# taz.de -- Vorbildhafte Ausbildung beim SC Freiburg: Von Waldsee in die Welt
> 25 Jahre Freiburger Schule: Nach zwei verlorenen Endspielen wollen die
> Freiburger dank ihrer Nachwuchsschmiede weiter oben angreifen.
(IMG) Bild: Vor fünf Jahren: Max Rosenfelder (r.) spielt für den SC Freiburg II gegen Albion Vrenezi von Türkgücü München
Wüsste man es nicht besser, man würde hohe Beträge darauf wetten, dass
Jürgen Klopp die Benennung seiner Nationalspieler mit der Geschäftsstelle
des SC Freiburg abgesprochen hat. Die ist dem Vernehmen nach seit Langem
damit beschäftigt, die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum der
Freiburger Fußballschule zu organisieren. Und prompt beruft der
Bundestrainer am Donnerstag mit Philipp Treu, [1][Noah Atubolu (seit Sommer
allerdings bei Eintracht Frankfurt)], Yannik Engelhardt und Max Rosenfelder
gleich vier Spieler, die im Freiburger Nachwuchsbereich ausgebildet wurden,
ins Aufgebot für die Nations-League-Spiele.
Das ist nicht ohne Aussagekraft in Zeiten, in denen sich die Nation nach
einem gründlich in den Sand gesetzten Turnier fragt, wo auf einzelnen
Positionen die zukunftstauglichen Spieler herkommen sollen. Denn genau
diese Frage beantwortet der [2][Sportclub Freiburg seit 25 Jahren] auf
seine Weise: Er bildet sie selbst aus.
Das klappt prima, vorausgesetzt, das hoffnungsvolle Talent will nicht
Bundesligastürmer werden. Egal, ob Papiss Demba Cissé oder Nils Petersen
und Igor Matanović – alle Freiburger Stürmer der vergangenen 25 Jahre
wurden eingekauft. Warum das so ist, können sie sich in Freiburg nicht
erklären. Zumindest offiziell nicht.
Das Gebäude des Freiburger Nachwuchstrakts, das „Mösle“, liegt im
idyllischen Stadtteil Waldsee. Auf dem Weg dorthin ist man ab Ende Februar
gut beraten, auf seine Füße zu achten, um die Amphibienwanderung nicht zu
stören. Die gesamte Freiburger Nachwuchsarbeit atmet immer noch den Geist
[3][ihres Gründers, Langzeittrainer Volker Finke] (1991–2007). Dem
studierten Pädagogen war es wichtig, dass neben einem modernen
Fußballtraining auch die Persönlichkeitsbildung nicht zu kurz kam.
## 73 Jugendspieler für Profiteam ausgebildet
Von Beginn an kooperierte man mit Schulen und bot vor Ort Nachhilfe und
Hausaufgabenbetreuung an. Neben den Trainern arbeitete auch früh eine
Pädagogin im „Mösle“. Die half beim Deutschlernen, tröstete bei Heimweh und
sorgte dafür, dass das Pächterehepaar der Stadiongaststätte auch mal fünfe
gerade sein ließ und nach einem Heimsieg Schnitzel mit Pommes auftischte.
Heute gibt es eine eigene pädagogische Abteilung unter Leitung von Markus
Kiefer.
Der Impuls zum ersten Spatenstich im Jahr 2000 war indes Finkes
Überzeugung, dass der SC aus dem industriearmen Südbaden nur dann eine
Chance haben würde, wenn er das Geld, das andere für Ablösesummen ausgeben,
in die Ausbildung des künftigen Bundesligapersonals investieren würde. Wie
gut das Kalkül aufging, zeigt ein Blick auf die Statistik. 73 Spieler, die
beim SC ihre ersten Profispiele absolvierten, sind aus der Fußballschule
hervorgegangen. Europaweit bekommen selbstausgebildete Spieler nur bei
Athletic Bilbao und Real Sociedad San Sebastián mehr Einsatzminuten.
Allein die Verkäufe der Fußballschüler Kevin Schade, Nico Schlotterbeck,
Johan Manzambi und Noah Atubolu brachten zudem weit über 100 Millionen Euro
ein und leisteten einen großen Beitrag dafür, dass der Festgeldspeicher mit
etwa 200 Millionen Euro randvoll ist und man regelmäßig international
spielt. Wie am 20. Mai dieses Jahres, als der SC in Istanbul das größte
Spiel seiner Geschichte, [4][das Finale der Europa League, bestritt]. 0:3
ging es gegen Aston Villa verloren.
Doch beim Sportclub finden sie, dass die Nacht am Bosporus den Beweis
erbracht hat, dass man in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht
hat. Und zwar ziemlich genau in der 86. Minute. Zu diesem Zeitpunkt wurde
im Typras-Stadion Christian Günter eingewechselt. Und damit der achte
Akteur, der in der vereinseigenen Fußballschule ausgebildet worden war.
Neben Matthias Ginter, Noah Atubolu, Johan Manzambi, Nicolas Höfler, Treu,
Jordy Makengo und Max Rosenfelder.
## Lob von Uli Hoeneß
Schon 2001 staunte die Republik nicht schlecht, als der SC seine
Fußballschule eröffnete und somit die Wendung etablierte, es werde in
„Steine statt Beine“ investiert. Der Spiegel räumte gleich mehrere Seiten
für eine Reportage frei. Und Uli Hoeneß verkündete: „Was die machen, ist
richtungsweisend.“ Es dauerte einige Jahre, bis die Konkurrenz nachzog.
Doch dann wurden mit aller Macht und viel Geld bundesweit
Nachwuchsleistungszentren errichtet. Heute sind sie eine der
Lizenzierungsvorgaben der DFL.
Längst bilden viele Klubs nun hochwertig aus. Und lassen teure Neueinkäufe
spielen. Umgekehrt gibt man mittlerweile auch in Freiburg stattliche
zweistellige Millionensummen für Neuzugänge aus. Am obersten Gebot der
Vereinspolitik – der Durchlässigkeit zwischen Nachwuchs- und Profibereich –
haben sie in den 25 Jahren ebenso wenig gerüttelt wie an der Maxime, dass
jeder Euro, der in den Nachwuchs fließt, ein gut investierter ist.
Es bleibt dabei: Wenn ein junger und ein älterer Spieler annähernd gleich
gut sind, spielt beim SC der jüngere. Dass es bei vielen Konkurrenten genau
andersherum ist, ist dem Sportklub im vergangenen Vierteljahrhundert immer
sehr recht gewesen.
19 Sep 2026
## LINKS
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(DIR) [3] /Die-letzten-Tage-mit-Volker-Finke/!3198171/
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## AUTOREN
(DIR) Christoph Ruf
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