche Grund für Kapeks Skepsis ist aber das Finanzierungskonzept
       der U3-Verlängerung. Das wurde in diesem Frühjahr zwischen dem Land und der
       BVG im Rahmen von Anpassungen des laufenden Nahverkehrsplans vereinbart.
       160 der prognostizierten 330 Millionen Euro für Planung und Bau sollen aus
       dem Infrastruktur-Sondervermögen kommen, der Rest über das
       Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG), mit dem der Bund Investitionen
       der Länder in Verkehrsinfrastruktur fördert.
       
       ## Fraglich, wer’s bezahlt
       
       Nun heißt es in der Antwort der Senatsverwaltung: „Sollte dieses
       Finanzierungskonzept nicht umsetzbar sein, müssen Land und BVG in Gespräche
       darüber eintreten, ob eine Finanzierung im Rahmen der verbleibenden
       verkehrsvertraglichen Finanzierungsinstrumente umsetzbar ist.“ Soll heißen:
       Das Geld aus dem GVFG ist nicht so sicher, wie es einmal schien, und am
       Ende müssten die BVG und somit das Land Berlin selbst tief in die Tasche
       greifen.
       
       Antje Kapek vermutet, dass ein „Trick“ bei der sogenannten
       Nutzen-Kosten-Untersuchung dem Land jetzt auf die Füße fällt: In dieser war
       nämlich eine noch einzurichtende Express-Buslinie zwischen dem Mexikoplatz
       und den Umlandgemeiden Kleinmachnow und Stahnsdorf unterstellt worden.
       Zusätzliche Buslinien bedeuten ein höheres Fahrgastaufkommen, und Kapek
       geht davon aus, dass die Nutzen-Kosten-Rechnung nur dadurch über den
       kritischen Wert gehoben wurde.
       
       Allein: Die Linie X23 gibt es noch immer nicht, und sie ist auch nicht in
       Sicht. Wegen Angebotseinschränkungen des ÖPNV im Landkreis
       Potsdam-Mittelmark und angesichts der Krisen-Strategie „Stabilität vor
       Wachstum“ bei der BVG werde dieses Projekt „derzeit nicht weiterverfolgt“,
       heißt es.
       
       Das Worst-Case-Szenario: Der Lückenschluss gilt wegen zu wenigen Fahrgästen
       nicht mehr als wirtschaftlich, die Millionen vom Bund bleiben aus, das Land
       selbst hat nicht genügend Mittel, und das ganze Projekt wird ad acta
       gelegt. Für Antje Kapek ist damit ein veritabler „Scherbenhaufen“ in Sicht:
       „Die CDU ist mit riesigen Versprechungen zur U-Bahn gestartet, jetzt nach
       drei Jahren Regierungszeit ist nicht mal das vermeintlich einfachste
       Projekt in trockenen Tüchern.“ Die Regierungspartei müsse nun „für Klarheit
       sorgen, ob die U3 jemals kommt“. Vor der Wahl am Sonntag wird das wohl
       nicht mehr geschehen.
       
       18 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bvg.de/de/unternehmen/herzensprojekte/u3-verlaengerung
 (DIR) [2] /Spatenstich-fuer-U-Bahnverlaengerung/!6084091
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Claudius Prößer
       
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