# taz.de -- Politische Spannungen in Tansania: Vizepräsident Nchimbi abgesetzt und unter Hausarrest
       
       > Der Vizepräsident hatte sich mit Präsidentin Suluhu Hassan überworfen.
       > Tansanias Regierungspartei schafft es nicht, Streit unter dem Deckel zu
       > halten.
       
 (IMG) Bild: Damals noch geeint, aber auf Distanz: Tansanias Präsidentin Suluhu Hassan (links), Vizepräsident Emmanuel Nchimbi (rechts), 22. August
       
       Tansania ist das politisch wohl stabilste Land Afrikas, seit 65 Jahren
       ununterbrochen von der ehemaligen Einheitspartei [1][CCM (Chama Cha
       Mapinduzi] – Partei der Revolution) regiert. Heute ist diese Stabilität
       unter Druck wie nie seit der Unabhängigkeit 1961. In einem beispiellosen
       Riss an der Staatsspitze wurde vergangene Woche der Vizepräsident zum
       Rücktritt gezwungen, umgehend aus der CCM ausgeschlossen und dann laut
       Berichten unter Hausarrest gestellt.
       
       Der 55-jährige [2][Emmanuel Nchimbi] war der Stellvertreter der 66-jährigen
       Präsidentin [3][Samia Suluhu Hassan], deren [4][Wiederwahl im vergangenen
       Jahr] von Repression und Gewalt begleitet war. Das Ticket Hassan/Nchimbi
       gewann nach dem offiziellen Ergebnis mit 98 Prozent, eine offizielle
       Untersuchung sprach von über 500 Toten bei der Niederschlagung von
       Protesten danach. Nun soll Nchimbi, vor seiner Berufung zum Vizepräsidenten
       CCM-Generalsekretär und davor Minister und Botschafter auf
       unterschiedlichen Posten, des Hochverrats angeklagt werden – er hatte eine
       Verfassungsreform angeregt.
       
       Aktivistin Maria Sarungi Tsehai sagt dazu in Bezug auf Präsidentin Suluhu
       Hassan: „Statt die sehr angespannte Lage zu deeskalieren, eskaliert sie.
       Das sagt viel aus über ihre Führung und das allgemeine Urteilsvermögen.“
       Als neuer Vizepräsident wurde Deogratius John Ndejembi ernannt, mit 43
       Jahren ein relativer Neuling in den Reihen der CCM.
       
       Der Vorgang ist ein weiterer Schritt in Hassans autokratischer
       Konsolidierung ihrer Macht. Sie war [5][2021 an die Macht gekommen], als
       sie selbst Vizepräsidentin war, nachdem Präsident John Magufuli
       überraschend gestorben war. Magufuli wurde von Kritikern bereits als
       schlimmster Autokrat in der Geschichte des unabhängigen Tansania
       bezeichnet, aber fünf Jahre später ist Hassan noch entschlossener.
       Demokratisch moderierte Entscheidungsprozesse, sagen politische Beobachter,
       sind durch eine imperiale Präsidentschaft ersetzt worden, in der absolute
       Kontrolle der Strukturen an erster Stelle steht.
       
       ## Regierungspartei intern zerrissen
       
       Noch nie zuvor wurde ein Vizepräsident in Tansania aus dem Amt gedrängt.
       Die CCM hat eigentlich eine Tradition der inneren Konsensfindung, mit einer
       einheitlichen Präsentation nach außen, und geordnetem Führungswechsel.
       Nchimbi wurde nun unvermittelt zum Rücktritt gedrängt, aus der Partei
       ausgeschlossen und ist seitdem verschwunden. Analysten sagen, dies deute
       auf einen Zusammenbruch der bewährten Konfliktlösungsmechanismen in der
       Partei hin.
       
       Das öffentliche Zerwürfnis zwischen Präsidentin und Vizepräsident sei ein
       Zeichen für einen ernsten Machtkampf, sagt Analyst David Omari. „Diese Art
       von öffentlichem Bruch auf höchster Ebene ist völlig beispiellos“, sagt er
       der taz. Er zählt Indizien einer historisch angespannten Lage in Tansania
       auf: Spaltung der Regierungspartei, massive staatliche Gewalt nach den
       Wahlen, das Knebeln unabhängiger Medien und eine wenig
       rechenschaftspflichtige Exekutive.
       
       1 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Chama_Cha_Mapinduzi
 (DIR) [2] https://en.wikipedia.org/wiki/Emmanuel_Nchimbi
 (DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Samia_Suluhu_Hassan
 (DIR) [4] /Nach-den-Wahlen-in-Tansania/!6122806
 (DIR) [5] /Nach-den-Wahlen-in-Tansania/!6122806
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alloyce Kimbunga
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Tansania
 (DIR) Samia Suluhu Hassan
 (DIR) Kenia
 (DIR) Tansania
 (DIR) Schwerpunkt Angela Merkel
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Zunehmende Repression in Ostafrika: „Es sind dunkle Zeiten, aber wir werden siegen“
       
       Politische Freiräume in Kenia, Tansania und Uganda schwinden, mahnt
       Menschenrechtsanwältin Martha Karua. Ugandas Wahlen am Donnerstag sind ein
       Test.
       
 (DIR) Nach den Wahlen in Tansania: „Idi Amin Mama“ ist abgetaucht
       
       Mit fast 98 Prozent soll Samia Suluhu die Wahl in Tansania gewonnen haben.
       Proteste dagegen werden niedergeschlagen, Infos und Nahrung sind knapp.
       
 (DIR) Präsidentin „Mama Samia“ in Tansania: Afrikas Angela Merkel
       
       Samia Suluhu Hassan ähnelt in ihrem Stil der scheidenden Kanzlerin.
       Womöglich kann Tansania mit ihr eine Führungsrolle in Afrika einnehmen.