# taz.de -- Gewalt unter Eritreern in Deutschland: Zwei eritreische Regierungsgegner in Untersuchungshaft
       
       > Der Generalbundesanwalt ermittelt gegen zwei eritreische Männer in
       > Deutschland. Ihnen wird Mitgliedschaft in der Brigade N’Hamedu
       > vorgeworfen.
       
 (IMG) Bild: Zusammenstöße zwischen Polizei und Protestierenden beim Eritrea-Festival 2023 in Gießen
       
       Mitgliedschaft in einer inländischen terroristischen Vereinigung – so
       lautet der Tatvorwurf der Bundesanwaltschaft gegen zwei eritreische Männer
       in Deutschland. Das ganz große Besteck des Strafrechts also. Hierauf steht
       eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Die Männer aus Stuttgart und dem
       Saarland, einer deutscher, einer eritreischer Staatsangehöriger, wurden am
       Dienstag dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof zugeführt. Der
       setzte die von der Bundesanwaltschaft beantragten Haftbefehle um, wie die
       Behörde mitteilte.
       
       Die Männer waren nach Erkenntnis der Behörde Vorsitzender und
       Generalsekretär des [1][deutschen Ablegers der Brigade N’Hamedu]. Das ist
       eine weltweit tätige Organisation, die sich den Sturz der Regierung in
       Eritrea auf die Fahnen geschrieben hat.
       
       Eritrea gilt als eine der brutalsten Diktaturen weltweit. Fast 2 Millionen
       Menschen aus dem kleinen Land am Horn von Afrika leben im Ausland. Zum
       Vergleich: Die Einwohnerzahl beträgt nur 3,7 Millionen.
       
       Die Geflüchteten riskieren ihr Leben, um dem militärischen Zwangsdienst zu
       entkommen, der nach Einschätzung der UN alle Merkmale von Sklaverei erfüllt
       – mit Ausnahme des Kaufs und Verkaufs der Sklaven auf dem Markt. Der Dienst
       ist für Männer ab dem 18. Lebensjahr unbefristet. Für Frauen endet er mit
       der ersten Schwangerschaft.
       
       ## In Eritrea gab es seit der Unabhängigkeit nie nationale Wahlen
       
       Ein Geflüchteter erzählt der taz: „Wir mussten am Tag hart in einem
       Steinbruch arbeiten und nachts auf dem Boden schlafen, ohne Decken. Neben
       mir sind die Männer an Hunger und Krankheiten gestorben oder sie wurden auf
       der Flucht erschossen.“ In Eritrea gab es seit der Unabhängigkeit des
       Landes 1993 nie nationale Wahlen, es gibt weder Presse- noch
       Meinungsfreiheit noch eine unabhängige Justiz. Die Bedingungen in den
       Gefängnissen gehören zu den schlimmsten weltweit.
       
       Ins Visier der deutschen Ermittler geriet die Brigade N’Hamedu, weil sie
       bei ihrem Kampf gegen das menschenverachtende eritreische Regime auch in
       Deutschland Gewalt anwendet. Das war der Fall bei [2][Festivals von
       Anhängern des eritreischen Regimes] 2022 und 2023 in Gießen und bei einem
       Seminar dieser Anhänger 2023 in Stuttgart.
       
       Zu den Veranstaltungen wurden ranghohe Militärs und Politiker aus Eritrea
       eingeflogen. Den Kritikern zufolge wurde dort auch unter in Deutschland
       lebenden Eritreern für den Militärdienst geworben und Gelder für das Regime
       gesammelt, was die Veranstalter selbst bestreiten.
       
       Laut Bundesanwaltschaft riefen Funktionäre der Brigade N'Hamedu dabei zu
       potenziell tödlicher Gewalt auf. Zum Teil schwer verletzt wurden vor allem
       deutsche Polizisten, die die Veranstaltungen schützten und von den
       Anhängern der Brigade deshalb als Unterstützer der Diktatur in Eritrea
       wahrgenommen wurden.
       
       Die beiden festgenommenen Männer sollen maßgeblich an dem Aufbau der
       Strukturen der Brigade N’Hamedu in Deutschland sowie an der Organisation
       der gewaltsamen Aktionen beteiligt gewesen sein. Einer der Männer soll an
       den Ausschreitungen direkt beteiligt gewesen sein, ihm wird auch
       Landfriedensbruch vorgeworfen. Im Sommer 2024 hatte die Brigade N’Hamedu
       Deutschland laut Bundesanwaltschaft verkündet, künftig auf Gewalt außerhalb
       Eritreas zu verzichten.
       
       ## Die Ermittler in Deutschland gehen lediglich gegen die Gegner der
       eritreischen Regierung vor
       
       Im Kontext der Ermittlungen gegen die Gruppe hatte die Bundesanwaltschaft
       im [3][März 2025 19 Objekte in 6 verschiedenen Bundesländern durchsucht],
       auch die Wohnungen der beiden jetzt festgenommenen Männer. Damals gerieten
       allerdings nach Erkenntnissen der taz auch zwei Frauen um die 60 Jahre ins
       Visier der Ermittler, die lediglich friedlich verlaufende Demonstrationen
       gegen das Regime angemeldet und organisiert hatten. Eine dieser Frauen
       musste nach der Durchsuchung ihrer Wohnung in einem Krankenhaus behandelt
       werden.
       
       Die Münchener Rechtsanwältin Rita Drar vertritt einen Mann, bei dem damals
       ebenfalls eine Hausdurchsuchung stattfand und der inzwischen wegen schweren
       Landfriedensbruchs zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Er hatte an den
       gewaltsamen Protesten in Stuttgart teilgenommen. Die Anwältin kritisiert,
       dass die Ermittler in Deutschland lediglich gegen die Gegner der
       eritreischen Regierung vorgehen, nicht aber gegen ihre Anhänger.
       
       „Es wird unter den Teppich gekehrt, dass die Regierungsanhänger unter dem
       Deckmantel der Kultur Feste feiern und dabei Gelder für das international
       sanktionierte Regime sammeln“, sagt sie der taz. „Hier gibt es durchaus
       Anhaltspunkte für Straftaten, da sollten die Ermittler mal genauer
       hinschauen.“
       
       Eritrea unterhält in der Diaspora eine Schlägertruppe namens Eri-Blood.
       Eine Studie des niederländischen Außenministeriums von 2017 schreibt ihr
       europaweit Straftaten zu, zum Beispiel Brandstiftungen. In Deutschland
       hingegen gestalten sich die Ermittlungen schwierig.
       
       Der taz liegen Berichte von zwei eritreischen Regierungsgegnern vor, die
       nach eigenen Angaben in Deutschland von Regierungsanhängern geschlagen
       wurden. Sie hatten Strafanzeige gestellt, die Ermittlungen wurden aber
       eingestellt. Ihre Namen sollen nicht in der Zeitung veröffentlicht werden.
       
       Der Videojournalist Joachim Schäfer, der kritisch über eritreische
       Regimeveranstaltungen berichtet, sagt, er sei zweimal von Schlägern des
       Regimes beim Filmen angegriffen worden. Einmal sei er fast mit dem Auto
       überfahren worden.
       
       17 Sep 2026
       
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