# taz.de -- Die Wahrheit: Blutwürste in Damenstrumpfhosen
> Unter den seltsamen britischen Sportarten ist das Black-Pudding-Werfen in
> Lancashire eine der seltsamsten.
Am gestrigen Sonntag flogen in England wieder Blutwürste durch die Luft.
Jedes Jahr am zweiten Sonntag im September findet nämlich in der englischen
Stadt Ramsbottom in der Grafschaft Lancashire die Weltmeisterschaft in
einer dieser vielen sonderbaren englischen Sportarten statt: dem
Blutwurstwerfen. Auf Englisch heißt die Speise „Black Pudding“, was
irreführend ist, denn es handelt sich keineswegs um einen süßen Nachtisch.
Jeder kann bei dem Wettbewerb mitmachen. Die Teilnehmer kommen aus allen
Ecken der Welt, manche reisen aus den Vereinigten Staaten, aus Australien,
Sri Lanka und der Türkei an, und voriges Jahr nahm ein japanischer
Fernsehstar an der Veranstaltung teil.
Gegen eine Teilnahmegebühr von einem Pfund erhält man drei Blutwürste, die
in Damenstrumpfhosen eingewickelt sind, damit sie nicht auseinanderfallen.
Das ist die Munition, mit der man auf zwölf Yorkshire-Puddings zielt, die
auf einem sechs Meter hohen Gerüst platziert sind. Dabei handelt es sich
ebenfalls um keine Süßspeise, sondern um ein trockenes, brotartiges Gebäck,
das normalerweise zum Sonntagsbraten serviert, aber nur selten auch
gegessen wird.
## Wurfgeschosse mit Tierleid
Die Tierrechtsorganisation Peta verlangt, dass die Blutwürste durch vegane
Alternativen ersetzt werden. Sie hat sich bereiterklärt, die Kosten für
„tierleidfreie“ Wurfgeschosse zu übernehmen. Sie will auch die Kohlköpfe
als Alternative zu den Fischen beim walisischen Makrelenfest sowie für die
Heuballen als Alternative zum Käse beim Cheese-Rolling in Gloucestershire
bereitstellen.
Die Blutwurst-Meisterschaft gibt es seit 1984, aber angeblich geht die
Veranstaltung auf die Rosenkriege im 15. Jahrhundert zurück. Damals
kämpften zwei rivalisierende Nebenlinien des Königshauses Plantagenet um
die Herrschaft über den englischen Thron: das Haus York mit der weißen Rose
und das Haus Lancaster mit der roten Rose im Wappen.
Während einer Schlacht in Stubbins in Lancashire im Jahr 1455 ging den
Soldaten beider Seiten angeblich die Munition aus. So bewarfen sie sich
laut der Legende gegenseitig mit Lebensmitteln, wobei jede Seite ihre
lokale Spezialität schleuderte: Black Pudding aus Lancashire und
Yorkshire-Pudding aus Yorkshire. Am Ende besiegte Henry Tudor aus
Lancashire seinen Rivalen Richard III. aus Yorkshire in der Schlacht von
Bosworth Field im Jahr 1485. Anschließend heiratete er Elisabeth von York,
um die beiden Lager zu vereinen und die Tudor-Dynastie zu begründen.
Könnte das nicht ein Vorbild für die Rivalität zwischen Markus Söder und
Friedrich Merz sein? Die beiden könnten sich auf einer Wiese am 49.
Breitengrad, der Kulturgrenze zwischen Altbayern und dem übrigen
Deutschland, treffen – der eine bewaffnet mit Weißwürsten, der andere mit
Potthucke, einem Kartoffelkuchen aus dem Hochsauerland. Am Ende heiraten
beide und adoptieren Jens Spahn.
14 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Ralf Sotscheck
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