# taz.de -- Schulpflicht wird nicht mehr kontrolliert
> Weil Schulbegleitungen fehlten, legte eine Hamburger Sonderschule Eltern
> nahe, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Dann kam eine Anweisung der
> Schulbehörde
(IMG) Bild: Für manche Hamburger Kinder steht der Rollstuhl derzeit zu Hause statt im Klassenraum
Von Kaija Kutter
Hamburgs Linksfraktion erklärte jüngst: „Diese Senatorin ist eine
Fehlbesetzung!“, und zeigte ein Foto von Schulsenatorin Ksenija Bekeris
(SPD). Anlass waren [1][Berichte des NDR], denen zufolge Sonderschulen
ankündigt hatten, die Schulpflicht behinderter Kinder nicht mehr zu
kontrollieren, da nach [2][Kürzung der Schulbegleitung] deren Sicherheit
nicht mehr gewährleistet sei. „Das ist nicht hinnehmbar“, sagte
[3][Linken-Fraktionschef David Stoop].
Auch der taz liegt ein Brief vom 19. August vor, in dem die Schulleitung
der Schule Kielkamp erklärt, dass ihr die Situation „große Sorge“ bereite.
Denn die Altonaer Schule für Kinder mit Förderschwerpunkt geistige
Entwicklung hatte nach den Ferien gut ein Drittel weniger
Schulbegleitungsstellen bewilligt bekommen – und selbst von diesen waren
längst nicht alle besetzt.
„Für den Start ins neue Schuljahr bedeutet dies aktuell, dass der Großteil
der Klassen mit nur einer Assistenzkraft auskommen muss“, schrieb die
Schulleitung. Unter diesen Bedingungen verstehe man, wenn Eltern „Sorge
haben, ihr Kind in die Schule zu schicken“, so der Brief weiter. „Wir
können nicht grundsätzlich die Schulpflicht aufheben, werden diese aber
nicht kontrollieren, solange die Bedingungen sich nicht deutlich bessern.“
Ähnliches passierte an der Sonderschule Bekkamp, wie der dortige Elternrat
in einem Brandbrief schrieb. Dort habe die Behörde zwar nachträglich mehr
Schulbegleitung bewilligt, jedoch zu spät, um rechtzeitig neue Kräfte zu
haben. „Das Ergebnis davon ist, dass wir Eltern gefragt wurden, ob wir
unsere Kinder, wenn sie einen intensiven Pflegebedarf haben, zu Hause
betreuen wollen.“
Für die Linke ist das nicht akzeptabel. „Die Senatorin hat noch in den
Sommerferien [4][stumpf behauptet], dass jedes Kind mit Behinderung nach
den Ferien selbstverständlich zur Schule gehen könne“, sagte deren
Inklusionspolitiker Thomas Meyer. Jetzt sei genau das eingetreten, wovor
Schulen und Eltern gewarnt hätten: „Kinder mit Behinderung sind vom
Unterricht ausgeschlossen.“
[5][Schulsenatorin Bekeris] reagierte mit einer [6][Pressemitteilung].
Selbstverständlich müssten alle Schulen den Unterricht aller Kinder
sicherstellen, hieß es darin. „Wir waren mehr als irritiert über Aussagen
einzelner Schulen, dass dies nicht gewährleistet sei, und haben die Schulen
angewiesen, die Teilnahme sicherzustellen.“ Dies hätten die Schulleitungen
auch „zugesagt“.
„Eine Anweisung schafft kein zusätzliches Personal“, konterte daraufhin der
[7][Kreiselternrat der Sonderschulen]. Auch der Elternrat der Schule
Kielkamp reagierte mit einer Stellungnahme. Aktuell stünden der Schule 13
FSJ-Kräfte und etwa 23 sozial erfahrene Schulbegleitungskräfte weniger zur
Verfügung als vor den Ferien. Die Mitarbeiter der Schule zeigten höchsten
Einsatz, doch die Unterbesetzung führe zu weiteren Krankheitsfällen und
setze eine gefährliche Spirale in Gang. „Dass die Schulleitung in ihren
Elternbriefen deutlich auf die gefährliche Lage hinweist, unterstützen wir
Eltern ausdrücklich.“
Nicht nur an den Sonderschulen kommt es zu Problemen, weil
Schulbegleitungsstellen fehlen oder nicht besetzt sind. „An unserer Schule
ist am Freitag ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf, dessen
FSJ-Stelle aufgrund der momentanen Situation nicht besetzt ist, von der
Schule weggelaufen“, berichtet Susanna Wamala vom Elternrat der Grundschule
Rellinger Straße. Dabei sei es zu einem Polizeieinsatz gekommen. „Das Kind
wurde einige Straßen weiter gefunden und war zum Glück unverletzt.“
„Während einige mutig um Ressourcen kämpfen, geben andere den behördlichen
Druck nach innen an die Kinder weiter“, berichtet der Vater eines
autistischen Jungen. Sein Sohn sei vergangene Woche vorläufig vom
Unterricht beurlaubt worden, nachdem es bei ihm, als er unbetreut auf dem
Schulgelände war, zu einem „Meltdown“, einem impulsiven Ausbruch kam. Auch
für ihn war zuvor die Schulbegleitung reduziert worden. Das Kind ist nun zu
Hause.
Auffällig ist, dass sich überwiegend Elternvertretungen äußern. Der
Kreiselternrat fordert, es müsse möglich sein, dass auch Schulleitungen
Risiken „offen benennen können, ohne dass daraus zusätzlicher Druck
entsteht“. Denn seit die Behörde im Frühjahr die Neuorganisation der
Schulbegleitung plante, soll es für Mitarbeiter eine Verpflichtung zum
Stillschweigen gegenüber Eltern und Öffentlichkeit gegeben haben, gar von
„Maulkorb“ ist die Rede.
Die taz fragte am Donnerstag die Schulbehörde, ob das stimme und in welchem
Rahmen sich Schulleitungen und Lehrkräfte äußern dürfen. Bis zum
Redaktionsschluss kam keine Antwort.
14 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/kuerzungen-bei-schulbegleitung-probleme-an-hamburger-sonderschulen,schulbegleitung-124.html
(DIR) [2] /!6191038&SuchRahmen=Print
(DIR) [3] https://www.linksfraktion-hamburg.de/aussetzung-der-schulpflicht-nach-kuerzung-der-schulbegleitung-diese-senatorin-ist-eine-klare-fehlbesetzung/
(DIR) [4] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bsfb/schulbegleitung-wird-nicht-pauschal-gekuerzt--1193702
(DIR) [5] /!6206176&SuchRahmen=Print
(DIR) [6] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bsfb/veroeffentlichungen/pressemeldungen/spezielle-sonderschulen-schulpflicht-und-teilhabe-am-unterricht-werden-sichergestellt-1216166
(DIR) [7] /!6204651&SuchRahmen=Print
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(DIR) Kaija Kutter
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(DIR) Schulbehörde Hamburg
(DIR) Leben mit Behinderung Schwerpunkt / Menschen mit Behinderung / Behinderte / behindert
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