# taz.de -- Nach AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt: Bedrohte NS-Erinnerungsorte
       
       > Würde die AfD in Sachsen-Anhalt regieren, könnte sie die Kulturpolitik
       > neu bestimmen – und NS-Erinnerungsorten die Finanzierung kürzen.
       
 (IMG) Bild: Schloss Lichtenburg in Prettin ist von 1933 bis 1939 von den Nazis als KZ benutzt worden
       
       Das [1][Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt] im Bereich der Kultur umfasst
       21 Punkte. Da stehen Dinge wie diese: „Wir werden durch Bezugnahme auf die
       guten Seiten der deutschen Geschichte eine unverkrampfte und auf gesunde
       Weise selbstbewusste deutsche Identität fördern.“ Und umgekehrt: Die
       „künstliche Aufrechterhaltung eines Schuldgefühls“ sollten „wir endlich
       ablegen“.
       
       Gedenkstätten für die Opfer des NS-Regimes kommen im Regierungsprogramm
       nicht direkt vor. Aber die zitierten Sätze machen deutlich, dass die
       [2][rechtsradikale Partei die Axt an die Grundfesten deutscher
       Erinnerungskultur legen will]. Aus Verantwortung für die Geschichte soll
       eine „selbstbewusste deutsche Identität“ werden. Schuld wird als eine
       Kategorie des Schwachen abgelehnt. Wer schuld hat, hat etwas falsch
       gemacht. Der Holocaust stört den Glanz der deutschen Geschichte. Soll er
       doch weg.
       
       Die KZ-Gedenkstätten und Stolpersteine, jüdische Museen und Gedenktafeln
       für Nazi-Opfer, [3][all diese Dinge, die an die Verantwortung der Deutschen
       erinnern], werden der angestrebten „patriotischen Wende auf allen Gebieten“
       wenig förderlich sein. Sie sind in den Augen der AfD also verzichtbar. Die
       AfD wird die Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin zwar nicht einebnen. Auch
       wird die Erinnerung an die „Euthanasie“-Morde in Bernburg nicht gleich
       geschlossen werden. Aber die Mittel kürzen, ja das ginge. Schließlich muss
       man den versprochenen Landesbeauftragten für den Erhalt der
       Kriegerdenkmäler auch bezahlen.
       
       Angelegenheiten der Kultur sind Ländersache. Die Stiftung Gedenkstätten in
       Sachsen-Anhalt ist von den Zuwendungen aus dem Landeshaushalt abhängig. Das
       Tor zu einer Umwertung der Werte steht weit offen: weg von Humanität und
       historischer Verantwortung, hin zu nationalem Dünkel, Überheblichkeit,
       falschem Stolz. Wer als Abgeordneter Ulrich Siegmund unterstützt, ihn zum
       Ministerpräsidenten wählt oder durch Stimmenthaltung dazu befördert, hat
       nicht verstanden, was da auf dem Spiel steht. Nämlich die Zukunft der
       Vergangenheit.
       
       8 Sep 2026
       
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