# taz.de -- Spielfilm „Practical Magic 2“: Midnight Margarita und Magie
       
       > Echtes Hexenwerk: Der 90er-Jahre-Klassiker „Practical Magic“ floppte an
       > den Kinokassen, wurde später aber zum Kult. Ähnlich könnte es Teil 2
       > ergehen.
       
 (IMG) Bild: Die Hexenschwestern Gillian Owens (Nicole Kidman) und Sally Owens (Sandra Bullock) in „Practical Magic 2“
       
       Das mit dem Ewige-Jugend-Zauber scheint ja schon mal zu klappen. Denn Fakt
       ist: Die Gesichter, die einen in der 28 Jahre nach „Practical Magic“
       entstandenen Fortsetzung zu Griffin Dunns Hexen-Tragikomödie anschauen,
       sind fast die gleichen wie 1998.
       
       Da ist einerseits die ernste, brave, brünette Hexe Sally Owens ([1][Sandra
       Bullock]), die sich damals extra einen Zaubertrick gegen das Verlieben
       ausgedacht hatte, weil [2][die magiekundigen Frauen] der Owens-Familie von
       einem Fluch belegt sind, der jedes Love Interest zu Tode kommen lässt.
       Geklappt hat das nicht – Sally konnte ihre mittlerweile erwachsenen Töchter
       Kylie (Joey King) und Antonia (Maisie Williams) zwar vom Zaubern
       fernhalten, der dazugehörige geliebte Mann ist dagegen aufgrund des
       ungünstigen Fluchs längst mausetot.
       
       Das andere, ebenso erstaunlich jung gebliebene Gesicht gehört zu Sallys
       freigeistigen, rothaarigen Hexenschwester Gillian ([3][Nicole Kidman]), die
       dank ihres Mottos „Sex ist eh besser als Liebe“ immerhin ein einigermaßen
       freudvolles Leben genoss.
       
       Die so verwunschene wie wünschenswerte Villa, in der einst Gillians und
       Sallys Tanten (und somit Kylie und Antonias Großtanten) Franny und Jet
       Owens (Stockard Channing und Dianne Wiest) in schönster Alte-Jungfer-Manier
       tags und nachts Kaftans und Turbane trugen, Margaritas tranken und
       Hexenkräuter anbauten, steht noch immer. In der von Susanne Bier wiederum
       nach einem Buch von Alice Hoffman inszenierten Fortsetzung wächst sie sich
       gar zum vorbildlichen Mehr-Generationen-Haus aus: Weil Jet bald stirbt
       (oder zumindest das tun wird, was mächtige Hexen tun, wenn sie nicht mehr
       aktiv praktizieren), sammeln sich in gewissen Mondnächten nun sogar sechs
       Frauen aus drei Generationen der gleichen Familie zum
       Midnight-Margarita-Ritual.
       
       ## Der Ursprung des Fluchs
       
       Ähnlich wie im ersten Film braucht auch diese Geschichte einige Zeit, um
       auf Trab und in die Plot-Spur zu kommen: Kylie und ihr Verlobter gestehen
       sich gegenseitig ihre Liebe, was gemäß des Owens-Fluchs schlimme Folgen hat
       – der junge Mann wird Opfer eines Unfalls und fällt ins Koma. Um ihn zu
       retten, machen sich Kylie, Sally und Gillian auf ins pittoreske England, wo
       der Ursprung des Fluchs vermutet wird. Hilfe scheinen sie von einem
       stattlichen, ganzkörpertätowierten Hexenprofessor namens Ian Wright (Lee
       Pace) zu bekommen, der eines seiner schönen Augen auf Sally geworfen hat.
       Doch leicht ist die Sache trotzdem nicht.
       
       Es steckt viel Potenzial in Biers Version der modernen, selbst ermächtigten
       und dennoch rührend klassischen Hexengeschichte: Allein die Kostüme der
       78-jährigen Wiest und der 82-jährigen Channing sind ein Augenschmaus – ihre
       Charaktere stecken in opulenten Gewändern und dicken Klunkern, die
       obligatorischen Turbane vervollständigen das Outfit.
       
       Auch aus den latenten, durch die unterschiedlichen Lebensentwürfe der
       Schwestern verursachten Spannungen zwischen Sally und Gillian ließe sich
       viel ziehen – hier die zurückgezogene, magiefeindliche, in altjüngferliche
       Zipfelklamotten gekleidete Sally („you are an iceblock in 90s clothing“,
       faucht ihre Schwester sie an); dort die alterslose, statueske Lebedame, die
       anscheinend noch immer gern fremde Zaubererstäbe schwingt. Regisseurin Bier
       und ihre drei Drehbuchautor:innen Akiva Goldsman, Georgia Pritchett
       und Kelly Marcel setzen viel auf behauptete Schwestern- und
       Frauensolidarität, vor allem in der ersten halben Stunde, in der
       ausschließlich Frauen stolz die Tonspur zuquatschen.
       
       Doch die Macher:innen entscheiden sich für einen Kompromiss aus zu
       vielen faulen Ingredienzien: Sie würzen ihr Werk mit
       affig-funkensprühender, unansehnlicher Fernsehästhetik-Magie, ziehen
       handlungstreibende Figuren aus der Kiste, die urplötzlich wichtige Motive
       offenbaren; und nutzen die sichtbare Blödelfreudigkeit der
       Schauspielerinnen Bullock und Kidman kaum aus.
       
       ## Effektlose Magiedarstellung
       
       Durch den Fokus auf den Handlungsstrang mit Kylie und Antonia, die (wie
       eins Sally) die Magie als eigene Stärke erkennen müssen, den etwas
       betulichen, weit vom modernen Wicca-Feminismus angesiedelten Stil und die
       recht effektlose [4][Magiedarstellung] fragt man sich zudem, wer den Film
       eigentlich schauen soll – jungen Menschen wird er zu zahm sein, alten
       entweder zu albern oder nicht albern genug.
       
       Selbst die Musik ist mutiger als die Bildebene: Neben der Ehrenhexe Stevie
       Nicks, die mit ihrem Image stets stolz kokettierte, versuchen Miriam Makeba
       und sogar Harry Nilssons im ersten Film prominent platzierter, legendärer
       „Coconut“-Song die Atmosphäre zu retten. Doch „Practical Magic 2“ schafft
       die Loslösung von den 90ern nie wirklich.
       
       Andererseits hatte man es auch bei der Rezeption des ersten Teils eventuell
       schon mit echtem Hexenwerk zu tun: Der Film floppte damals komplett an den
       Kinokassen und fand erst über die Jahre seine treue Fanbasis, die ihn
       schließlich in den Status eines Kultfilms überführte. Hoffentlich ist der
       alte Zauberspruch noch stark genug für den zweiten Teil.
       
       9 Sep 2026
       
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       ## AUTOREN
       
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