# taz.de -- Mutmaßlicher Stromnetz-Saboteur: 160 Ziele in Deutschland
> Nach der Festnahme von Daniel V. übernimmt die Bundesanwaltschaft die
> Ermittlungen. Der Verdächtige soll allein hinter den Angriffen auf das
> Stromnetz stecken.
(IMG) Bild: NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) äußert sich zur Festnahme des Verdächtigen Daniel V. im Zusammenhang mit Sabotage am Stromnetz
Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den Mann übernommen, der
als Alleintäter hinter der Anschlagsserie auf das deutsche Stromnetz
stecken soll. Gegen den „deutschen Staatsangehörigen Daniel V.“ bestehe
„der Verdacht der versuchten und vollendeten verfassungsfeindlichen
Sabotage sowie der versuchten und vollendeten Störung öffentlicher
Betriebe“, teilte [1][eine Sprecherin von Generalbundesanwalt Jens Rommel
am Donnerstagabend mit]. Auf das erste Delikt stehen bis zu fünf Jahre
Haft, auf das zweite [2][bis zu zehn Jahre].
Der 48 Jahre alte Verdächtige saß nach seiner Festnahme am Dienstag
zunächst in Untersuchungshaft in Aachen. Nun soll er dem Ermittlungsrichter
des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt werden. Wann das geschieht,
sei aber „noch unklar“, sagte Ines Peterson, Oberstaatsanwältin beim
Bundesgerichtshof, der taz am Freitagvormittag.
In Bekennerschreiben hatte Daniel V. zuvor die Verantwortung für Attacken
auf ein Umspannwerk nahe des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde in
Südbrandenburg übernommen. Das erste, mit einem Poststempel aus
Nordrhein-Westfalen [3][versehene Schreiben ging bei der taz] ein. Danach
erreichten ähnliche Briefe auch die Polizei und andere Redaktionen.
„Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen, das
unsägliches Leid nach sich zieht“, heißt es darin.
Die Schreiben beschrieben außerdem detailliert selbstgebaute
Abschussvorrichtungen aus Rohren, Stäben, Silvesterraketen und
Zeitschaltern. Damit sollten dünne Drahtseile auf Hochspannungsleitungen
geschossen werden. Über die so entstehende Verbindung zur Erde sollten
Kurzschlüsse ausgelöst werden. Gelungen sein soll das laut
Bundesanwaltschaft „im Bereich der Umspannwerke Turnow-Preilack
(Brandenburg) und Bergheim-Rheidt (Nordrhein-Westfalen)“. An den
Braunkohlestandorten Jänschwalde in Brandenburg sowie Niederaußem und
Neurath in Nordrhein-Westfalen wurden daraufhin mehrere Kraftwerksblöcke
heruntergefahren. Zu größeren Stromausfällen kam es aber nicht.
## Bodycams zeigen die Festnahme
Völlig unklar bleibt, warum Daniel V. in den Briefen an die taz und die
Polizei seinen vollen Namen und seine Meldeadresse genannt hat. Für
Bekennerschreiben ist das sehr ungewöhnlich. Ausgelöst wurde dadurch eine
tagelange Großfahndung, an der rund 1.700 Polizist:innen beteiligt
waren und bei der auch der Hambacher Wald nahe des riesigen rheinischen
Braunkohletagebaus Hambach durchkämmt wurde. Allerdings blieb [4][die
Suche] in dem Wald, wo noch immer [5][Aktivisten mit Dauermahnwachen gegen
die Umweltzerstörung durch den Braunkohleabbau protestieren], zunächst
erfolglos.
Festgenommen wurde Daniel V. am Dienstagmorgen eher zufällig. Zwei
Autobahnpolizisten fiel platt getretenes Gras auf, das bei Weisweiler im
rheinischen Braunkohlerevier westlich von Köln von einem Feldweg 200 Meter
in ein Gebüsch führte, erklärte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert
Reul (CDU) vor dem Innenausschuss des Landtags. Die Polizisten waren
eigentlich gar nicht an der Fahndung nach dem Mann beteiligt, „haben aber
genau den richtigen Spürsinn gezeigt“, lobte Reul.
