# taz.de -- Kosovo-Sondertribunal in Den Haag: Ein Stück später Gerechtigkeit
> Das Urteil gegen Ex-Präsident Hashim Thaçi löst im Kosovo scharfe Kritik
> aus. Es könnte aber langfristig ein positives Signal für die Zukunft
> sein.
(IMG) Bild: Niemand ist über das Gesetz erhaben, vorallem keine Kriegsverbecher*innen
Das unsägliche Erbe der Jugoslawien-Kriege wirkt bis heute nach, von einer
Aufarbeitung der Vergangenheit kann keine Rede sein. Das war Ende August
rund um den Tod des früheren bosnisch-serbischen Generals und verurteilten
[1][Kriegsverbrechers Ratko Mladić] zu beobachten.
[2][Tausende Serb*innen huldigten ihrem „Helden“]. Auch die
Serbisch-Orthodoxe Kirche segnete ihren verdienten „Gotteskrieger“, was
sogar im Nachbarland [3][Montenegro] zu politischen Verwerfungen führte.
Wohlgemerkt: Mladić zeichnet für das Massaker in Srebrenica 1995 mit über
8.000 Toten verantwortlich, während Serbien unter dem rabiat
durchregierenden Staatschef Aleksandar Vučić in der Warteschleife für einen
EU-Beitritt steht. Passt das zusammen? Wohl kaum.
Auch der Urteilsspruch des Den Haager Kosovo-Sondergerichts vom Mittwoch
dürfte einen Dialog zwischen Serbien und dem Kosovo aktuell kaum befördern,
sondern eher weiter spalten und polarisieren. Hashim Thaçi, Ex-Präsident
des Kosovo und gern gesehener Gast westlicher Politiker*innen, sowie drei
frühere Kommandeure der Kosovarischen Befreiungsarmee UÇK wurden wegen
Kriegsverbrechen erstinstanzlich zu hohen Haftstrafen verurteilt. Viele
Albaner*innen, nicht nur im Kosovo, schäumen – fühlen sich doch nicht
wenige von ihnen ausschließlich als Opfer der nationalistischen
Repressionsmaschine eines Slobodan Milošević.
Doch „saubere“ Krieg gibt es nicht, Täter und Opfer auf beiden Seiten
hingegen sehr wohl. Und bekanntermaßen ist es immer die Zivilbevölkerung,
die die höchste Zeche zahlt. Zu prüfen, ob und welcher Verbrechen sich
Thaçi und die drei Mitangeklagten schuldig gemacht haben, das war der
Arbeitsauftrag des Gerichts.
Serb*innen, die Angehörige verloren haben oder über deren Schicksale auch
nach Jahrzehnten immer noch im Unklaren sind, dürften die Urteile als ein
Stück Gerechtigkeit interpretieren, das ihnen zuteilgeworden ist. Das
könnte vielleicht ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft sein: Schon jetzt
gibt es – wenn auch nur wenige – Vertreter*innen beider Seiten, die an
einer Aussöhnung arbeiten. Doch der Weg dorthin wird schmerzhaft sein und
sehr, sehr lang.
16 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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(DIR) Hashim Thaci
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