# taz.de -- Hitze in Israel: Gefährliche Bräune
       
       > In Israel sonnen sich viele junge Menschen zu den gefährlichsten Stunden
       > des Tages für schnelle Bräune. Über den Trend „Tanmaxxing“.
       
 (IMG) Bild: Am Strand von Tel Aviv: Die einen schützen sich, die anderen brutzeln in der Sonne
       
       Ein Nachmittag Anfang September, 14 Uhr. Am Strand von Tel Aviv brutzeln
       die bronzefarbenen Körper junger Frauen und Männer langsam, doch
       zuverlässig unter einer strahlenden Sonne. Weit und breit keine Wolke in
       Sicht, leichte Brise.
       
       Wellen rauschen in rhythmischen Abständen, brechen sich sanft am Ufer.
       Unweit des Wassers sitzen drei langhaarige Frauen auf ihren Handtüchern,
       ihre grellen Bikinis leuchten in der Sonne. Eigentlich sollte man bei einem
       UV-Index 9 nicht unbedeckt am Strand sitzen, sondern irgendwo im Schatten.
       Mit Sonnenbrille, langärmligem Hemd und Kopfbedeckung. Und am besten mit
       einer Sonnenschutzlotion mit Schutzfaktor 30 bis 50 auf der Haut.
       
       Den Index haben kanadische Wissenschaftler Anfang der 1990er Jahre erdacht,
       um vor den Gefahren von UV-Strahlung zu warnen. Heute dient er in Israel
       vor allem jungen Menschen dazu, sich effizient und bräunungssicher genau
       dieser auszusetzen.
       
       „Tanmaxxing“ ist vor allem unter jüngeren Generationen auf dem Vormarsch.
       Schnell in die Sonne, wenn sie am höchsten steht. Teilweise ohne
       Sonnenschutz, um in kürzester Zeit braun zu werden.
       
       „Ist immer noch Index 9? Toll!“, ruft die 21-jährige Rona enthusiastisch.
       Die Sonne brennt auf der Haut, der Sand glüht unter den Füßen. Zwei, drei
       Stunden wollen die Freundinnen bleiben. Mit Bräunungslotion, doch ohne
       Schutzfaktor. Sorgen vor den gesundheitlichen Folgen dieser Sonnenorgie
       schütteln sie so gekonnt weg wie die Sandkörner von ihren Liegetüchern. „Es
       ist absolut gefährlich, aber ich sage dir eins: Ich rauche auch. Wenn ich
       Krebs bekomme, dann wegen der Zigaretten, nicht wegen der Sonne.“
       
       Dabei betonen Hautärzt:innen in Israel so wie überall sonst auf der
       Welt, dass die Bräune, wie sie in der westlichen Welt noch immer als schön
       und gesund gilt, eher ein Hilfeschrei der obersten Hautschicht ist – und
       späteren Jahren Hautkrebs begünstigt. Kinderhautärztin Efrat Bar-Ilan
       ereiferte sich kürzlich in der israelischen Zeitung Times of Israel über
       den Teenagertrend: „Sie wissen, dass UV-Strahlung schädlich ist, aber sie
       können das langfristige Gesundheitsrisiko nicht begreifen. Sie wollen
       einfach die sofortige Bräune, den sofortigen Glow. Jeder will braun sein.“
       Tiktok und Apps zeigen, wie das geht.
       
       ## Intensives Sonnen als Lebensgefühl
       
       Etwas weiter am Strand liegen zwei andere junge Frauen in der Sonne. Eine
       hat blonde Haare und porzellanfarbene Haut, die andere ist schon etwas
       dunkler gebräunt. Nur eine Stunde wollen sie bleiben, über die Gefahren
       wissen sie Bescheid. „Wir benutzen aber immer Creme mit Schutzfaktor 50“,
       sagt eine rechtfertigend. Es sei „Teil des Lebens“, in der Sonne zu liegen.
       
       Nicht alle machen beim Trend mit. Vier junge Männer, die etwas weiter
       hinten unter einem improvisierten Zelt sitzen, wollen nichts davon wissen.
       „Ich gehe an den Strand, um Spaß zu haben, nicht für die Bräune“, sagt
       einer, der aber dafür verdächtig bronzefarben aussieht.
       
       In Tel Aviv scheint die Sonne vier Monate lang nahezu jeden Tag, die
       Temperaturen schwanken zwischen 28 und 33 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit
       von bis zu 90 Prozent. Das Jahr 2025 [1][galt als eines der wärmsten in der
       Geschichte des Landes,] mit fast 50 Grad im Jordantal.
       
       ## Klimapolitik? Nebensache
       
       Gegen die zunehmende Hitze arbeiten vor allem die Klimaanlagen, jeder Gang
       in den Supermarkt gleicht einer Mission an den Nordpol. Das Betreten der
       städtischen Busse ist wie ein Gang in Eiskönigin Elsas Schloss.
       
       Dabei tragen genau solche Klimaanlagen zu der globalen Erwärmung bei, die
       sie bekämpfen sollten. Israel landete 2024 laut einer EU-Studie auf dem 55.
       Platz [2][weltweit beim CO2-Ausstoß]. Vor allem Industrie und Verkehr sind
       daran schuld. Die Regierung wollte bis 2026 die Kohleverstromung einstellen
       und bis 2030 die Einfuhr von Autos mit Verbrennungsmotor stoppen. Das erste
       Ziel wurde verschoben, das zweite wird voraussichtlich verfehlt. Der Fokus
       liegt gerade eher auf den regionalen Kriegen. Die die globale Erwärmung
       weiter anheizen.
       
       12 Sep 2026
       
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       ## AUTOREN
       
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