Daniel V. habe sich in dem Gebüsch in einem von Polizeihubschraubern nicht
sichtbaren, gut getarnten Zelt versteckt, so der Innenminister. Ein von der
Polizei mittlerweile veröffentlichtes, mit den Bodycams der Polizisten
aufgenommenes Video zeigt, wie die Beamten mit gezogener Pistole auf Daniel
V. zugehen. Dieser ließ sich daraufhin offenbar widerstandslos festnehmen.
Was die Polizisten dem Verdächtigen dabei zuriefen und wie Daniel V.
reagierte, ist allerdings nicht zu hören – das veröffentlichte Video hat
keine Tonspur, zu sehen sind nur Bilder.
Die Ermittlungsbehörden gehen bisher offenbar davon aus, dass Daniel V.
allein für die Anschlagsserie verantwortlich ist. CSU-Bundesinnenminister
Alexander Dobrindt sprach von mutmaßlichem „Klimaterrorismus“ eines
Einzeltäters. „Wir haben nicht nur den mutmaßlichen Täter der Anschläge
gefasst, sondern damit womöglich immer weitere Anschläge verhindert“,
erklärte auch NRW-Innenminister Reul vor dem Innenausschuss des
Düsseldorfer Landtags.
## Notizbuch in Wohnmobil gefunden
Schließlich sei im Wohnmobil von Daniel V., einem in der Nähe des Hambacher
Walds gefundenen alten Mercedes, ein Notizbuch mit handschriftlichen
Angaben zu mehr als 160 bisherigen und möglichen weiteren Sabotagezielen
entdeckt worden. Außerdem seien nach Hinweisen des Verdächtigten allein in
NRW mehr als 40 Abschussvorrichtungen für Raketen gefunden worden.
„Der war immer noch unterwegs und wollte weitermachen. Dieses Spiel ist
heute beendet worden“, sagte Reul am Tag der Festnahme. „Im Moment spricht
alles dafür, dass es ein Einzeltäter und alles aus seiner Hand war.“
Auffällig bleibt aber, dass die Anschlagsserie auf das Stromnetz genau in
der Woche begann, in der die Bundesregierung Russland für die
Drohnenangriffe auf den Leipziger Flughafen Anfang August verantwortlich
gemacht hat. Russland und die Bundesrepublik überziehen sich seitdem mit
Sanktionen: So werden etwa das russische Generalkonsulat in Bonn [6][und
das „Russische Haus“ in Berlin geschlossen].
Allerdings beschreibt sich der Verfasser in dem Daniel V. zugerechneten
Bekennerschreiben an die taz selbst als Einzeltäter: Er habe allein
gehandelt, heißt es darin – „ohne jemals jemandem davon erzählt zu haben“.
Er schreibe dies, weil er befürchte, dass die Taten sonst der „linken
Szene“ zugeschrieben würden. „Die ham da nix mit zu tun.“
Auch die mehr als 80 Jahre alte Mutter des Verdächtigten, mit der die taz
nach Eingang des Bekennerschreibens an ihrem [7][Wohnort Gevelsberg am Rand
des südlichen Ruhrgebiets] ausführlich persönlich sprechen konnte, traut
ihrem Sohn die Taten offenbar zu: Daniel V., der über ein abgeschlossenes
Medizinstudium verfügt, dann aber als Gitarrenbauer arbeitete und zuletzt
arbeitslos war, sei sehr talentiert und technisch interessiert, sagte sie –
und verfüge gerade in Umweltfragen über ein großes Gerechtigkeitsempfinden.
11 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.generalbundesanwalt.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/Pressemitteilung-vom-10-09-2026.html?nn=478184
(DIR) [2] https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__316b.html
(DIR) [3] /Bekennerschreiben-zu-Anschlag-in-Jaenschwalde-aufgetaucht/!6209920
(DIR) [4] /Attacken-auf-Kraftwerke/!6211474
(DIR) [5] /Besetztes-Waldstueck-am-Tagebau-Hambach/!6130624
(DIR) [6] /Sabotage-und-Anschlaege/!6206573
(DIR) [7] /Spezialkraefte-durchsuchen-Wohnhaus-in-Gevelsberg-Wo-ist-Daniel-V/!6206505
## AUTOREN
(DIR) Andreas Wyputta
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