# taz.de -- Die Wahrheit: Die schlagkräftige Schlagbohrerin
> Schurken, die die Welt beherrschen wollen – heute: Reem Alabali „Alibaba“
> Radovan, Entwicklungsmini.
(IMG) Bild: Expertin für alles, was sich entwickelt: Reem Alabali Radovan
Buff! Batsch! Boing! Jeder Schlag ein Treffer, dass der Kopf wackelt, die
Leber knirscht. Bum! Bam! Bäm! Eine Dreifachkombination knallt den
Sparringspartner in die Seile, wo der Körper hintenüber kippt und schwer
auf dem Boden des Boxclubs BC Traktor Schwerin aufdotzt.
„Bravo!“, ruft Ehemann Denis Radovan, selbst Profiboxer, und reicht der
Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe
ein Handtuch, mit dem sie sich den Schweiß aus den Augenwinkeln wischen
kann, mehr ist nicht. Ihr heutiger Gegner, zurzeit noch Flüchtling aus dem
Irak und Migrant wie einst sie, ist inzwischen zu sich gekommen und
lächelt. Beulen und Platzwunden, die meist nur im übertragenen Sinn jeder
in Deutschland gestrandete Einwanderer im Umgang mit Behörden und Bürgern
erleidet, erträgt er mit Würde: Hauptsache, angekommen!
Politikerin und Asylbewerber geben sich die aus dem Boxhandschuh
geschlüpfte Hand, hier die Gläubige der chaldäisch-katholisch-komplizierten
Kirche, dort der Moslem schiitischer Himmelsrichtung. Alabali Radovan weiß
um ihr angeborenes Familienerbe, Mitglieder der irakischen Baath-Partei
ermordeten einst Kommunisten wie ihren Großvater, aber egal! Ihre roten
Eltern lebten dann als Studenten in Moskau, wo sie 1990 eben noch das
letzte Licht der verwelkenden Sowjetunion erblickte. Mit dem Ende des
Kommunismus verließen sie mit ihr im Gepäck das Riesenreich und versuchten,
sich im autonom und damit fast erwachsen gewordenen kleinen Kurdistan
einzupflanzen. Aber der lange Atem Saddam Husseins trieb sie schließlich
1996 doch in die Arme Deutschlands.
## Schule und Boxen
Um was zu sein, musst du was werden, haben ihr die akademisch versierten
Eltern eingeimpft. Und so hat sie sich vom Klein- zum Schulkind und dann
bis zur Ministerin hochgeboxt! Wie eigentlich jeder im Kabinett – nur dass
die anderen kein bisschen boxen mussten, sondern gut gefettet die Bahn
hinaufgerutscht sind.
Sie dagegen pumpte sich jeden Morgen mit Ehrgeiz auf, drehte den Kopf auf
vollen Empfang, lernte nach Arabisch und Assyrisch schnell die neue
Exotensprache Deutsch, ging in Schwerin mit dem Abitur durchs Ziel und
legte sich in die nächste Kurve, um an der Freien Universität Berlin
Politik in der Theorie zu erlernen und danach mit Vollgas – in die
praktische Politik zu düsen?
Das gerade nicht, nicht gerade. Sondern erst tauchte sie, akademisch solide
eingekleidet, ab ins Deutsche Orient-Institut – einigermaßen exotisch sie
unter den dort zuhauf einsitzenden deutschen Eingeborenen; danach hakte sie
sich kraft ihrer angeborenen Zuständigkeit beim Nah- und Mittelost-Verein
in Berlin ein.
Dann aber brach das Geschwür auf, sie musste in die Politik. Und zwar ganz
unten hinein, dort, wo es lärmt und stinkt, in die Kommunen, in die
Verwaltung des Elends. Also in Berlin? Nein, glücklicherweise Schwerin, wo
sie 2015 als Sachbearbeiterin angelernt wurde und drei Jahre später bereits
das Amt für Migration und Flüchtlingsangelegenheiten besaß.
## Kummer und Genossen
Kummer gewohnt, ging sie nun sogar in die SPD! Als Expertin unter den dort
einsitzenden Deutschen hochwillkommen, setzten die Genossen sie gleich auf
die Liste und schoben sie in den Bundestag hinauf. Ein Herr Scholz (manche
Leser erinnern sich vielleicht) adelte sie zur Beauftragten für Migration,
Flüchtlinge und Integration; und ein Herr Merz musste sie danach ebenfalls
wie die ganze SPD schlucken und sogar als Ministerin im Kabinett
einkleiden.
Eigentlich wollte er dieses Amt für, aus seiner Sicht, Krimskrams und
Trallala in den Wind treten, aber es geht auch so. Alibali Radovan befindet
sich hinter gut verschlossenen Wänden, niemand hört was von ihr und weiß,
dass sie, zum Exempel gelebter Integration in die berühmt-berüchtigte
Mehrheitsgesellschaft, das Zielfernrohr ihres Ministeriums neu ausrichtet.
Damit deutsche Unternehmen noch mehr von Entwicklungsprojekten einrollen
und eintüten können, werden vor einer staatlich ausgepolsterten Kooperation
mit diesen gar komischen Ländern da unten zuallererst nicht diese, sondern
die dingfest benannten Unternehmen nach ihren strengen Bedürfnissen
befragt. Sie brauchen zum Atmen in einer zäher werdenden Weltwirtschaft
stetig neu einzuschlingende Rohstoffe und neu aufplatzende Märkte, um die
Konkurrenz aus Europa und Fernost vom Tisch zu blasen!
Für humanitäre Projekte bleibt da nur eine zarte Milliarde übrig, 2023
wurden von ihrem Ministerium noch 2,7 davon verpulvert. Doch Reem Alibali
Radovan kommt damit aus und weiß, dass ihre Karriere noch nicht am Ende der
Träume angelangt ist. Sie hat noch viel Wumms in den Lungen und Saft in den
Fäusten. Buff! Batsch! Boing!
2 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Peter Köhler
## TAGS
(DIR) Reem Alabali Radovan
(DIR) Entwicklungsministerium
(DIR) SPD
(DIR) Schurken
(DIR) Boxen
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Satire
(DIR) Satire
(DIR) Donald Trump
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Die Wahrheit: Die Sonne ist schuld an der Hitze
Neues von der stabilen Verschwörungsfront: Phantasmagorien allwissender
Alltagsmenschen.
(DIR) Die Wahrheit: Das Geldbeuteltier
Schurken, die die Welt beherrschen wollen – heute: Wolfgang „Zapfhahn“
Kubicki.
(DIR) Die Wahrheit: Der sonnigste Sohn der Sonne
Schurken, die die Welt beherrschen wollen – heute: Donald „King of Queens“
Trump, König des Königreichs Amerika.