# taz.de -- Neuer Köln-„Tatort“: Albtraum nach der Flut
       
       > Im neuen Köln-„Tatort“ geht es um Verantwortung und Preppertum. Vor allem
       > aber zeigen zwei Schauspielerinnen, was möglich ist im Fernsehen.
       
 (IMG) Bild: Der letzte Mensch wird der erste sein
       
       Diesem „[1][Tatort“ aus Köln] muss man ein wenig Zeit lassen, sagen wir so
       fünfzehn Minuten. Dann hat sich die tatorttypische Erklärbärdramaturgie
       ausgetobt – sie kommt dann momentweise wieder hoch, da holen wir uns Snacks
       oder gehen auf Klo –, und es kann schon losgehen.
       
       Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar
       Bär) stehen für die gute alte Bundesrepublik, in der Raumdufthändler, die
       den Verwesungsgeruch der von ihnen vertretenen Klientel überdecken sollen,
       noch keine prägende Rolle im öffentlichen Leben spielten.
       
       Mit Ballauf und Schenk werden noch individuelle, moralische Geschichten
       verhandelt, von persönlicher Schuld, Trauer, Neid, Habgier, Angst und
       Panik.
       
       Zwei außergewöhnliche Schauspielerinnen stehen dafür mit ihren Rollen ein.
       Ann-Kathrin Kramer als patente Pferdewirtin, die es irgendwann so satthat,
       sich immer hinten anzustellen; und nun wirklich mit einer perfekten
       Performance Katrin Wichmann als Prepper-Gattin und überforderte Mutter, der
       als einziger Freund nur noch der Limoncello bleibt. So etwas sieht man sehr
       selten, nicht nur im deutschen Fernsehen, und sollte es sich nicht entgehen
       lassen.
       
       ## Die schlimme Jugend
       
       Die [2][Obsession der „Tatort“-Reihe mit der Jugend,] die immer irgendwie
       einen schizophrenen Schatten hat, bedrohlich wie ein Eisberg, dem man sein
       volles zerstörerisches Volumen nicht ansieht, kommt auch in dieser Folge zu
       voller Blüte. Was umso absurder ist, als es ja tatsächlich immer weniger
       junge Menschen gibt, dafür haben Boomer und folgende Generationen geschickt
       gesorgt und sich so ihren Machterhalt gesichert.
       
       Dies gesagt, kann man Paul Ahrens als 16-jährigem Prepper-Sohn Mats
       Zechmann überhaupt keinen Vorwurf machen. Aber er muss halt in arg eng
       gesetzten Grenzen agieren.
       
       Ganz im Gegensatz zu dem, was den ganzen mäandernden Schlamasselplot dieses
       „Tatorts“ auslöst, [3][eine Flut nämlich], die Menschen und Tiere mitreißt
       und vom Einzelnen verlangt, sich zu positionieren, als Retter für andere
       oder nur für sich selbst. Ob das alles dann im Einzelnen schlüssig ist,
       bleibt wie bei jedem Krimi, der Fahrt aufnimmt, zweitrangig.
       
       Es gibt hier Menschen, die interessieren und deren Schicksale wir bis zur
       Auflösung verfolgen wollen. Und das bei einem Film, der moralisch, aber nur
       ganz selten moralistisch ist.
       
       20 Sep 2026
       
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