# taz.de -- US-Open-Tennisturnier wird elitärer: Mehr Kaviar
> Das volksnahe Ambiente der US Open verflüchtigt sich zunehmend. Die Zahl
> der Luxusplätze ist dagegen beträchtlich gestiegen.
(IMG) Bild: Im umgebauten Arthur Ashe Stadium können mehr VIPs Platz nehmen
Die US Open in New York haben unter den Grand-Slam-Turnieren den Ruf, die
volksnahste Veranstaltung zu sein. [1][Die lärmenden, nie ruhenden Massen]
im 33 Tennisplätze umfassenden Billie Jean King National Tennis Center
gehören zum speziellen Flair des Turniers. Das wissen auch die Spieler. Was
in Wimbledon undenkbar wäre, wird hier hingenommen.
Die besondere Atmosphäre kommt nicht zuletzt daher, dass das Turnier als
Veranstaltung der Massen gedacht ist. Der Veranstalter, der gemeinnützige
Tennisverband USTA, hat den Auftrag, den Sport populär zu machen. Und mit
Tagestickets für 65 US-Dollar hat das bis vor Kurzem auch gut funktioniert.
Es gehörte für die New Yorker im September dazu, einen Tag in Flushing
Meadows zu verbringen, von Court zu Court zu wandern, eventuell einen
Cocktail zu schlürfen und mit etwas Glück am Abend im Arthur Ashe Stadium
einen der Stars des Turniers live zu sehen.
Die Atmosphäre im Stadtteil Flushing ist immer noch laut und rau, das
gehört zu New York. Doch [2][die US Open] drohen immer weniger eine
Veranstaltung der Massen zu sein. Die Tagestickets etwa können kaum noch
zum Ursprungspreis erworben werden. Sie werden in Massen aufgekauft und
weiterverkauft – oft zum Fünffachen des Preises. Die zahlreichen
Abonnements an Firmen, die für das gesamte Turnier zu hohen Preisen ganze
Blocks buchen, sind derweil allesamt erneuert worden
Dass der Markt das hergibt, liegt nicht zuletzt daran, dass die US Open
seit der Coronapandemie einen Boom erfahren. Das lange Eingesperrtsein hat
ein enormes Bedürfnis nach Events angeregt, das seither weiter angewachsen
ist. Im vergangenen Jahr waren mehr als eine Million Menschen bei den US
Open – 30 Prozent mehr als vor der Pandemie. Die Endrunden-Spiele sind mehr
denn je ein Tummelplatz für Promis. Im vergangenen Jahr waren unter anderem
Bruce Springsteen, Queen Latifah und Ben Stiller auf den Tribünen zu sehen.
## Deutlich mehr Ticketeinnahmen
Für die USTA bedeutet das einen Anstieg der Profite um rund 75 Prozent. Das
hat wiederum beim Verband Begehrlichkeiten geweckt. Das Arthur Ashe
Stadium, die Hauptarena des Turniers, wurde für 800 Millionen Dollar
renoviert. Und die Renovierung kam ganz eindeutig nicht den Massen zugute.
Die Anzahl der Luxusplätze unmittelbar am Spielfeldrand wurde verdoppelt.
Dafür wurde das mittlere Segment an Plätzen mit vorher erschwinglichen
Plätzen von 6.000 auf 2.500 Sitze verkleinert. Das bedeutet, dass Plätze
für bislang 250 bis 300 Dollar zugunsten von Sitzmöglichkeiten für 2.300
Dollar gewichen sind. Zudem wurden Umkleidekabinen und Aufenthaltsräume für
Spieler ausgelagert, um Platz für VIP-Boxen zu schaffen.
Die USTA verteidigt sich damit, dass die 13.000 billigen Plätze am oberen
Rand des Stadions erhalten geblieben seien. Außerdem sei der Zugang zur
Anlage während der Fan-Woche, in der letzte Qualifikations-Matches und das
gemischte Doppel ausgetragen werden, nach wie vor kostenlos. Doch der Trend
zum Luxus ist unverkennbar. Was nicht zuletzt daran zu erkennen ist, dass
der beliebteste Cocktail des Turniers, der Honey Deuce, 23 Dollar kostet.
Eine Portion Chicken Nuggets mit Kaviar geht für 100 Dollar über die Theke.
Immerhin hat Bürgermeister [3][Zohran Mamdani,] wie schon bei der
[4][Fußball-WM], dem Veranstalter 1.000 billige Tickets abgerungen. Doch
wie schon bei der WM war dies mehr ein symbolischer Akt. Das alleine wird
die Open nicht wieder zu einem Turnier für das Volk machen. Für die 1.000
Tickets bewarben sich mehr als 360.000 New Yorker. 359.000 Bittsteller
gingen also leer aus.
2 Sep 2026
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