# taz.de -- Prekäres Leben mit gebrochener Hand: Angst im Kopf
       
       > Überforderung, Hitze: Eine sinnlose und verlorene Auseinandersetzung mit
       > einem Sessel führt zu künstlerischer Unproduktivität und einem
       > Finanzloch.
       
       Angst ist kein guter Begleiter, niemals. Aktuell wird es einem leicht
       gemacht, Angst zu haben. Vor Vielem. Vor der eigenen Courage, dem Fehlen
       derselben im richtigen und wichtigen Moment. Vor der wirtschaftlichen
       Entwicklung – gar nicht einmal vor der gesamtgesellschaftlichen, sondern
       ganz einfach der eigenen.
       
       Ich hab mir die Hand gebrochen, genau genommen den Mittelhandknochen – und
       ziemlich alles andere ringsum geprellt. Auch da war Angst im Spiel – in
       Anwesenheit, weil: Nervenzusammenbruch, Überforderung. Einfach ein Moment
       in dem persönlich alles zu viel wurde und mein „Kessel überkochte“. Das
       resultierte in einem Wutausbruch gegen mich selbst, gegen die Situation.
       
       Ich hab mich mit einem Sessel angelegt – und der Sessel ist der klare
       Gewinner der Auseinandersetzung. Es hat gekracht. Sehr. In meiner Hand. In
       dem Moment hätte ich mir mehr Angst gewünscht, vor dem Zuschlagen gegen den
       Gegenstand. Zu spät. Als Künstler ungefähr das Blödeste, zumindest
       Unproduktivste überhaupt. Knapp zwei Monate nicht zeichnen, nicht arbeiten.
       Selbst Schreiben fühlt sich rein praktisch sehr amateurhaft an. Andauernd
       ist die Orthese im Weg. Immerhin ist es eine und nicht mehr der anfängliche
       Gips – pünktlich zur Hitzewelle. Alles dauert ewig, alles. Aber ich will
       nicht jammern, Entschleunigung hat viele Gesichter. Eben auch wieder ein
       ängstliches – wenn ich über meine finanzielle Situation nachdenke. Es wird
       dauern, das Loch zu stopfen.
       
       Heute habe ich, wie aktuell jeden Tag, einen Krankenbesuch gemacht. Die
       Hitzewelle ist vorbei. Hoodie-Wetter. Als ich den Krankenhausgang
       entlanggehe, ruft von hinten eine Patientin: „Sehr passend, der Pulli, für
       eine neuropsychiatrische Station“. Ich bin kurz verwirrt. Mein
       BEASTIE-BOYS-Hoodie. Der Rückenprint in großen Lettern: CHECK YOUR HEAD.
       
       3 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Rothenhagen
       
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