# taz.de -- Streit um Online-Glücksspiel vor dem BGH: Spielverluste können zurückverlangt werden
> Weil Onlinecasinos illegal waren, können Spieler ihre Verluste bei den
> Veranstaltern einklagen. Der Bundesgerichtshof ist bereit zu helfen.
(IMG) Bild: Der Glücksspielbranche droht vor Gericht zu verlieren
Onlineglücksspieler können ihre bis 2021 entstandenen Verluste vermutlich
bald von den Veranstaltern zurückholen. Das zeichnete sich an diesem
Donnerstag in einem Leitverfahren beim [1][Bundesgerichtshof (BGH)] ab. Es
geht insgesamt um Milliardensummen.
Im konkreten Fall hatte ein Spieler aus Baden-Württemberg in den Jahren
2020 und 2021 bei Onlineautomatenspielen des Anbieters Tipico Verluste von
rund 10.000 Euro erlitten. Diese Verluste versucht er mithilfe eines
Prozessfinanzierers von Tipico zurückzuerlangen.
Das Oberlandesgericht Stuttgart gab ihm im September 2025 recht. Weil
Onlineglücksspiele bis 2021 in Deutschland verboten waren, seien
entsprechende Glücksspielverträge nichtig gewesen und die Veranstalter
müssen die Verluste der Spieler erstatten.
## Tipico zog vor das BGH
[2][Tipico] ging dagegen in Revision zum BGH. Das Unternehmen, das zwar in
Deutschland gegründet wurde, inzwischen aber auf Malta sitzt, berief sich
auf seine maltesische Glücksspiellizenz. Das OLG Stuttgart habe die
EU-Dienstleistungsfreiheit verletzt.
Im April 2026 hat allerdings der [3][Europäische Gerichtshof (EuGH)] in
einem anderen Fall entschieden, dass das deutsche Verbot von
Onlineglücksspielen nicht gegen die Dienstleistungsfreiheit verstößt. Denn
das Glücksspielrecht sei in der EU nicht vereinheitlicht, sodass EU-Staaten
selbst entscheiden können, wie sie vor Spielsucht schützen.
Bei der Verhandlung des BGH an diesem Donnerstag ging es vor allem um die
Frage, ob deutsche Gerichte für den Fall zuständig sind. Der BGH will dies
bejahen, da es sich um einen Verbraucherschutzfall handelt. Dann kann am
Wohnort des Klägers geklagt werden.
## Urteil kommt erst in ein paar Monaten
Tipico-Anwalt Thomas Winter hält den Kläger jedoch nicht für
schutzbedürftig, da er seine Klage ja an einen Prozessfinanzierer
abgetreten habe. Matthias Siegmann, der Kläger-Anwalt, sah darin aber
gerade ein Indiz für die Schutzbedürftigkeit des Klägers: „Er ist darauf
angewiesen, dass ihm der Prozess finanziert wird.“
Der BGH will erst in einigen Monaten sein Urteil verkünden. Die Karlsruher
Richter warten noch auf den Ausgang eines weiteren EuGH-Verfahrens. Seit
Juli 2021 gibt es auch in Deutschland Lizenzen für Onlineglücksspiele.
17 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Maskenbeschaffung-vor-Gericht/!6213640
(DIR) [2] /Schutz-Jugendlicher-vor-Sportwetten/!6185624
(DIR) [3] /Lobbyismus-am-Europaeischen-Gerichtshof/!6191704
## AUTOREN
(DIR) Christian Rath
## TAGS
(DIR) Glücksspiel
(DIR) BGH
(DIR) Zypern
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) In-Game-Käufe und Lootboxen: Vom Computerspiel zur Spielsucht?
Der niedersächsische Landtag knöpft sich „Lootboxen“ vor – auch wenn das
Prinzip in der Sitzung erst erklärt werden muss: kaufen auf gut Glück.
(DIR) Illegales Glücksspiel: Großrazzia bei Sportwettenanbieter
Unter anderem wegen des Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung
waren am Donnerstag 900 Beamte im Einsatz. Der Schwerpunkt lag auf Köln.
(DIR) Psychotherapeut über Broker: "Viele haben Spielsuchtprobleme"
Während die Finanzkrise immer dramtischere Ausmaße annimmt, gibt es die
ersten Suizide abgestürzter Broker. Psychotherapeut Gross über Gier und
Rausch in der Finanzwelt.