# taz.de -- Geschlechtstests im Sport: Flicken von Reifen ohne Platten
       
       > Warum im Radsport das GPS-Tracking nicht eingeführt wird, sehr wohl aber
       > ein Geschlechtstest. Der Weltverband gehören dringendst demokratisiert.
       
 (IMG) Bild: Ab ins Labor! Fahrerinnenfeld bei der Tour de France 2026
       
       Der Weltradsportverband UCI hat die Entscheidung verschoben, ob
       GPS-Tracking verpflichtend wird. Stattdessen haben die Funktionäre die
       Einführung eines [1][Geschlechtstests] beschlossen, dem sich
       Radsportlerinnen vor Olympia unterziehen müssen.
       
       Zwei Beschlüsse, ein Unterschied: Für das [2][GPS-Tracking] gibt es Bedarf,
       was man spätestens seit dem tragischen Tod der Schweizerin Muriel Furrer
       2024 und ihres Kollegen Gino Mäder 2023 weiß. Beide waren gestürzt, bei
       beiden kam die Rettung zu spät, weil sie nicht geortet werden konnten.
       
       Für das andere Thema, bei dem die [3][UCI] glaubt, unbedingt handeln zu
       müssen, der Gentest, mit dem dann das „richtige“ Geschlecht von
       Sportlerinnen ermittelt werden soll, gibt es keinen Bedarf. Denn nie im
       Radsport gab es einen Fall, der hypothetisch so konstruiert wird: Männliche
       Betrüger in Frauenkleidern nähmen „echten“ Frauen Erfolge weg. Was es
       selten gab, waren tragische Fälle von Menschen, die sozial in ein
       Geschlecht gezwungen wurden. Häufiger gab es Fälle von falschen und
       diffamierenden Anschuldigungen.
       
       ## Drangsalierter Frauenradsport
       
       Die Tragödien um [4][Muriel Furrer] und [5][Gino Mäder] scheinen den
       Funktionären der UCI nicht wichtig oder nicht präsent zu sein, wenn sie in
       der Öffentlichkeit als durchsetzungsfähige Macher auftreten wollen.
       Leichter können sie punkten, wenn es darum geht, Sportlerinnen zu
       Zwangstests zu verpflichten. Nur, weil die in einem Sport antreten wollen,
       der Leuten wie den UCI-Funktionären ohnehin als Zeitvertreib minderer Güte
       erscheint: [6][Frauenradsport].
       
       Ein Sport also, den die Herren in den vergangenen 150 Jahre mehrfach
       verboten haben und den zu drangsalieren sie sich nicht abgewöhnen können.
       Nicht ohne Grund lobte die amerikanische Frauenrechtlerin [7][Susan B.
       Anthony] schon 1900 das Fahrrad: „Ich denke, es hat mehr für die
       Emanzipation der Frau getan als irgendetwas anderes auf der Welt.“ Es gibt
       immer noch Länder, die Frauen das öffentliche Radfahren verbieten oder
       erschweren: Afghanistan, Iran, Saudi-Arabien, Pakistan, Jemen und Sudan.
       
       Bis heute ist die Erschließung öffentlicher Räume mit diesem wunderbaren
       Gefährt ein großartiges Politikum. Und bis heute gibt es Kräfte, die Frauen
       diese erschweren wollen.
       
       Das wiederum verrät viel über den Weltradsportverband. Zum Beispiel, dass
       die UCI von einer Förderung und materiellen Gleichstellung des
       Frauenradsports, etwa in Sachen Prämien und Gehältern, weit entfernt ist.
       
       ## CPA: „Keine gläsernen Athleten“
       
       Was hat das nun mit dem von allen erwarteten und dann doch verschobenen
       Pro-Tracking-Beschluss zu tun? Gar nicht so wenig. Denn es ist ja nicht so,
       dass eine von großen Teilen der UCI favorisierte kaum begrenzte Verwendung
       von GPS-Tracking unproblematisch wäre. Die Profigewerkschaft, CPA,
       Cyclistes Professionnels Associés, in der Männer und Frauen organisiert
       sind, steht nicht für frontale Ablehnung dieser Technik.
       
       Vielmehr will die CPA dafür sorgen, dass es keine „gläsernen Athleten“
       geben kann, deren Daten ohne ihre Einwilligung genutzt werden. Ihr geht es
       um das Nutzen der Technik, um die Sicherheit der Menschen zu verbessern,
       sie steht gegen Kapitalisierung von Körperdaten.
       
       Es ist auf dem Rad wie im richtigen Leben: Auf weise Entschlüsse grauer
       Herren ist nie zu hoffen. Auch so harmlos klingende Organisationen wie ein
       Radsportverband gehören dringendst demokratisiert.
       
       25 Sep 2026
       
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