# taz.de -- Squishy Toys und im Feed: Die Butter quetschen
       
       > ASMR-Videos, in denen sich Matsch zwischen Finger presst, lassen die
       > Kopfhaut kribbeln. Beruhigend!
       
 (IMG) Bild: Mhh, schöner Batz!
       
       Etwas stimmt mit meinem Algorithmus nicht. In jedem zweiten Video in meinem
       Feed geht es um dasselbe: lange Fingernägel, die etwas kneten. Meist
       sogenannte Squishy Toys in der Optik eines Butterblocks – viele davon mit
       Wachs übergossen. Das Ganze fällt unter [1][die Kategorie ASMR, ein bereits
       bekannter, von mir aber noch nie frequentierter Trend].
       
       ASMR steht für „Autonomous Sensory Meridian Response“, ein wohliges
       Kribbeln, das von der Kopfhaut den Nacken hinunterrieselt, wenn man
       Flüstern, Knistern oder Kneten hört. Vielen helfen die Clips, besser
       einzuschlafen oder runterzukommen.
       
       Mich hat das bisher nicht abgeholt. Was hat der [2][Algorithmus] über mich
       herausgefunden, das ich selbst noch nicht weiß? Bin ich mit Mitte dreißig
       in eine Zielgruppe gerutscht, die dringend Trost aus dem Smartphone
       braucht? Zugegeben, sie beruhigen meine sonst vielleicht eskalierende
       Lebens-Fomo. Ein bisschen erinnern die Videos mich aber auch an den
       eskapistischen Content während der Pandemie. Ist die (politische) Situation
       etwa schon wieder so schlimm?
       
       Wer einem Fingernagel dabei zusieht, wie er sich durch Wachs arbeitet,
       bekommt etwas, das sonst kaum zu haben ist: eine Handlung mit klarem
       Anfang, klarem Ende und vorhersehbarem Ergebnis. Kein Cliffhanger, keine
       Nachrichtenlage, keine Meinung, die man haben müsste. In Zeiten
       überlagerter Krisen liegt der Reiz womöglich in kleinen, kontrollierbaren
       Momenten, in denen nichts passiert außer dem, was man sieht und hört.
       
       Ein Unbehagen bleibt trotzdem. Plattformen verdienen an Aufmerksamkeit, ob
       sie mir guttut, spielt keine Rolle. Ruhe ist ebenso verwertbar wie
       Aufregung: Content, der nichts verlangt und sich endlos wiederholen lässt,
       hält Menschen im Feed. Der Algorithmus hat gemerkt, dass ich bei diesen
       Videos nicht mehr wegscrolle. Vielleicht ist die ehrlichere Frage nicht,
       was er über mich weiß, sondern was ich ihm erlaube, für mich zu
       entscheiden. Bis ich sie beantwortet habe, schaue ich noch ein Video. Nur
       eins. Und vielleicht noch eines.
       
       26 Sep 2026
       
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