# taz.de -- Urteil im Mordfall Tupac Shakur: Duane Davis wegen Mordes an 2Pac schuldig gesprochen
       
       > Fast 30 Jahre nach dem Mord am US-Rapper wurde der ehemalige
       > Gang-Anführer Duane Davis schuldig gesprochen. Selber abgedrückt hat er
       > wohl nicht.
       
 (IMG) Bild: All eyes on him: Duane Davis im Bezirksgericht bei Las Vegas
       
       Es ist selten, dass ein 30 Jahre zurückliegender Fall so viel Aufsehen
       erregt. Konkret geht es um den Mord an US-Rapper Tupac Shakur (2Pac) im
       Jahr 1996. Eine Jury in Las Vegas sprach den Angeklagten Duane Davis jetzt
       schuldig. Davis wurde im Prozess nicht beschuldigt, selbst geschossen zu
       haben, gilt aber als Hintermann. Im Bundesstaat Nevada kann auch verurteilt
       werden, wer einem Mord Beihilfe leistet, ohne selbst zu schießen. Das
       Strafmaß wird am 13. Oktober verkündet, es droht lebenslange Haft.
       
       Davis war erst im September 2023 festgenommen worden. Fast 27 Jahre nach
       der Tat. Der eigentliche Prozess begann am 17. August vor einem Gericht in
       Las Vegas. Nach mehreren Verhandlungstagen und rund drei Stunden Beratung
       kam die Jury am Montag zu ihrer Entscheidung.
       
       ## Ein Cold Case wird aufgerollt
       
       Shakur war am 7. September 1996 in Las Vegas aus einem vorbeifahrendem
       Cadillac angeschossen worden und starb sechs Tage später im Alter von nur
       25 Jahren im Krankenhaus. Zuvor hatten Shakur und seine Begleiter Davis’
       Neffen, Orlando Anderson, nach dem Besuch eines Boxkampfs von Mike Tyson in
       einer Hotellobby angegriffen. Wenige Stunden später fielen die Schüsse, als
       der Wagen mit Shakur an einer roten Ampel stand.
       
       Die Ermittlungen in dem Fall kamen trotz enormem öffentlichen Druck
       jahrzehntelang kaum voran. Zentrale Zeugen starben, Tatwaffe und
       Fluchtwagen wurden nie gefunden. Den Anstoß für die Wiederaufnahme gab
       Davis selbst. 2019 schilderte er seine Rolle detailliert in seinen Memoiren
       „Compton Street Legend“. Passagen daraus wurden später zu zentralen
       Beweisstücken.
       
       ## Wer war Duane Davis?
       
       Davis war früher Anführer der Straßengang South Side Compton Crips. Er
       wuchs in Compton auf, wohin seine Eltern 1965 mit ihren zwölf Kindern
       gezogen waren. 1971 schloss er sich den Crips an, stieg später ins
       Drogengeschäft ein und saß von 1985 bis 1989 im Gefängnis. 1980 starb seine
       Mutter an Darmkrebs, 2014 erkrankte er selbst daran – mittlerweile in
       Remission.
       
       In den 2000er Jahren wurde er verhört, als Ermittler*innen den Mord an
       Rapper „The Notorious B.I.G“, alias Biggie, neu aufrollten. Zu Biggies Tod
       konnte er nichts sagen, wohl aber zu Tupacs. 2008 gab er gegen Zusicherung
       von Straffreiheit zu, im Schützenauto gesessen zu haben, und erklärte, sein
       bereits verstorbener Neffe Orlando Anderson habe damals geschossen. Die
       Polizei erklärte den Deal mit der Staatsanwaltschaft später für hinfällig,
       weil Davis zunehmend öffentlich über die Tat sprach.
       
       Davis’ Verteidiger hielt im jetzigen Prozess dagegen: Davis habe die
       Geschichte frei erfunden, seine Versionen widersprächen sich, teils auch
       den Beweisen.
       
       ## East Coast gegen West Coast
       
       Der Mord an Tupac Shakur fiel in die Hochphase der Rivalität zwischen Death
       Row Record aus Los Angeles, Shakurs Label, und Bad Boy Entertainment aus
       New York, Sean „[1][P Diddy]“ Combs’ Label. 1995 eskalierte der Konflikt
       öffentlich bei den Source Awards in New Yorks, der Streit wurde weiter
       verschärft durch einen Überfall auf Shakur 1994 in einem New Yorker Studio,
       für den er Biggie und dessen Umfeld mitverantwortlich machte, vor allem P
       Diddy. Die Medien stilisierten den Schlagabtausch der beiden Rapper zur
       „East Coast–West Coast Rivalry“. Nur ein halbes Jahr nach Shakur wurde auch
       Biggie erschossen – auch dieser Fall ist bis heute nicht abschließend
       aufgeklärt.
       
       1 Sep 2026
       
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