# taz.de -- Regierungskrise in Rumänien: Nächster Versuch
> Siegfried Mureșan, EU-Abgeordneter und Wunschkandidat von Staatschef von
> Nicușor Dan, soll Premier werden. Doch dafür fehlt eine Mehrheit im
> Parlament.
(IMG) Bild: Wunschkandidat Siegfried Mureșan soll dem Land endlich wieder eine handlungsfähige Regierung geben
Die Nominierung des Europaabgeordneten Siegfried Mureșan zum künftigen
Ministerpräsidenten Rumäniens wird die derzeitige Regierungskrise nicht
lösen. In einem neuen Anlauf hatte Staatspräsident Nicușor Dan am
Donnerstag seinen Wunschkandidaten präsentiert – in der Hoffnung, dem Land
endlich wieder eine handlungsfähige Regierung zu geben.
[1][Seit dem Sturz der Regierung des Liberalen Ilie Bolojan durch ein
Misstrauensvotum vor über vier Monaten wird das Land nur noch von einer
interimistischen Exekutive geführt]. Trotz seiner Abwahl blieb Bolojan Chef
einer Rumpfkoalition, aus der die bisherigen Partner der
pseudosozialdemokratischen PSD ausgeschieden waren.
[2][Zusammen mit der rechtsradikalen Allianz für die Vereinigung der
Rumänen (AUR) hatte die PSD im Mai einen Misstrauensantrag gestellt und die
Regierung zu Fall gebracht]. Trotz zahlreicher Konsultationen mit den im
Parlament vertretenen Parteien gelang es Präsident Dan nicht, einen Konsens
herzustellen und mäßigend auf die heillos zerstrittenen Ex-Koalitionäre
einzuwirken.
Die von Bolojan eingeleiteten Austeritätsmaßnahmen zur Sanierung des
Staatshaushalts haben massive Proteste ausgelöst. 76 Prozent der Rumänen
sind mit dem Regierungskurs unzufrieden, nur 17 Prozent halten die
drastischen Reformen für richtig und notwendig. Der seit seinem Amtsantritt
2025 zögerlich agierende Staatspräsident zeigte sich dennoch
zuversichtlich, was die bevorstehende Wahl Mureșans angeht.
## Schlechte Arithmetik
Dabei ist offensichtlich, dass dieser die erforderlichen 233 Stimmen im
Parlament nicht erreichen wird. Die liberale PNL Bolojans käme mit der
neoliberalen USR und dem Demokratischen Verband der Rumänienungarn (UDMR)
lediglich auf 169 Stimmen, während die PSD und die rechtsradikale AUR mit
zusammen 218 Mandaten eine Wahl Mureșans bequem verhindern können.
Dass diese Arithmetik in der Abstimmung noch schlechter ausfallen könnte
als gedacht, zeigten die ersten Reaktionen nach der Bekanntgabe des
designierten Premiers – eines 44-jährigen Wirtschaftsfachmanns, der bereit
wäre, auf sein Mandat im EU-Parlament zu verzichten.
Aus Kreisen der Liberalen war zu hören, der Staatspräsident habe
eigenmächtig gehandelt und nicht den von der Partei bevorzugten Kandidaten
nominiert. Der Ungarnverband kündigte an, den vorgeschlagenen Kandidaten
nur unter der Bedingung zu wählen, dass dieser nicht mithilfe der Stimmen
der rechtsradikalen AUR ins Amt gehievt würde. Bezeichnenderweise
verschwieg der Vorsitzende des Verbandes, dass es der liberalen PNL
Bolojans in den vergangenen Monaten gelungen war, neun rechtsradikale
Abgeordnete zum Übertritt zu bewegen.
Ob sich diese Überläufer in lupenreine Demokraten verwandelt haben, sei
dahingestellt. Als stärkste Parlamentsfraktion mit 126 Mandaten lehnte die
PSD die Nominierung ab und erhob selbst Anspruch auf das Amt des
Regierungschefs. Die AUR verschärfte ihre nationalistische
Ablehnungsrhetorik und postete in den sozialen Netzwerken die Botschaft:
„Wir wählen weder Deutschland noch Frankreich oder die Rosen, sondern
Rumänien.“ Mit den „Rosen“ sind die Sozialdemokraten gemeint, deren
Parteisymbol ein Rosenstrauß ist.
Gleichzeitig erklärten mehrere Vertreter der AUR, die in Umfragen bei 40
Prozent liegt und als populärste Kraft des Landes gilt, dass sie in einer
künftigen Regierung vertreten sein müsse.
Ein Einreißen der Brandmauer, an der alle Parteien der Mitte festhalten,
ist nicht in Sicht. Auch Präsident Dan steht für eine politische Isolierung
der AUR, obwohl er sich in den vergangenen Monaten zunehmend einer
völkischen Rhetorik bedient und offen von einem „gesunden Nationalismus“
spricht. Von vorgezogenen Neuwahlen, von denen nun einige sprechen, könnte
letztlich nur die AUR profitieren. Sie könnte zur stärksten Partei des
Landes aufsteigen.
18 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) William Totok
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