# taz.de -- Neuer „Tatort“ aus Köln: Düstere Abgründe im Schatten des lustigen Tapirs
       
       > Ach, wie heiter und heil ist doch die Welt des Kinderfernsehens! Oder?
       > Ballauf und Schenk ermitteln im Autowrack und im Kreise von
       > Erklärbär*innen.
       
 (IMG) Bild: Die Ermittlungen laufen: Ballauf und Schenk
       
       Selbstironie, das können die Kölner. Oder zumindest der Kölner „Tatort“ mit
       Ballauf und Schenk. Die langjährigen „Tatort“-Kommissare – nach dem Ende
       von [1][Batic und Leitmayr in München] schlägt sie nur noch Lena Odenthal
       in Ludwigshafen in Sachen Betriebszugehörigkeit – wagen sich diesmal in
       besonders gefährliche Gewässer: [2][Kinderfernsehen.]
       
       Und gleich in den ersten Minuten wünscht sich Schenk, dass es doch bitte
       mehr gut gemachte Kindersendungen mit pädagogischem Anspruch geben soll
       statt immer diese Krimis.
       
       Als Krimikolumnistin möchte ich mir einen derartigen Krimidiss verbitten,
       aber Unrecht hat Dietmar Bär als Freddy Schenk auch nicht. Neben „Tatort“
       und „Polizeiruf“ wird das Publikum, also wir Kolumnist*innen, auch mit
       Krimis im Saarland oder Portugal, im Spreewald, auf Fehmarn, in Venedig
       oder auf Usedom, in Vergangenheit und Zukunft und in der Gegenwart sowieso,
       versorgt.
       
       Wo es auch in Zeit und Raum hingeht: Irgendeinen Mord gibt es immer. Und
       manchmal auch zwei oder drei. [3][Copaganda] hat im öffentlich-rechtlichen
       Fernsehen eben immer Konjunktur.
       
       ## Heiter und selbstironisch
       
       Neben angemessener Kritik am eigenen Metier badet das Kölner Team aber auch
       sonst diese Woche in fröhlicher Selbstreferentialität: Max Giermann, eines
       dieser „Den kenne ich doch irgendwoher“-Gesichter und sonst vor allem
       höchst erfolgreich im Kabarett- und Comedy-Umfeld unterwegs, stichelt gegen
       [4][Ralph „Quarks“ Caspers] und inszeniert die zwei Seiten seiner Figur
       Frank Anders, Held der Kindersendung „Sachen und Lachen“ und Albtraum
       seiner Belegschaft, auf’s Herrlichste überdreht.
       
       Heiter und selbstironisch geht es hier sowieso zur Sache, mit Szenen, die
       sich zwischen bunter Kika-Welt und unappetitlicher Leichenbeschau fröhlich
       abwechseln.
       
       Aber wenig überraschend stellt sich recht schnell heraus: Die Abgründe der
       fröhlichen, quietschbunten Kinderfernsehenwelt sind tief. Und düster noch
       dazu.
       
       Und vielleicht sogar noch düsterer, als es die Suche nach dem Backenzahn
       einer verbrannten Leiche in einem Autowrack je sein könnte. [5][Dieter
       Wedel]- bis Weinstein-eske Verhältnisse hinter den Kulissen, Spielsucht,
       Ideenklau, Schweigegeld, nicht nur eine, sondern gleich zwei Leichen,
       enttäuschte Kinderträume und zu allem Überfluss ein enttäuschter Freddy
       Schenk noch dazu.
       
       ## Ein gebrochenes Kinderherz
       
       Der muss nämlich feststellen, dass die Kindersendung, die er mit seiner
       Enkelin Frida so gerne geschaut hat, vielleicht doch nicht so die heile
       Welt lebt, die vor der Kamera suggeriert wird.
       
       Vor lauter Spielfreude aller Beteiligten (auch toll: Erkan Acar als
       gefrusteter Tapirdarsteller Yassin Meret) und Liebe zum Detail, von Set-
       bis Sounddesign, merkt man fast nicht, dass das Drehbuch von Arne Nolting
       und Jan Martin Scharf leider einige Löcher aufweist, die auch die
       Erklärbär*innen der Sendung „Sachen und Lachen“ nicht sinnvoll
       begründen können.
       
       Dem Kölner Duo mit seiner charmanten Chemie zwischen den beiden Kommissaren
       verzeiht man aber sowieso schon fast alles, und Regisseurin Isabell Šuba
       hat es in ihrem „Tatort“-Debüt geschafft, Krimiklischees entweder elegant
       zu umschiffen oder doppelbödig mit ihnen umzugehen.
       
       Der Täter ist nämlich nicht immer der Gärtner. Und auch nicht der Tapir.
       Sondern manchmal ist es auch ein gebrochenes Kinderherz.
       
       12 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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