# taz.de -- Politische Intrigen in Italien: Aus dem Sender gebombt
> Bei Melonis Partei war er besonders unbeliebt: Star-Journalist Sigfrido
> Ranucci wird nach einem Anschlag, der ein „Freundschaftsdienst“ sein
> sollte, und politischem Druck vom Staatssender RAI entlassen.
(IMG) Bild: Vorm Haus des Enthüllungsjournalisten Sigfrido Ranucci ist ein Sprengsatz unter seinem vor dem Tor geparkten Auto detoniert
Erst Ziel eines Bombenanschlags, jetzt von Italiens Staatssender entlassen:
Sigfrido Ranucci, einer der bekanntesten Journalisten des Landes, muss
seinen Posten als Leiter der Investigativsendung Report räumen. Damit zahlt
er den Preis dafür, dass er der italienischen Rechten unter
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni seit Langem ein Dorn im Auge ist.
Am 16. Oktober 2025 explodierte vor Ranuccis Haus nahe Rom ein primitiver
Sprengsatz. Zwei Autos seiner Familie wurden zerstört. Sofort kursierten
Spekulationen: Report hatte sich mit Enthüllungen über die Jahre viele
Feinde gemacht – von albanischen Drogenbossen in Rom über die kampanische
Mafia Camorra bis hin zu Waffenhändlern.
Doch als die Polizei am 30. Juni vier Täter festnahm, staunte man. Es
handelte sich um Kleinkriminelle aus Kampanien, deren Spur nicht zur
Camorra, sondern zu Clesio Gomes Tavares führte – der rechten Hand von
[1][Valter Lavitola], heute Betreiber des römischen Fischrestaurants Bistro
Cefalù.
Lavitola gilt der Staatsanwaltschaft als Drahtzieher des Anschlags. Seit
Anfang Juli stand er unter Verdacht, am 10. August wurde er verhaftet. Für
ihn ist das Gefängnis kein Neuland: Als Berlusconis Mann fürs Grobe hatte
er unter anderem einen Senator aus dem Mitte-Links-Lager für drei Millionen
Euro gekauft und später um fünf Millionen erpresst. Für diverse Verbrechen
saß er bereits über vier Jahre hinter Gittern.
## Rechte Hetze gegen Investigativjournalisten
Nach 2019 wurde ausgerechnet dieser Lavitola ein enger Freund Ranuccis, der
regelmäßig in seinem Restaurant verkehrte. Lavitola bezeichnete die Bombe
später als „Freundschaftsdienst“ – angeblich, um Ranuccis Polizeischutz zu
verstärken.
Die Staatsanwaltschaft vermutet jedoch ein anderes Motiv: Lavitola habe
Ranuccis Popularität steigern wollen, um ihn als Spitzenkandidaten des
Mitte-Links-Bündnisses für die Parlamentswahl 2027 aufzubauen.
[2][Für die Rechte war dieser Verdacht] ein gefundenes Fressen. Seit Juli
hetzen ihr nahestehende Zeitungen gegen Ranucci und suggerieren, er könnte
von der Bombe gewusst haben – obwohl die Staatsanwaltschaft das
ausschließt. Besonders verhasst ist der Journalist bei Giorgia Melonis
Partei Fratelli d’Italia (FdI), weil Report immer wieder deren
Spitzenpersonal ins Visier nahm. Die Sendung deckte etwa die Geschäfte von
Melonis Mutter und den Aufstieg von Geronimo La Russa, Sohn des
FdI-Senatspräsidenten Ignazio La Russa, zum Präsidenten des italienischen
Automobilclubs ACI auf.
Es gibt keinen Hinweis, dass Ranuccis Freundschaft mit Lavitola seine
journalistische Arbeit beeinflusst hätte. Doch der Rechten ist das egal.
Ranucci sei als Leiter von Report „untragbar“, solange „keine Klarheit“
herrsche, heißt es seit Wochen aus der FdI. Praktisch, dass die Partei die
Führung der RAI kontrolliert. Zunächst setzte die RAI eine Ethikkommission
auf Ranucci an – ohne Ergebnis. Am Freitag wurde er dann ohne Begründung
abgesetzt. Es hieß lediglich, man wolle „Schaden von der RAI abwenden“.
Ranucci lehnte die drei Alternativposten ab, die ihm der Sender anbot, und
kündigte an, vor Gericht zu ziehen – mit guten Erfolgsaussichten. Ob Report
nach einem möglichen Sieg noch existiert, bleibt ungewiss. Die RAI hat
bereits zwei neue Moderator*innen benannt, die jedoch von der
Redaktion abgelehnt werden. Zudem erklärten die wichtigsten Autor*innen
der Sendung in einem Communiqué, sie würden geschlossen die Sendung
verlassen, sollte die RAI an ihrer Entscheidung festhalten. Von Report
bliebe dann nur der Name – nicht aber die bei den Zuschauer*innen
beliebte Sendung.
29 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Michael Braun
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