# taz.de -- Die Wahrheit: Berliner Krach um Krach
       
       > Vor den Wahlen in der Hauptstadt gibt es wie gewohnt bei den Parteien und
       > Politikern ganz großes Tennis und jetzt sogar noch größeres Basketball.
       
       Der Erfolg der voreilig totgeglaubten Partei Die Linke in Berlin wird –
       neben ihrem engagierten Antisemitismus, der in Deutschland ja traditionell
       immer gut ankommt und ordentlich Stimmen bringt – besonders auf ihren
       eifrigen Haustürwahlkampf zurückgeführt. Ob SPD-Spitzenkandidat Steffen
       Krach da etwas missverstanden hat?
       
       Jedenfalls hat er gerade, anderthalb Wochen vor der Wahl, eine
       Hausdurchsuchung gehostet, wie man heute so schön sagt. Wegen
       Korruptionsvorwürfen. In anderen Städten würde das womöglich zu allerlei
       Empörung oder Rücktrittsforderungen führen, in Berlin aber ist man
       Schlimmeres gewohnt.
       
       Seine Vorgängerin in der Partei hat ihre Doktorarbeit abgeschrieben, ihr
       Mann Privattrips als behördliche Dienstreisen abgerechnet –
       Clankriminalität ist in der Hauptstadt eben einer der prosperierenden
       Wirtschaftszweige. Man darf sie nur nicht so nennen, wegen irgendwas mit
       Diskriminierung, sonst wird man zum Rücktritt gedrängt wie der ehemalige
       Neuköllner SPD-Bürgermeister Martin Hikel.
       
       Weil die eigene Personaldecke damit allmählich arg ausgedünnt war, hat die
       Berliner SPD also auf den Zuzug von Fachkräften gesetzt und ihren
       Spitzenkandidaten Krach aus dem Ausland importiert. Da hätte sie lieber mal
       auf jemanden aus Syrien oder der Ukraine setzen sollen, stattdessen haben
       sie den Mann aus Hannover geholt, dem finsteren Reich von Gerhard Schröder,
       Carsten Maschmeyer und den Scorpions.
       
       ## Pannen allüberall
       
       Schließlich galt es, der CDU etwas Ebenbürtiges an Vetternwirtschaft und
       Schmierigkeit entgegenzusetzen, deren kurze Regierungszeit seit der wegen
       allerlei Pannen vor gar nicht so langer Zeit wiederholten letzten Wahl
       nicht nur von einem absurden Krieg gegen Radfahrer geprägt war, sondern
       auch von dermaßen vielen Skandalen, dass sie gar nicht in diese kurze
       Kolumne passen, weshalb sie wenige Wochen vor dem Urnengang den Regierenden
       Kai Wegner als Spitzenkandidat noch hurtig auswechseln musste. Was
       vielleicht ganz gut ist, weil man ihm so vermutlich noch die Verantwortung
       für den jüngst aufgeflogenen Super-Datenklau bei der Senatsverwaltung in
       die Tennisschuhe schieben kann.
       
       Weil Wegner seiner sportlichen Linie treu blieb – nachdem er schon während
       des größten Blackouts seit dem Krieg lieber Tennis spielen war, mit seiner
       Partnerin, die zufällig auch Bildungssenatorin ist –, wohnte er nun einem
       Basketballspiel bei, während Erpresser terabyteweise vertrauliche
       Informationen über die Insassen der Stadt veröffentlichten. Die Aufregung
       darüber hält sich aber ebenfalls in Grenzen, in Berlin sind wir es gewohnt,
       die Dinge pragmatisch zu sehen. Wenn ich mal wieder ein Passwort vergessen
       habe, brauche ich zukünftig nur im Darknet nachzuschauen. Praktisch!
       
       Aber wegen all dem AfD wählen? Das beantworten wir einfach mit einem Plakat
       der Grünen: „Mit Faschisten reden? Nur vor Gericht!“
       
       11 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Heiko Werning
       
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